Zur Homöopathie in der Klinik

Zur Homöopathie in der Klinik

Die Geschichte der Homöopathie am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus von 1940-1973

Von Thomas Faltin

Kurzbesprechung und vereinzelte Auszüge aus diesem Buch

Von Siegfried Letzel

 

Die folgende Besprechung bezieht sich auf das Werk von Thomas Faltin „Homöopathie in der Klinik – die Geschichte der Homöopathie am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus von 1940-1973; ISBN 3-8304-7153-X; Karl F. Haug Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart; Herausgeber: Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung.

Ausgehend von einer zusammenfassenden Darstellung der Bedeutung homöopathischer Krankenhäuser und der Geschichte homöopathischer Krankenhäuser in Deutschland im Allgemeinen, kommt Herr Faltin zu den homöopathischen Krankenhäusern in Stuttgart, um dann speziell auf das Robert-Bosch-Krankenhaus einzugehen. Sehr detailliert recherchierte und beschreibt er das Umfeld und die Strukturen von den ersten Ideen für ein neues Krankenhaus, der Planung und der Baugeschichte, bis er zu den Beschäftigten, den medizinischen Abteilungen, der Krankenpflege und der Krankenhausapotheke kommt.

Der Industrielle und Stifter Robert Bosch machte Vorgaben, deren Absicht dahin geht, „neben der Linderung von allerhand Not, vor allem auf Hebung der sittlichen, gesundheitlichen und geistigen Kräfte des Volkes hinzuwirken. [...] Es soll gefördert werden: Gesundheit, Erziehung, Bildung, Förderung Begabter, Völkerversöhnung und dergleichen.“ Hauptzweck seiner Stiftung sei „die öffentliche Gesundheitspflege, unter besonderer Berücksichtigung der Homöopathie, ihrer wissenschaftlichen Erforschung, ihrer Lehre, praktischen Anwendung und Verbreitung, insbesondere dadurch, dass die Gesellschaft das Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart [...] betreibt. Wichtig war ihm ausschließlich, dass die Homöopathie gefördert werden soll, weil sie volkswirtschaftlich von größter Bedeutung sei. Oberstes Ziel des RBK ist für Robert Bosch also die Durchsetzung der homöopathischen Heilweise auf dem Gesundheitsmarkt.

Bosch stellte sich die Förderung so vor, dass die Krankenbehandlung in diesem Krankenhaus in entscheidendem Maße unter dem Zeichen der Homöopathie stand. Der Klinik wird die Aufgabe gestellt, durch Forschung, Experiment und klinische Behandlung die homöopathische Heilweise zur vollen Höhe ihrer Leistungsfähigkeit zu entwickeln, die gewonnenen Erkenntnisse in Lehre und Schrifttum auszuwerten und der Mitwelt wie Nachwelt zur Weiterbildung zu überliefern.

Mit bewundernswerter Genauigkeit und präzise recherchiert, beschreibt Herr Faltin nach der durch ihn gesichteten noch erhaltenen Aufzeichnungen und Literatur, wie das von Robert Bosch formulierte Ideal in die Wirklichkeit (nicht) umgesetzt wurde. Denn seit 1973 wird am RBK die Homöopathie nicht mehr angewandt. In einem Hauptabschnitt des Buches untersucht Thomas Faltin die Problematik für das Scheitern der Homöopathie am RBK. Dabei beschränkt er sich nicht nur auf Homöopathieinterna, sondern der Autor untersucht auch die Gründe, die durch involvierte Personen und Entscheidungsträger geliefert wurden, oder wie der Wandel der Zeit die anvisierten Ziele verfehlen ließ, wie Erfolge der Schulmedizin, zumindest im klinischen Bereich, die Homöopathie mehr und mehr in Frage stellte. Nicht zuletzt stellte die Frage nach der Wissenschaftlichkeit der Homöopathie eine Hürde dar, die bis heute noch nicht genommen ist. Könne die Homöopathie ihre Wirksamkeit grundsätzlich oder beim einzelnen Medikament zweifelsfrei nachweisen und so ein ernstzunehmendes Heilverfahren sein?

Wer sich für die Einzelheiten dieser Bereiche interessiert wird nicht umhin kommen, sich die „Homöopathie in der Klinik“ zuzulegen. Wie weit das Ideal und die Realität auseinander liegen können, wird am Beispiel des RBK deutlich. Wenn immer künftig neue Initiativen für ein neues homöopathisches Krankenhaus ergriffen werden – die Umstände und Fehler im ‚Fall’ RBK können sich weitgehend wiederholen. Und die anfänglichen Hürden werden wesentlich höher gesteckt sein als jemals zuvor.

Es gibt heute nur noch sehr wenige Krankenhäuser in Deutschland, die das Attribut „homöopathisch“ für sich beanspruchen können. Das liegt daran, dass regelmäßig Fehler und Mängel vorlagen, die das dauerhafte Bestehen homöopathischer Kliniken erschwert haben und zu deren Verschwinden geführt haben.

Das jemals größte homöopathische Krankenhaus in Deutschland war das Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart, dem der Industrielle Robert Bosch immer wieder große Geldsummen zur Verfügung stellte, sodass es hervorragend ausgestattet war und auch einige der renommiertesten Homöopathen Deutschlands beschäftigte. Es gelangte bald, zusammen mit dem „Stuttgarter homöopathischen Krankenhaus“, zu der Ehre, in Praxis, Forschung und Lehre als das „Mekka der Homöopathie“ in Deutschland und in der Welt zu gelten.

Die Entwicklung vom Krankenhaus, in dem die Homöopathie eindeutig das dominierende Heilverfahren sein sollte, hin zur rein schulmedizinischen Klinik, in dem alternative Heilverfahren kaum noch eine Rolle spielen, ist inzwischen Geschichte.

Die städtischen und staatlichen Behörden standen den frühen Stuttgarter homöopathischen Krankenhäusern vorwiegend positiv gegenüber. Dies verbesserte sich in den Jahren 1933-1945, da in der „Neuen Deutschen Heilkunde“ eine Synthese zwischen Schulmedizin und Alternativmedizin vollzogen werden sollte. Die Homöopathie und auch das Krankenhaus als zentrale Stätte des Gesundheitssystems spielten dabei eine große Rolle. Somit wuchs dem Robert Bosch Krankenhaus eine große Bedeutung innerhalb des staatlich beförderten Gesundheitskonzepts zu.

Die Homöopathie war übrigens Bestandteil der Ausbildung an der Krankenpflegeschule des RBK (Robert Bosch Hospital). Wie umfangreich und tief diese Ausbildung war, lassen die Quellen nicht erkennen. Spätestens 1956 fiel diese zusätzliche Wissensvermittlung wieder weg, sodass sich die Krankenpflegeschule des RBK fortan nicht mehr von anderen Schulen unterschied.

Aufgrund der grundsätzlichen Einstellung Robert Boschs wurde am RBK eine Homöopathie gelehrt und angewandt, die sich der „naturwissenschaftlich-kritischen“ Richtung verpflichtet fühlte (siehe Moritz Müller um 1820, der als erster homöopathischer Arzt dafür plädierte, die Homöopathie ständig nach wissenschaftlichen Erkenntnissen weiterzuentwickeln und auch Elemente der „Allopathie“ in die Therapie zu integrieren). Dies führte auch am RBK zu Diskussionen.

Aufgrund dieser Orientierung an wissenschaftlichen Grundsätzen der Nachvollziehbarkeit und Nachprüfbarkeit war am RBK eine Einbeziehung bestimmter homöopathischer Richtungen oder bestimmter anderer Alternativverfahren kaum denkbar. So entschied man sich bei der Erforschung der Potenzfrage dezidiert für die Tiefpotenzen: „Im Stofflich-Erweislichen müssen wir anfangen, wissenschaftlich zu forschen und festen Untergrund zu schaffen.“ (Walz)

Die wissenschaftliche Durchdringung der Homöopathie sollte aus diesem Grund am RBK oberste Priorität haben. Eine schulmedizinische Diagnostik war am RBK selbstverständlich. Auch bedienten sich die Ärzte immer dann der schulmedizinischen Therapie, wenn die Homöopathie nicht erfolgversprechend war. Tiefpotenzen wurden bis maximal D 30 angewandt, da man sich hierbei noch einen wissenschaftlichen Wirkmechanismus auf biochemischer Grundlage vorstellen konnte. Und das RBK bevorzugte eine organpathologische Ausrichtung der Mittelwahl: Während Samuel Hahnemann und viele seiner Nachfolger die gesamte Persönlichkeit des Patienten (subjektive und objektive Symptome, Modalitäten usw.) bei der Wahl des Arzneimittels berücksichtigten, war am RBK die organspezifische Symptomatik ausschlaggebend.

In der klinischen Therapie in den inneren Abteilungen dominierte die wissenschaftliche Ausrichtung, was sich vor allem in der Bevorzugung niedriger Potenzen und in einer Symbiose von homöopathischer und schulmedizinischer Behandlung ausdrückte. Aus einem Bericht aus dem Jahre 1955: „Zusammenfassend könnte man bei schweren Krankheitsfällen die Homöopathie als Zusatztherapie zur Allopathie betrachten. Eine homöopathische Therapie von Obstipation und Schmerzzuständen gelang anscheinend nicht. Nach Abklingen schwerer Krankheitszustände durch allöopathische Medikamente folgt häufig eine homöopathische und balneologische Behandlung. Bei gemischter Therapie wird in ca. 45 % im Durchschnitt die Wirkung homöopathischer Mittel – obwohl nicht sicher beurteilbar – als wirksam beschrieben.“ Der Bericht stellt fest: „Rein homöopathisch behandelte Patienten gibt es daher zurzeit im Robert Bosch Krankenhaus kaum.“

Nach 1956 verschwand die Homöopathie weitgehend aus den stationären Abteilungen des RBK. Es kam zu einem rapide sinkenden Verbrauch homöopathischer Mittel.

Interessanterweise hatte es sich selbst bis Anfang der 1960er Jahre unter vielen auswärtigen Ärzten und Patienten nicht herumgesprochen, dass in den stationären Abteilungen des RBK kaum noch homöopathisch behandelt wurde. Der Ruf des RBK als „Mekka der Homöopathie“ war nach wie vor stark.

Der Anteil der homöopathischen Behandlung in der Poliklinik des RBK liegt höher. Eine Analyse über einen Zeitraum von 1957 bis 1973 zeigt, dass der Anteil ausschließlicher oder gemischter homöopathischer Behandlung sehr hoch war: rund 75 %. Hier wurde also möglichst homöopathisch behandelt, das heißt, im Jahre 1966/1967 würden für 169 Patienten 911 homöopathische und 396 schulmedizinische Mittel verordnet (Verhältnis 2,3 zu 1 zugunsten der homöopathischen Mittel). Auffallend ist, dass im Durchschnitt jeder Patient 5,4 homöopathische und zusätzlich 2,3 schulmedizinische Verordnungen bekommen hat. 58 % der Patienten wurden ausschließlich homöopathisch behandelt.

Der leitende Arzt Ritter kam zu dem Fazit, „dass sich in der ambulanten Praxis auch heute noch ein recht großer Teil homöopathisch behandeln lässt“, wobei er eine bedeutende Einschränkung macht: Die homöopathisch behandelten Patienten könnten „ebenso gut oder besser“ schulmedizinisch therapiert werden; viele sprächen aber besser auf homöopathische Mittel an.

Über die Zeit unter dem leitenden Arzt Hans Ritter (1957 – 1968) lässt sich die bestehende Praxis der Homöopathie in der Poliklinik so beschreiben: In der Praxis versuchte Hans Ritter aus Gründen der Wissenschaftlichkeit eine klare und das heißt nachprüfbare Linie verfolgen. Er verwandte ausschließlich Tiefpotenzen, wobei für ihn nur aufgrund der Erfahrung am Krankenbett entschieden werden könne, welche Dosierung im speziellen Fall angebracht sei. Das Potenzspektrum lag meist sehr eng zwischen unverdünnt und D 6. Ein Problem war in der Praxis die Zahl der verabreichten Arzneimittel. Grundsätzlich gab Ritter lediglich ein Mittel, um dessen Wirkung gut beobachten zu können; aufgrund der „Multimorbidität“ vieler Patienten sei es jedoch „häufig ein frommer Wunsch“ geblieben, lediglich ein Einzelmittel zu verschreiben. Außerdem sei das Symptomenbild oft so vielgestaltig gewesen, dass es nicht möglich gewesen sei, das Krankheitsbild mit einem Mittel abzudecken. Dann habe er mehrere Mittel verschrieben, „um gewissermaßen, statt mit einer Kugel, mit Schrot zu schießen“. Was die Mittelwahl anbetraf, so orientierte sich Ritter ebenfalls stark an der Schulmedizin: Zwar bezog er die subjektive Symptomatik bei der Anamnese mit ein, letztlich behandelte er dennoch vorwiegend nach organotropen Gesichtspunkten: „Wir hatten schon angedeutet, dass wir der Individualisierung in der Homöopathie nicht die Bedeutung beimessen, die gern verkündet wird.“

Ritter schrieb auch: “... dass unsere heutige medizinische Wissenschaft das unverrückbare Fundament nicht nur in diagnostischer, sondern auch in therapeutischer Hinsicht ist.“ Die Homöopathie besitze lediglich einen „Ergänzungswert“, könne aber teilweise fühlbare Mängel der Schulmedizin ausgleichen.

Der Homöopathie am Krankenbett erteilte Ritter sogar eine vollständige Absage.

Ritters Nachfolger wurde Konrad Hötzer, der die naturwissenschaftlich-kritische Richtung mit der klassischen Homöopathie verbinden wollte. Sein Ziel war deshalb, die Homöopathie nicht nur als organotrope Pharmakotherapie anzuwenden, sondern auch in personotroper Weise zu nutzen. Gerade bei der Einbeziehung der subjektiven Merkmale und bei der Bedeutung einer individualisierenden Therapie hätten Homöopathie und Tiefenpsychologie gleiche Ziele, sodass hier eine fruchtbare Verbindung möglich sei. Hötzer wurde zum Vorwurf gemacht, ein zu klassischer Homöopath zu sein, auch sah man seine Beschäftigung mit Naturheilkunde und Psychotherapie nicht gern. 1973 kam es schließlich zur Trennung.

Robert Bosch hatte in seinen Richtlinien für das RBK großen Wert auf homöopathische Forschung gelegt. Die Wirksamkeit der Heilweise sollte wissenschaftlich nachgewiesen und ihr Arzneischatz verbessert werden. Deshalb wurde von allen leitenden Ärzten des RBK erwartet, dass sie auch wissenschaftlich tätig seien.

Der schwierige Nachweis, dass das Simile-Prinzip Gültigkeit besitzt, hätte der Homöopathie einen gewaltigen Auftrieb verschafft. Doch dieser Nachweis ließ sich selbst auf empirischer Ebene nicht bewerkstelligen. Der Arzt wandte homöopathische Mittel beim Patienten nach der Ähnlichkeitsregel an und erzielte damit auch Erfolge: Ob diese Erfolge aber auf dem Simile-Prinzip, einen Plazeboeffekt, der Suggestion oder womöglich gar auf einem völlig anderen Heilprinzip beruhte, war nicht feststellbar. Unter dem Druck wissenschaftlicher Normen waren deshalb viele Homöopathen bereit, die uneingeschränkte Gültigkeit des Simile-Prinzips in Frage zu stellen, sowohl am RBK als auch im Zentralverein homöopathischer Ärzte – das Simile galt vielen lediglich noch als „Arbeitshypothese“.
So wurden nur wenige Versuche in dieser Richtung unternommen. 1966 einigte man sich darauf, nicht die Homöopathie als Ganzes beweisen zu wollen, sondern lediglich die Wirksamkeit einzelner homöopathischer Arzneien wissenschaftlich zu sichern.
Am RBK gab es sowohl die Arzneimittelprüfung am gesunden als auch am kranken Menschen. So konnte untersucht werden, ob die Mittel tatsächlich diejenigen Krankheiten heilten, die die Empirie, die AMPs an Gesunden oder die Repertorien vorgaben. Arzneiwirkungen am RBK wurden auch im Tierversuch geprüft.

Die AMPs am Gesunden Menschen wurden am RBK vorwiegend in Zusammenarbeit mit den homöopathischen Ausbildungskursen geleistet.

Die Ziele dieser Prüfungen waren der Nachweis der Wirksamkeit des Simileprinzips zumindest für das einzelne Medikament, die Prüfung neuer Stoffe, um sie dem Arzneischatz hinzuzufügen und letztlich die Nachprüfung bereits geprüfter Mittel um die Repertorien von falschen oder überflüssigen Symptomen zu befreien. Jedoch lassen sich nur zehn, wahrscheinlich waren es in Wirklichkeit etwas mehr, AMPs direkt am RBK nachweisen.

Die AMPs an kranken Personen fanden bis 1956 sowohl am Krankenbett als auch bei den ambulanten Patienten der Poliklinik statt. Nach 1956 hatten sie ihren Platz fast nur noch in der Poliklinik. Hans Ritter hat die Wirksamkeit von rund 50 homöopathischen Mitteln in der Weise geprüft, indem er die Krankenakten homöopathisch behandelter Patienten im nachhinein sorgfältig auswertete. Er hatte für jedes Mittel einen Kasten angelegt, in denen alle Blätter von Patienten, die das entsprechende Mittel bekommen hatten, abgelegt waren. So entstand bis 1968 eine umfangreiche Fallsammlung; beispielsweise hat Ritter für Nux vomica rund 400 Behandlungen mit diesem Medikament zusammengetragen. Er hat jedoch nicht alle Arzneisammlungen ausgewertet und die Ergebnisse publiziert.

Als dritte Form der Arzneiprüfung haben Ärzte am RBK Tierversuche angestellt.

Die Potenzierung homöopathischer Mittel war ein weiteres Gebiet der Forschungstätigkeit. Otto Leeser war daran interessiert gewesen, die Wirksamkeit von Hochpotenzen nachzuweisen. Mit Leeser begann auch der Zeitraum, in dem am RBK Grundlagenforschung betrieben wurde. Leeser hatte sogar einen Physiker der Technischen Hochschule Stuttgart herangezogen, um die homöopathische Grundlagenforschung voranzubringen.
Rudolf Pirtkien hat sich während seiner Zeit am RBK auch mit der Systematisierung homöopathischen Wissens beschäftigt. Sein starkes Interesse an der damals noch neuen Computertechnik führte dazu, dass er Versuche unternahm, die Krankenblätter elektronisch zu speichern und auszuwerten; auf diese Weise sollte ein neues Repertorium zusammengestellt werden, in dem der Arzt auf elektronischem Wege schnell und sicher das richtige Mittel finden konnte. In der Fortschreibung dieser Arbeiten entfernte sich Pirtkien jedoch teilweise von der homöopathischen Aufgabenstellung.

Als letztes Forschungsgebiet ist die Homöopathiegeschichte zu nennen. Sie wurde ab 1967 durch Heinz Henne am RBK etabliert. Sie ist bis in die Gegenwart hinein von Bedeutung.

Hiermit ist das Thema Homöopathie am RBK nur sehr oberflächlich und äußerst lückenhaft beschrieben. Die Problematik und das Scheitern der Homöopathie am Robert Bosch Krankenhaus soll an dieser Stelle nicht abgehandelt werden. Homöopathische Krankenhäuser und die dort praktizierte Homöopathie haben es in der Vergangenheit immer schwer gehabt, in einer dominierenden naturwissenschaftlich orientierten Medizin ihre Identität zu bewahren. Und gerade der Verlust dieser Identität scheint sich mir wie ein roter Faden durch die Geschichte ehemaliger homöopathischer Krankenhäuser zu ziehen.

Thomas Faltin hat durch seine akribische Studie ein Werk geschaffen, das seinesgleichen sucht. Seine Quellen suchte er in den Archiven zahlreicher Institutionen, den Privatarchiven leitender Ärzte des RBK und in 766 gedruckten Quellen und Literatur.

Das Ergebnis dieser Recherchearbeit umfasst Umfeld und Strukturen des RBK, Therapie, Forschung und Lehre und letztlich die Problematik und das Scheitern der Homöopathie am Robert-Bosch-Krankenhaus. Wenn man sich nicht nur für die homöopathische Lehre interessiert sondern auch für ihre geschichtliche Entwicklung und ihr Dasein in einer naturwissenschaftlich orientierten Welt, dann ist dieses Buch ein ‚must have’.