Wie man akute Zwischenmittel in chronischen Fällen anwendet

Wie man akute Zwischenmittel in chronischen Fällen anwendet

Author: 
Luc De Schepper

 

Schlüssel

§ 61: Dieses Symbol steht für den entsprechenden Paragraphen in Hahnemanns Organon, aus dem die Referenz stammt

CK: Chronische Krankheiten Dieses Symbol steht dafür, dass der Gedanke Hahnemanns Chronischen Krankheiten entnommen ist.

 

Die Verwendung von akuten Zwischenmitteln

Moderne Homöopathen verstehen nicht mehr, wie ein akutes Zwischenmittel zu verwenden ist. Diese Mittel sind schon alles genannt worden, von Entwässerungsmittel und Tandemmittel, bis zu unterstützende und lesionale Mittel. Zu viele so genannte Meister, die behaupten, konstitutionelle Verschreiber zu sein (Homöopathen, die sagen, dass sie nach den chronischen "Schichten" verschreiben), verbieten generelldie Verwendung von akuten Zwischenmitteln und informieren andere falsch indem sie sagen, dass die Verwendung von akuten Mitteln während der Anwendung eines chronischen Mittels unterdrückt. Diese Personen versuchen immer ein Mittel zu finden, das die gesamte chronische Krankengeschichte abdeckt, ganz gleich, wie der gegenwärtige akute Krankheitszustand des Patienten sein mag. Sie verwenden dieses "konstitutionelle" Mittel gegen alles, ganz gleich, welcher Krankheitszustand sich entwickelt! Diese beschränkte Ansicht ist für den praktischen Arzt der homöopathischen Heilkunst zu extrem.

Warum funktioniert dies sehr selten? Wir müssen uns nur auf die §§ 36-40 des Organon über ähnliche und unähnliche Krankheiten beziehen. In § 38 sagt uns Hahnemann, dass die stärkere und unähnliche akute Krankheit die alte chronischere und schwächere Krankheit aufschiebt oder suspendiert. Wenn man daher das konstitutionelle/chronische Mittel in Notfällen wie in gefährlichen pathologischen Krisen, bei schwerwiegenden Traumata, übermäßiger Belastung, schweren Verletzungen und virulenten akuten Miasmen verabreicht, ist das ein schwerwiegender Fehler, weil man das Risiko eingeht, das natürliche Symptomenmuster zu unterbrechen und sowohl unproduktive Verschlimmerungen als auch zusätzliche Symptome des chronischen Mittels zu verursachen!

Während einer akuten Krise ist das akute Zwischenmittel das Mittel der Wahl! Diese akute Krankheit zeigt ein anderes klinisches Bild als die chronische natürliche Krankheit. Wie könnte ein unähnliches Mittel diese Situation korrigieren? Das wäre ein Schlag ins Gesicht unseres heiligsten Prinzips: Heile Ähnliches mit Ähnlichem. Ein Homöopath muss die Werkzeuge haben, um gefährliche epidemische Krankheiten zu verhüten und zu heilen, Notfälle, Krisen und akute virulente Miasmen zu behandeln. Das akute Mittel muss entsprechend dem kausalen oder erregenden Faktor und seinen aktiven Symptomen (von Boenninghausen [VB] Methode) gewählt werden, nicht entsprechend der chronischen Krankengeschichte! Der gewünschte Mittelweg ist die Klasse der Homöopathen, die ein Gleichgewicht zwischen jenen finden, die nach den Schichten behandeln und jenen, die das großartige Konstitutionsittel gegen alles anwenden. Dieses Thema zum Absoluten zu machen würde nur entgegengesetzte extremistische Ansichten schaffen.

Zweifellos, je näher das Mittel dem Simillimum kommt, desto tiefer und umfassender wird seine Wirkung auf die Lebenskraft (LK) sein. Dies ist ein sehr subtiler Aspekt des Einzelmittels und der minimalen Gabe und es ist ein Wunder, ihn wahrzunehmen. Das Ziel ist immer, die Minimalanzahl an Mittel, die kleinste Menge an Medizin und möglichst wenige Wiederholungen anzuwenden. Da das Simillimum den Nährboden anspricht, auf dem akute und chronische Krankheiten wachsen, kann es manchmal sowohl beides, akute und chronische Manifestationen heilen, als auch als Präventivmittel wirken. Besonders unter Verwendung von Hahnemanns medizinischen Lösungen (5. und 6. Auflage des Organon) stellen wir oft fest, dass die Anpassung der Schüttelschläge oder die Größe der Gabe das Mittel wirken lässt.

Die geschickte Verwendung von Zwischenmitteln ist eine wesentliche Methode in der klassischen Homöopathie, ein Aspekt vollkommenen Fallmanagements. Akute Zwischenmittel werden während der vorübergehenden Unterbrechung der chronischen Behandlung angewendet. Zum Beispiel, "Magen-Verkältung mit Obst (durch Riechen an Arsenik)" (Hahnemanns Chronische Krankheiten, S. 163). Diese Mittel werden basierend auf die erregende Ursache und den aktiven akuten Symptomen gewählt, so dass sie die tiefere Schicht in Verbindung mit einer anderen erregenden Ursache und der Konstitution nicht unterbrechen. Diese Zwischenmittel wirken hauptsächlich oberflächlich, so dass sie nicht mit der komplementären konstitutionellen Behandlung in Konflikt geraten. Sie sind besondere Spezifika, die sich um die Unterbrechung der chronischen Behandlung durch gelegentliche erregende Ursachen kümmern, die die Heilung verzögern würden.

Wegen der fortwährenden Unterdrückung von miasmatischen chronischen Krankheiten in modernen Ländern müssen wir wissen, wann ein akutes Zwischenmittel anzuwenden ist. Wenn Sie die alten Meister lesen (siehe von Bönninghausens Kleine Schriften), werden Sie sehen, dass sie entsetzliche akute Situationen behandelten, die heute immer noch gegenwärtig sind. Nichts hat sich wirklich geändert, außerdem haben wir einige neue akute Krankheiten: SARS (Schweres akutes Atemwegssyndrom), West-Nil-Virus, ‘Four Corners Disease (Hantavirus Lungensyndrom), usw.

Der Grund, weshalb einige Homöopathen davon sprechen, ihre chronischen Fälle mit akuten Mitteln zu unterbrechen, ist der, dass sie die Strategie hinter der Verwendung akuter Zwischenmittel nicht kennen. Wie bereits erwähnt, wenn Sie die erregende Ursache und die aktiven Symptome des akuten Syndroms als Basis für die Mittelwahl (VB Methode) verwenden, dann wird das Zwischenmittel den chronischen Fall nicht stören. Wenn aber der Homöopath während einer akuten Attacke fortfährt, ein tiefer wirkendes chronisches Mittel zu verschreiben, welches die vorherigen tieferen und oft anderen Grundursachen abdeckt, kann dies die natürlichen Schichten der Symptome unterbrechen. Einfach ausgedrückt, eindimensionale konstitutionelle Verschreiber fürchten sich davor, akute Krankheiten zu behandeln, weil sie nicht wissen, wie es zu tun ist.

Hahnemann und akute Zwischenmittel

Was hat Hahnemann über akute Zwischenmittel sagen? Er führte die Idee im Jahr 1828 durch folgende Beispiele in den Chronischen Krankheiten ein:

CK: Unter die Unfälle, welche die Kur nur überhingehend stören, rechne ich: Magen-Ueberladung (durch Hunger, ...), eine Magen-Verderbniß mit fettem, besonders Schweine-Fleische (durch Hunger und Pulsatille), eine Magen-Verderbniß, welche Aufstoßen nach dem Genossenen und vorzüglich Uebelkeit und Brecherlichkeit erzeugt (durch hoch potenzirten rohen Spießglanz). Magen-Verkältung mit Obst (durch Riechen an Arsenik), Beschwerden von geistigen Getränken (Nux vomica), ..., wenn der Schreck Furcht erzeugte, durch Mohnsaft, wenn man aber erst später zu Hülfe kommen kann, oder wenn auch Aergerniß mit dem Schrecke verbunden ist, durch Akonit, ist aber Betrübnis die Folge des Schrecks, durch Ignaz-Samen, ..., unglückliche Liebe mit stillem Gram (durch Ignaz- Samen), unglückliche Liebe mit Eifersucht (durch Bilsen), ..., , Haut-Verbrennen (durch Umschlagen von Wasser, mit hoch potenzirter Arsenik-Auflösung gemischt, ..., Heimweh mit Backenröthe (durch Caps.). (S. 163-164)

Nachdem wir über diese erste Klasse von akuten Krankheiten gesprochen haben, fordert Hahnemann uns auf, die chronische antipsorische Behandlung in Fällen von epidemischen Krankheiten oder vermittelnden Krankheiten nicht fortzusetzen (auszusetzen), um die Symptome der akuten Krise so nicht mit jenen der chronischen Krankheit zu vermischen. Wenn man bei Erster Hilfe, einer Krise oder einem Genus epidemicus verschreiben muss, sollte das konstitutionelle chronische Mittel vorenthalten werden, bis die Krise abgeklungen ist.

CK: Doch wir bedürfen während der Heilung der chronischen Krankheiten durch antipsorische Arznei auch nicht gar selten des übrigen unantipsorischen Arznei- Vorraths in den Fällen, wo epidemische, oder auch nur sporadisch den Menschen befallende, gewöhnlich aus meteorischen oder tellurischen Ursachen entstandene Zwischenkrankheiten (morbi intercurrentes) unsre chronisch Kranken nicht unangetastet lassen und so die antipsorische Kur nicht bloß kurz stören, sondern oft längere Zeit unterbrechen. Hier tritt die übrige, bisher schon bekannte, homöopathische Hülfsleistung ein, weshalb ich hier nichts davon zu erwähnen habe, außer daß die antipsorische Kur gänzlich suspendirt werden muß, so lange die Heilung der herumgehenden, auch unsern (chronischen) Kranken befallenen Zwischenkrankheit dauert, wenn auch einige Wochen im schlimmsten Falle darauf hingingen. Doch auch hier ist, wenn die Erkrankung nicht allzu schwer war, die gedachte Anwendung der nöthigen Arzneien durch Riechen an ein damit befeuchtetes Streukügelchen zur Hülfe oft hinreichend und kürzt die Kur der akuten Krankheit ungemein ab. (S. 164-165)

 

Derselbe Gedanke, den aktiven miasmatischen Zustand in akuten Situationen nicht in Betracht zu ziehen, wird im Organon reflektiert,

§221: War jedoch aus dem gewöhnlichen, ruhigen Zustande plötzlich ein Wahnsinn oder eine Raserei (auf Veranlassung von Schreck, Aergerniß, geistigem Getränke u.s.w.) als eine acute Krankheit ausgebrochen, so kann, ob sie gleich fast ohne Ausnahme aus innerer Psora entsprang, (gleichsam als eine von ihr auflodernde Flamme) sie doch in diesem, ihrem acuten Anfange, nicht sogleich mit antipsorischen, sondern muß mit den hier angedeuteten Arzneien, aus der Classe der übrigen geprüften Heilmittel gewählt, in hoch potenzirten, feinen, homöopathischen Gaben erst behandelt werden, um sie so weit zu beseitigen, daß die Psora in ihren vorigen, fast latenten Zustand vor der Hand wieder zurückkehre, in welchem der Kranke genesen erscheint.

Bei solchen akuten Aubrüchen fordert uns Hahnemann auf, jene sehr spezifischen akuten Mittel zu verwenden, ohne den vorherrschenden miasmatischen Zustand in Betracht zu ziehen, wie wir es für chronische Fälle tun würden. Dies ist eine der wenigen Ausnahmen - zusammen mit den einseitigen Krankheiten, die als schwerwiegende akute Situationen betrachtet werden können, welche die chronische miasmatische natürliche Krankheit aussetzen - bei der wir die VB Methode verwenden. Bei dieser Methode wählen Sie das Mittel entsprechend den Modalitäten, der Örtlichkeit, den Empfindungen und den Begleitsymptomen. Die LK braucht ein Zwischenmittel in Hochpotenz und subtiler oder winziger Gabe, um ein bedrohliches akutes Aufflackern zu dämpfen.

Kent und akute Zwischenmittel

Kent setzte diese Diskussion in seinem Zur Theorie der Homöopathie, in Vortrag XXVI, überschrieben mit die Untersuchung des Patienten, fort.

Es kann vorkommen, daß zwei Krankheitsbilder gleichzeitig ein und denselben Organismus besetzt halten. Da muß man sich nicht verwirren lassen (das heißt nicht, dass beide gleichermaßen aktiv sind). So kann ein chronisch Kranker auch an einer interkurrenten akuten Krankheit erkranken, und der herbeigerufene Arzt mag denken, er müsse da eben auch die Totalität der Symptome erfassen. Tut er das aber bei einer solchen akuten Krankheit und mischt dabei chronische und akute Symptome zusammen, so kommt er in große Verwirrung und findet das rechte Mittel nicht. Die zwei Dinge müssen getrennt gehalten werden.
Er braucht nur die Symptome der akuten Krankheit zur Verschreibung, das Erscheinungsbild der akuten Krankheit. Die chronischen Symptome schweigen übrigens während der Herrschaft der akuten Krankheit, da Letztere sie unterdrückt oder suspendiert ...
Dieses Beispiel illustriert auch die Lehre, nicht zu gleicher Zeit für ein akutes und ein chronisches Miasma zu verschreiben. ...
Halten wir fest, daß nur chronische Krankheiten zu einem Komplex zu­sammenwachsen können. Nie bilden akute und chronische Krankheit einen Komplex ...
Zuerst verschreibt man für die akute Krankheit nach den Symptomen, die zur akuten Krankheit ge­hören. Es ist aber wertvoll für den Arzt, auch alte Symptome chronischen Cha­rakters, die der Patient hat, zu kennen, damit man weiß, was etwa zu er­warten ist, wenn die akute Krankheit ihrem Ende zugeht, wo alte Psora­manifestationen am ehesten zum Durchbruch kommen. Es kann aber auch sein, daß da eine vollkommen neue Gruppe von Symptomen er­scheint.

(Kent, S. 283-286). (Die Randnotiz fügte der Autor hinzu.)

Wie Sie sehen können, folgt hier Kent Hahnemann und trägt jene “modernen Mythen" zu Grabe, keine Akutzustände zu behandeln, während man eine chronische Störung behandelt. Er spricht hier von wahren virulenten akuten Miasmen, nicht von sporadischen Unpässlichkeiten oder nicht-bedrohlichen Verschlimmerungen von chronischen Miasmen. Nachdem die akute Krise vorbei ist, kann der Homöopath die chronische Behandlung wieder aufnehmen.

Von Bönninghausen und akute Zwischenmittel

Von Boenninghausen war ein weiterer Homöopath, der in seinem ersten veröffentlichten systematisch-alphabetischen Repertorium der homöopathischen Arzneien (1832) über akute Zwischenmittel redete, innerhalb eines Unterkapitels, überschrieben mit Unterbrechung des antipsorischen Heilmittels, im Abschnitt, Zwischenittel bei chronischer Krankheit. Dieser Abschnitt enthält eine Liste mit akuten Zwischenmitteln und ihren Symptomen in der Krise während chronischer Behandlungen. Diese therapeutischen Hinweise sind charakteristische Grundgedanken der akuten Zwischenmittel, und der Homöopath muss zur Bestätigung die Materia medica als Referenz zur Bestätigung und Differentialdiagnose zu anderen Mitteln heranziehen. Einige Beispiele beinhalten:

Magen, Überlastung von (Hauptrubrik) mit Unterrubriken:

· Störung mit Magenfieber, Frösteln und Kälte, mit aufstossen, Bry.

· Und Neigung dazu, Ant. crud.

· Durch fette Nahrungsmittel, Puls.

· Frösteln, wie durch Obst, Ars.

Unter den vom Baron aufgelisteten Mitteln sind nichtmiasmatische Mittel wie Aconit, Antimonium crudum, Arnica, Bryonia, Chamomilla, Coffea, Ignatia, Ipecacuanha, Rhus tox. usw. Diese werden für die akuten emotionalen Krisen, Unfälle, Erbrechen, Durchfall, Schwäche durch Verlust von Flüssigkeit und akute Miasmen wie Erkältungen und Grippe verwendet.

Warum findet man ein tief wirkendes Mittel wie Arsenicum unter diesen akuten Zwischenmittel? Es ist in der Liste von Hahnemanns und von Bönninghausens Akutmitteln zur Verwendung bei einem verstimmten Magen - mit anderen Worten einer akuten lokalen Beschwerde. Wenn Arsenicum eine tiefere Beziehung zur Krankengeschichte des Patienten hätte (Sorge, Furcht vor dem Tod, Furcht vor Infizierung, zwanghaftem Benehmen, usw.), dann sollte es nicht während einer ernsten akuten Krise verwendet werden, da es die chronische Behandlung unterbrechen und die Heilung verzögern könnte. Ein anderes oberflächlicheres Simillimum muss an diesem Punkt gewählt werden. Die meisten Zwischenmittel sind nichtmiasmatische Mittel, die keine Beziehung zu den tieferen Aspekten des Falls haben. Sie werden entsprechend der Lage, Empfindung, Modalitäten und Begleiterscheinungen (einem vollständigen von Boenninghausen Fall) gewählt. Diese akuten Zwischenmittel wirken als oberflächliche Mittel, die zu der akuten Schicht von Symptomen, die man entfernen möchte, passen, die aber nicht gegen das zugrunde liegende Miasma oder die zugrunde liegende Konstitution gerichtet sind. Dies bedeutet auch, dass wir diese Zwischenmittel nur für ernste akute Ereignisse wählen sollten, wenn die Krise besondere Aufmerksamkeit erfordert, und nicht für jede unbedeutende Situation, wie es so oft geschieht. Ein Homöopath sollte schwere akute Miasmen, schmerzhafte Verschlimmerungen chronischer Zustände und gefährliche Krisen behandeln, wenn immer dies notwendig ist, weil dies der Verabreichung allopathischer unähnlicher Mittel vorzuziehen ist.

Als Beispiel lassen Sie mich Ihnen davon erzählen, wie ich für mich das richtige Zwischenmittel gegen einen ärgerlichen, anhaltenden Husten wählte, und von dem ich geplagt wurde, während ich ein chronisches konstitutionelles Mittel nahm. Nachdem ich 14 Tage abgewartet hatte und festellen musste, dass der Husten schlechter wurde, beschloss ich, ein Zwischenmittel zu nehmen. Die Rubriken beinhalteten:

· Husten, trocken

· Husten, krampfhaft

· Husten, Zusammenschnürung - Kehlkopf

· Husten, Rauheit des Kehlkopfs

· Kehlkopf und Trachea, Reizung der Halsgrube

· Brust, Empfindung wie ein Band

· Brust, Zusammenschnürung

· Kehlkopf, Kitzeln in der Halsgrube

· Reizbarkeit, allein – möchte allein sein

· Sehr durstig, normalerweise durstlos, außer zu den Mahlzeiten

Viel stärker als der Rest der Mittel erschienen Phosphor (als erstes) und Cuprum (als zweites). Weil Phosphor ein tiefwirkendes antimiasmatisches Mittel ist, das meine chronische Behandlung unterbrochen hätte, entschied ich mich für Bryonia 200 C (als das Akutmittel für Phosphor), Split-Gabe, eingenommen in Wasser aufgelöst, 12 Schüttelschläge, 1 Teel. nach Bedarf. Nach einer Gabe war mein Husten schon viel besser, und er verschwand am nächsten Tag völlig. Später wurde die chronische Behandlung wieder aufgenommen.

Ich stellte die folgende Frage: “Welche Veränderungen sind bei akuten Krankheiten wichtig?" ”

ALLE Symptome, die sich seit dem Beginn des Hustens geändert haben, gehören zum Husten – zum Beispiel jetzt sehr durstig zu sein, während ich normalerweise nicht durstig bin. Dies wird sehr wichtig. Es wäre nicht wichtig, wenn ich schon vor Beginn dieses Hustens immer durstig gewesen wäre.

Ein anderer sehr wichtiger Aspekt von Veränderungen bei akuten Krankheiten sind die Veränderungen in der Anfälligkeit und geistige/emotionale Symptome: die Anfälligkeit während der akuten Krankheit im Vergleich zur üblichen Anfälligkeit wird zum Schlüsselfaktor. Dies muss untersucht werden und spielt unbedingt eine wichtige Rolle bei der Suche des Mittels. Je drastischer diese Veränderung ist, desto wichtiger ist sie. Das “Gefühl, möchte allein sein" ist für mich sehr ungewöhnlich, und Bryonia, das indizierte Mittel, hat sicher sowohl dieses Symptom als auch den großen Durst. Dies ähnelt natürlich der VB Methode, bei der man nur die geistigen/emotionalen Symptome als Werkzeug in Betracht zieht, um zwischen mehreren Mitteln, die dem Falle ähnlich sind, zu unterscheiden. Hahnemann betont ebenfalls die Wichtigkeit von emotionalen Veränderungen bei akuten Erkrankungen.

§ 213 Man wird daher nie naturgemäß, das ist nie homöopathisch heilen, wenn man nicht bei jedem, selbst acutem Krankheitsfalle, zugleich mit auf das Symptom der Geistes- und Gemüths-Veränderungen siehet und nicht zur Hülfe eine solche Krankheits-Potenz unter den Heilmitteln auswählt, welche nächst der Aehnlichkeit ihrer andern Symptome mit denen der Krankheit, auch einen ähnlichen Gemüths- oder Geistes-Zustand für sich zu erzeugen fähig ist.

Hahnemann vergleicht einige Unterschiede zwischen akuten und chronischen Fällen.

§ 82 daß bei dieser Erforschung einiger Unterschied zu beobachten ist, ob das Leiden eine acute und schnell entstandene Krankheit oder eine chronische sei, da bei den acuten die Haupt-Symptome schneller auffallen und den Sinnen erkennbar werden und daher weit kürzere Zeit zur Aufzeichnung des Krankheits- Bildes erforderlich, auch weit weniger dabei zu fragen ist81, (indem sich hier das Meiste von selbst darbietet) als bei den weit mühsamer aufzufindenden Symptomen einer schon mehrere Jahre allmälig vorgeschrittenen, chronischen Krankheit.

§ 99 Im Ganzen wird dem Arzte die Erkundigung acuter, oder sonst seit Kurzem entstandener Krankheiten leichter, weil dem Kranken und den Angehörigen alle Zufälle und Abweichungen von der, nur unlängst erst verlorenen Gesundheit, noch in frischem Gedächtnisse, noch neu und auffallend geblieben sind.

Der Arzt muss hier natürlich ebenso alles wissen, aber er muss viel weniger untersuchen, weil alles, was er wissen muss, ihm erzählt wird, das meiste davon spontan.

Vorgehensweise bei der Fortsetzung der Behandlung nach der Verwendung eines akuten Zwischenmittels

Wieder hilft uns Hahnemann sehr eindeutig in den Chronischen Krankheiten.

CK Der verständige homöopathische Arzt wird gar bald den Zeitpunkt inne werden, wo seine Mittel die Heilung der herumgehenden Zwischenkrankheit (gewöhnlich erscheint sie in der Form eines Fiebers) vollendet haben und der eigenthümliche Gang des chronischen (psorischen) Siechthums sich wieder fortsetzt. Man wird jedoch nach Heilung einer solchen herumgegangenen Zwischenkrankheit die Symptome der ursprünglichen, chronischen Krankheit immer um etwas verändert, auch wohl einen andern Theil des Körpers, als vorher, mehr leidend antreffen, wo dann der homöopathische Arzt genau nach dem jetzt übrig gebliebnen Krankheits-Bilde sein Antipsorikum wählen wird, nicht aber eins geradezu geben wollen, was er sich vor Eintritt der Zwischenkrankheit zu geben vorgenommen hatte. (S. 166). (Die Betonung fügte der Autor hinzu.)

Deshalb muss man nach dem akuten Ereignis (einem heftigen) die Fallaufnahme mit besonderer Betonung auf irgendwelche frisch erschienenen Symptome wiederholen. Die neuesten und permanentesten Symptome weisen auf das nächste Mittel hin. Manche der chronischen Symptome bleiben auch während einer akuten Krise bestehen und erhalten deshalb eine höhere Wertigkeit für die Auswahl des Simillimums. Wenn dasselbe Mittel, das vor der akuten Krise nützlich war, indiziert ist, kann es wiederholt werden. Wenn sich das Symptomenbild geändert hat, dann müssen die neuen Symptome in Beziehung zu allen Daten der zuvor verwendeten chronischen Strategien untersucht werden. Dies zeigt Ihnen auf, wie störend es ist, mit dem chronische Mittel während akuter Krisen fortzufahren! Nach der akuten Episode ist es auch klug zu schauen, ob sich der konstitutionelle Zustand auch ohne die Anwendung jeglichen Mittels stark bessert. Besser abwarten und beobachten und ein Placebo verabreichen, um den Patienten zufrieden zu stellen, bis die Lebenskraft in der Lage gewesen ist, all die Symptome zu produzieren, nach denen sie verschreiben müssen.

Hahnemann erinnert uns weiter in den Chronischen Krankheiten daran, auf ein anderes Ereignis achtzugeben, das nach der Behandlung des akuten Zustandes zu diesem Zeitpunkt stattfinden kann, sogar dann, wenn der Akutzustand richtig behandelt worden ist:

CK Hier ist der Ort, aufmerksam darauf zu machen, daß die großen epidemischen Krankheiten: Menschen-Pocken, Masern, das Purpur-Friesel, das Scharlachfieber, der Keichhusten, die herbstliche rothe Ruhr und andre Typhus-Arten, wann sie ihren Lauf, vorzüglich ohne zweckmäßige, homöopathische Behandlung, vollenden, den Organism so erschüttert und erregt hinterlassen, daß bei vielen, so weit Genesenen die in ihrem Innern schlummernde und latente Psora nunmehr schnell erwacht entweder zu krätzähnlichen Ausschlägen, oder zu andern chronischen Leiden, welche dann bald, wenn sie nicht gehörig antipsorisch behandelt werden, wegen der zu dieser Zeit noch anhaltenden, großen Erschöpfung des Organisms, in kurzer Zeit einen hohen Grad erreichen, in welchem Falle dann von dem gewöhnlichen allöopathischen Arzte, wenn der Kranke nach allen seinen unpassenden Vorkehrungen, wie nicht selten, stirbt, bekannt gemacht wird, er sey an den Folgen des Keichhustens, der Masern u.s.w. gestorben. (S. 166-167).

Wie oft sehen wir einen Patienten in der Klinik der zu uns kommt und sagt: "Ich hatte diesen einfachen Husten (oder diese einfache Grippe oder diese einfache kleine Verletzung oder kleine Störung), und seitdem fühle ich mich nicht mehr wohl." Diese Aussagen werden vom oben genannten Zitat erklärt: dieses "unschuldig erscheinende Ereignis" hat das ruhende, oft psorische Miasma aktiviert, das den Patienten in einem schlechteren Zustand als jemals zuvor zurücklässt. Dies ist für den Patienten und seinen allopathischen Arzt unbegreiflich, wird aber leicht von einem gut ausgebildeten Homöopathen gemanaged.

Zuflucht in die Allopathie

In einer Fußnote zu § 67 führt Hahnemann Situationen aus, in denen der allopathische Eingriff gerechtfertigt ist.

§67 Bloß in höchst dringenden Fällen, wo Lebensgefahr und Nähe des Todes einem homöopathischen Hülfsmittel zum Wirken keine Zeit, nicht Stunden, oft nicht einmal Viertelstunden und kaum Minuten verstattet, in plötzlich entstandnen Zufällen, bei vorher gesunden Menschen, z.B. bei Asphyxien, dem Scheintode vom Blitze, vom Ersticken, Erfrieren, Ertrinken u.s.w., ist es erlaubt und zweckmäßig, durch ... vorerst wenigstens die Reizbarkeit und Empfindung (das physische Leben) wieder aufzuregen ...

Abgesehen von den vorangegangenen Beispielen, wenn eine akute Situation gefährlich unkontrollierbar wird, können wir eine allopathische Palliativbehandlung durchführen, damit wir eine zweite Chance bekommen, die heilende homöopathische Behandlung zu finden. Diese Situation ist eine Ausnahme - zum Beispiel schwerwiegende Blutungen bei einem Patienten mit chronischer Colitis ulcerosa - und dies ist überhaupt nicht damit vergleichbar, wenn man es vorzieht, Patienten rezeptfreie Medikamente oder Antibiotika als Akutintervention aus Furcht davor zu geben, sonst die chronische Behandlung zu unterbrechen. Offensichtlich kennen solche Homöopathen die Grundprinzipien der Homöopathie nicht. Sie sollten wissen, dass rezeptfreie Medikamente (gerade so wie andere allopathische Medikamente) eine unähnliche Krankheit verursachen, und dass sie auf diese Art eine komplexere Krankheit schaffen, die schwieriger zu behandeln ist. Sie erweisen einen schlechten Dienst, sowohl an den Patienten, als auch an andere Homöopathen, die solche Fälle erben. Und sie haben natürlich auf eine Chance verzichtet, zu zeigen, wie gut Homöopathie in akuten Krankheiten wirkt. Die Verwendung von allopathischen Medikamenten könnte für den unfähigen oder faulen Homöopathen ein einfacher Ausweg sein, aber sie wird das Fallmanagement dieses Patienten viel schwieriger machen. Antibiotika können zum Beispiel eine akute Infektion überwinden, aber sie helfen dem Organismus nicht, zukünftige Infektionen zu überwinden. Nach Antibiotika ist die Person in einem gewissen Grad für Mikroorganismen noch anfälliger. Einige Nebenwirkungen von Antibiotika schließen Pilzbefall und die Zerstörung der normalen Flora ein. Außerdem ist die Homöopathie jeder anderen Behandlung, die für Infektionskrankheiten existiert, überlegen.

Welche akuten Ereignisse benötigen ein Zwischenmittel?

Ein ernstes akutes Ereignis überhaupt nicht zu behandeln, ist ein Fehler. Aufgrund ihrer Natur entwickelt sich eine akute Krankheit in vier mögliche Richtungen. Der Patient kann ihr erliegen; sie suspendiert die chronische Krankheit und kann zu einem unabhängigen chronischen Zustand werden; oder sie vereint sich mit der vorhandenen chronischen Krankheit und generiert eine komplexe chronische Krankheit, die viel schwieriger zu behandeln sein wird. Das beste Resultat ist, dass die starke Lebenskraft dieses akute Miasma überwindet, ohne weitere Folgekrankheit zu verursachen. “"Das Geheimnis der Medizin besteht darin, den Patienten abzulenken, während die Natur sich selbst hilft.", sagteVoltaire, aber dies ist kein Grund dafür, die Behandlung von akuten Erkrankungen zu unterlassen!

Margaret Tyler schrieb in ihrem Buch Homöopathische Arzneimittelbilder (im Vortrag über Natrum muriaticum (Nat-m.)) über eine Krisensituation, in der sie einen chronischen Nat mur.- Patienten mit heftigen akuten Kopfschmerzen behandelte. Sie rät in diesem Moment von der Anwendung des chronischen konstitutionellen Mittels ab, weil es schwerwiegende Verschlimmerungen produzieren kann. Stattdessen schlägt sie vor, das Akutmittel von Nat-m., Bryonia, zu verwenden, um die akute Krise zu handeln. Danach wendet sie wieder das chronische Mittel an, um die zugrunde liegende Ursache zu entfernen. Dieser Rat kommt von jahrelanger klinischer Erfahrung und sollte nicht ignoriert werden. Dies bedeutet auch, dass Sie Bryonia nicht fortsetzen, sobald die akute Phase vorbei ist, wie ich einige Homöopathen es habe tun sehen!

Welche akute Krise braucht ein akutes Zwischenmittel, anstatt mit dem chronischen konstitutionellen Mittel fortzufahren? Wie üblich gibt uns Hahnemann sichere Richtlinien. In § 73 der 6. Auflage des Organon, beschreibt Hahnemann drei Arten von akuten Krankheiten. Die erste Gruppe kombiniert jene, die sich auf den Lebensstil/die Nahrung beziehen mit denen mit miasmatischer Prädisposition; die zweite Gruppe enthält Epidemisches und Akutes, die zur Idiosynkrasie gehören; und die dritte Gruppe schließt akute Miasmen wie jene ein, zu denen die Kinderkrankheiten gehören.

Gruppe eins der akuten Krankheiten

Die Gruppe eins ist in drei verschiedene Kategorien unterteilt.

A. Akutsituationen, verursacht durch den Lebensstil oder durch Ernährungsfehler

§ 73 ... Ausschweifungen in Genüssen, oder ihre Entbehrung (aufgrund geringer Wahlmöglichkeiten für die Lebensweise), physische heftige Eindrücke, Erkältungen, Erhitzungen, Strapazen, Verheben u.s.w., oder psychische Erregungen, Affecte (unser modernes Fernsehen, unsere Videospiele, Zeitschriften und heute das dem Internet ausgesetzt sein) (Anmerkungen des Autors)

Diese Angelegenheiten werden auch in § 77 erörtert

§ 77 Uneigentlich werden diejenigen Krankheiten chronische benannt, welche Menschen erleiden, die sich fortwährend vermeidbaren Schädlichkeiten aussetzen, gewöhnlich

· schädliche Getränke oder Nahrungsmittel genießen

· sich Ausschweifungen mancher Art hingeben, welche die Gesundheit untergraben

· zum Leben nöthige Bedürfnisse anhaltend entbehren

· in ungesunden, vorzüglich sumpfigen Gegenden sich aufhalten

· nur in Kellern, feuchten Werkstätten oder andern verschlossenen Wohnungen hausen

· Mangel an Bewegung oder freier Luft leiden

· sich durch übermäßige Körper- oder Geistes-Anstrengungen um ihre Gesundheit bringen

· in stetem Verdrusse leben

Hahnemann nennt diese Situationen auch "falsche chronische Krankheiten", da sie durch fortwährenden Missbrauch chronisch werden können, aber alles, das sie für die Heilung benötigen werden, ist eine vernünftige Änderung der Ernährung und/oder des Lebensstils. Er fährt fort:

§77 Diese sich selbst zugezogenen Ungesundheiten

vergehen, (wenn nicht sonst ein chronisches Miasm im Körper liegt) bei gebesserter Lebensweise von selbst und können den Namen chronischer Krankheiten nicht führen.

In all diesen Fällen ist kein anderes Mittel außer Placebo erforderlich (wenn nach einem Mittel verlangt wird), um die Forderungen eines arzneimittelorientierten oder hypochondrischen Patienten zu befriedigen. Die beste Behandlung ist Ruhe, Schlaf, entsprechende Diät und zärtliche, liebevolle Fürsorge.

B. Akute Situationen mit einem deutlichen krankheitserregenden Faktor und starken Symptomen

Wenn die Verschlimmerung mäßig bis stark ist und eine klare Kausalität vorliegt, dann kann ein Zwischenmittel, das oberflächlich auf das chronische Miasma wirkt, entsprechend der VB Methode gewählt werden, anstatt ein tief wirkendes Polychrest zu geben. Dies wird die Symptome für den Augenblick besänftigen, ohne in dem Fall zu tief zu wirken. Nachdem die Krise abgeklungen ist, wird eine komplementäre konstitutionelle Behandlung benötigt, um die zugrunde liegende Ursache zu entfernen.

Beispiele für Kausalität sind u.a.:

· Akutes physisches Trauma - In diesen Fällen hilft Ihnen die Ätiologie und das betroffene Organ oder Gewebe, das Mittel zu identifizieren. Mit anderen Worten, wenn die Verletzung eine Stichwunde ist, im Vergleich zu einem Schlag (z.B. auf das Auge), dann entspricht dies einem anderen Mittel (Ledum und Hypericum gegen Arnica und Ruta).

· Emotionales Trauma - Sie müssen sich die Art des Traumas, wie auch die Reaktion des Patienten auf das Trauma ansehen, was vom aktiven miasmatischen Zustand des Patienten bestimmt wird. Erinnern Sie sich daran, das Trauma kann das Miasma erwecken! Der "Gemüt"-Abschnitt in Kents Repertorium gibt uns viele Beispiele für emotionale Kausalitäten. Die miasmatische Reaktion des Patienten auf diese Auslöser hilft Ihnen, das entsprechende Mittel zu wählen. Zum Beispiel haben wir die tuberkulöse Eifersucht von Pulsatilla, die psorische von Nux vomica, die syphilitische von Hyoscyamus und die sycotische von Lachesis.

· Gifte und Impfungen - Diese schließen Fälle des Medikamentenmissbrauchs ein, deren allopathische Verwendung, Lebensmittelvergiftung usw. Das beste Gegenmittel ist nicht dieselbe oder isopathische Substanz, sondern das ähnlichste Mittel. Manchmal finden Sie die Auswirkungen von Vergiftungen, wenn Sie die "Arzneimittelbeziehungen" untersuchen und wenn Sie sich ansehen, welches Gegenmittel dieses Arzneimittel aufhebt. Diese Information wird die Gruppe von Mitteln, die Sie untersuchen müssen, einengen.

C. Die akute Verschlimmerung eines chronischen Miasmas

Zum Beispiel kann der Patient in dieser Situation nach Schlaflosigkeit oder nach zu vielem feiern die Grippe bekommen haben. In diesem Fall wollen wir nicht immer die Wirkung des konstitutionellen Mittel mit einem Zwischenmittel unterbrechen. Wenn es keine offensichtliche erregende Ursache gibt, kann es eine vom konstitutionellen chronischen Mittel verursachte Heilkrise sein. Ruhe, Massage und heiße und kalte Wasserbehandlungen (Hydrotherapie) könnten ausreichen, den Patienten sich wohl fühlen zu lassen, bis diese akute Verschlimmerung abgeklungen ist.

In Ländern der Dritten Welt wie Kenia, sah ich mich Situationen ausgesetzt, wie sie die europäischen und amerikanischen Homöopathen zur Wende des 20. Jahrhunderts vorgefunden haben. Viele Leute kamen in einem "akuten" Stadium zu uns, erregt durch körperliche Belastung (die Frauen im Dorf, in dem ich in Kenia arbeitete, hatten mindestens vier Kinder, und acht waren nicht ungewöhnlich), sie waren unterkühlt oder überhitzt, hatten ungeeignete Nahrung zu sich genommen, hatten geistigen Stress usw. Wie viele dieser Fälle sind wirklich akut?

Wie Sie in § 73 sehen können, schlägt Hahnemann vor, und die Erfahrung bestätigt es, dass die meisten dieser Fälle akute Verschlimmerungen von grundlegenden chronischen Zuständen und Miasmen sind, die durch bestehende Ursachen aktiviert werden. Wenn die Symptome keine extreme Krise darstellen, klärt oft das Simillimum, das ihrer konstitutionellen Natur entspricht, die akuten Verschlimmerungen und dann sprechen die grundlegenden chronischen Zustände auf das Mittel an. Dies ist das Hoheitsgebiet des großartigen Simillimums. Dies kann erklären, weshalb Homöopathen wie Massimo Manglialavori erklären, dass es möglich ist, ein einzelnes Mittel zu finden, dass erfolgreich sowohl chronische als auch akute Situationen behandelt. Jedoch, wenn der gleiche Autor behauptet, dass, "er nicht an Miasmen glaubt und nichts über sie weiß", dann wundere ich mich über die Aufrichtigkeit seiner Erklärung. Schulden wir es nicht allen unseren Patienten, dass wir es überprüfen, bevor wir das Konzept von den Miasmen zurückweisen - oder noch schlimmer, wenn wir es überhaupt wegen unseren reflexartigen negativen Ansichten über die Miasmen versäumen, nachzuforschen? Lassen Sie uns nicht in allopathische Überlegungen verfallen, welche an Furcht und Feindseligkeit gegenüber einer der größten Entdeckungen der Homöopathie grenzen.

Hahnemann sagt:

§73, ... im Grunde aber sind es meist nur überhingehende Aufloderungen latenter Psora, welche von selbst wieder in ihren Schlummer-Zustand zurückkehrt, wenn die acuten Krankheiten nicht allzuheftig waren und bald beseitigt wurden.

Nur wenn die Verschlimmerung mäßig bis schwerwiegend ist, wollen wir mit Zwischenmitteln eine Notmaßnahme ergreifen. Wieder hilft Ihnen die VB Methode, das Zwischenmittel zu wählen.

In seinen Kleinen Schriften drückt Kent dasselbe Szenario aus:

Der akute Ausdruck einer chronischen Krankheit wird anders als die akuten Krankheiten therapiert, z.B., ein Kind leidet bei jedem Wetterwechsel an Bronchitis. Es kann schlimmer werden, wenn es mit dem Mittel gegen die akuten Symptome behandelt wird. Das Miasma, das das Kind zu wiederkehrender Anfälligkeit prädisponiert, muss berücksichtigt werden. (Die Betonung fügte der Autor hinzu.)

Gruppe zwei der akuten Krankheiten

§73 ... theils sind es solche, welche einige Menschen zugleich hie und dort (sporadisch) befallen, auf Veranlassung meteorischer oder tellurischer Einflüsse und Schädlichkeiten, wovon krankhaft erregt zu werden, nur einige Menschen, zu derselben Zeit, Empfänglichkeit besitzen;

Dies wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin schon lange anerkannt: es ist bekannt, dass bestimmte Klimafaktoren bestimmte Organe beeinflussen, die eine Neigung zu jenen Bedingungen haben, z.B. Kälte zu den Nieren oder Feuchtigkeit zu Milz und Magen, obwohl nur gewisse Menschen eine hohe Empfänglichkeit für diese besonderen Klimafaktoren zu haben scheinen. Manchmal, aber nicht immer, formen diese Krankheiten akute Schichten, die das konstitutionelle Bild so lange unterdrücken, bis sie ihren Verlauf ausgeführt haben oder von homöopathischen Mitteln entfernt werden. Diese akuten Störungen sind so eng mit der chronischen Empfänglichkeit des Patienten verbunden, dass sie oft mit jedem konstitutionellen Simillimum behandelt werden können. Nur in Notfällen wie Sonnenstich, Austrocknung, ernstem der Kälte ausgesetzt sein, anaphylaktischen Reaktionen, Vergiftungen und schwerwiegendem physischem oder geistigem Trauma, sind diese Fälle wirklich eine akute Krise. In einer solchen Krisensituation weisen die Symptome auf ein Akutmittel hin. Akute Miasmen zeigen eine andere Situation bei sporadischen Krankheiten, weil sie infektiöse Ätiologien einschließen.

Hahnemann erörtert eine zweite Art von sporadischen Krankheiten.

§73 Hieran gränzen jene, welche viele Menschen aus ähnlicher Ursache unter sehr ähnlichen Beschwerden epidemisch ergreifen, die dann gewöhnlich, wenn sie gedrängte Massen von Menschen überziehen, ansteckend (contagiös) zu werden pflegen. Da entstehen Fieber, jedesmal von eigner Natur, und weil die Krankheitsfälle glei chen Ursprungs sind, so versetzen sie auch stets die daran Erkrankten in einen gleichartigen Krankheits- Proceß, welcher jedoch, sich selbst überlassen, in einem mäßigen Zeitraume, zu Tod oder Genesung sich entscheidet. Kriegsnoth, Ueberschwemmungen und Hungersnoth sind ihre nicht seltenen Veranlassungen und Erzeugerinnen

Bei akuten Miasmen ist der Empfänglichkeitsfaktor eng mit den erworbenen und ererbten Miasmen und familiären Erkrankungen verbunden. Deshalb kann das Mittel gegen das akute Miasma auch das Mittel gegen den konstitutionellen Zustand des Patienten sein. Dies gilt besonders für akute Miasmen, die einen unbedrohlichen natürlichen Verlauf haben, mit wenigen oder keinen Komplikationen. Dies kann jedoch nicht der Fall sein, wenn die akute Krankheit von sehr virulenter Natur ist. Wegen ihrer Intensität suspendieren diese akuten Krankheiten die chronische Krankheit, und ein akutes Zwischenmittel wird benötigt, um mit dieser neuen akuten natürlichen Krankheit fertig zu werden. Sie wird ein neues Symptomenbild zeigen, das entweder seinen natürlichen Verlauf hat oder es wird von homöopathischen Mitteln entfernt.

Unter diesen Umständen ist ein akutes Zwischenmittel das Mittel der Wahl. Wir alle haben Patienten gesehen, denen es seit einer bestimmten Krankheit nicht mehr richtig gut ging. Diese NWS (never well since) Akuterkrankung ist jetzt zu einer chronischen Krankheit geworden, stärker und verschieden von der zuvor behandelten chronischen Krankheit, die jetzt suspendiert wird. SARS ist ein gutes Beispiel hierfür.

Tiefwirkende komplementäre Mittel (konstitutionelle und antimiasmatische Behandlung) müssen die chronischen zugrunde liegenden Ursachen entfernen, nachdem die akute Krise sich gebesset hat. Lassen Sie die konstitutionellen Faktoren, die Natur der Krankheit und die Gesamtheit der Symptome (Organon, Aphorismen 5, 6 und 7) die Anhaltspunkte für das homöopathische Mittel sein, und Sie werden Erfolg haben. Folgen Sie den Offenbarungen der LK, und sie wird es Ihnen durch die Ursache, Zeichen und Symptome aufzeigen, welches Mittel sie braucht. Vertrauen Sie darauf, dass es Ihnen die wieder hergestellte LK sagen wird, was zu tun ist!

Gruppe drei der akuten Krankheiten

Hahnemann spielt auch auf die dritte Art von akuten Krankheiten an.

§73 ... theils sind es auf gleiche Art wiederkehrende, (daher unter einem hergebrachten Namen bekannte) eigenartige, acute Miasmen, die entweder den Menschen nur einmal im Leben befallen, wie die Menschenpocken, die Masern, der Keichhusten, das ehemalige glatte, hellrothe Scharlach-Fieber des Sydenham, die Mumps u.s.w., oder die oft auf ziemlich ähnliche Weise wiederkehrende, levantische Pest, das gelbe Fieber der Küstenländer, die ostindische Cholera u.s.w.

Wir sehen dasselbe in unseren modernen Zeiten: Beulenpest in Indien; Tuberkulose- (TB) und Choleraepidemien in Südafrika; Malaria und TB in Kenia; Epidemien während des Krieges zwischen den Tutsi und den Hutu in Ruanda und Burundi, oder der Bürgerkrieg in Zaïre; die Grippeepidemien weltweit, usw. Diese akuten Miasmen werden von Mikroorganismen verursacht und sind selbstbegrenzend, außer wenn sie dazu tendieren, eine rasche Krise auszubilden und dann entweder mit Komplikationenn enden, eventuell sogar mit dem Tod, oder mit der Genesung (eine Person kann diesen Krankheiten mehrfach zum Opfer fallen). Im Gegensatz dazu liefern die im Leben einmaligen Krankheiten eine spätere lebenslange Immunität gegen einen erneuten Angriff.

Alle diese akuten Krankheiten sollten mit Mitteln, die das Bild des akuten miasmatischen Zustandes allein reflektieren - den akuten Genus epidemicus - behandelt werden. Eine Nachbehandlung, mit den konstitutionellen und antimiasmatischen Mitteln ist dann notwendig, um die zugrunde liegende Empfänglichkeit zu entfernen.

Hahnemann warnt uns, nicht auf den Namen der epidemischen Krankheit zu achten, so wie bei der jährlichen Grippe in heutigen Tagen.

§100 Bei Erforschung des Symptomen-Inbegriffs der epidemischen Seuchen und sporadischen Krankheiten, ist es sehr gleichgültig, ob schon ehedem etwas Aehnliches unter diesem oder jenem Namen in der Welt vorgekommen sei.

Die Neuheit oder Besonderheit einer solchen Seuche macht keinen Unterschied weder in ihrer Untersuchung, noch Heilung, da der Arzt ohnehin das reine Bild jeder gegenwärtig herrschenden Krankheit als neu und unbekannt voraussetzen und es von Grunde aus für sich erforschen muß, wenn er ein ächter, gründlicher Heilkünstler sein will, der nie Vermuthung an die Stelle der Wahrnehmung setzen, nie einen, ihm zur Behandlung aufgetragenen Krankheitsfall weder ganz, noch zum Theile für bekannt annehmen darf, ohne ihn sorgfältig nach allen seinen Aeußerungen auszuspähen;

Dies ist umso notwendiger, denn jede Epidemie ist auf viele Arten einzigartig und nach sorgfältiger Prüfung, wird sie völlig verschieden zu allen vorherigen sein, die zu Unrecht denselben Namen tragen, die einzige Ausnahme ist die, die von demselben, gleich bleibenden ansteckenden Krankheitserreger wie Pocken, Masern verursacht wird.

Wîe scharf muss man die gegenwärtige allopathische Praxis verurteilen, die den gefährlichen Grippestamm dieses Jahres, natürlich erfolglos, mit einer Impfung der vorangegangenen Grippevarietät behandelte!

Schluss

Wir können es betonen, dass die richtige Verwendung eines akuten Zwischenmittels bei der Behandlung eines Patienten notwendig für eine schnelle Heilung einer chronischen Krankheit ist. Wann und wo diese akuten Mittel zu verwenden sind ist eine ebenso wichtige Angelegenheit, wie wann die chronische Behandlung fortgesetzt werden kann, besonders dann, wenn der Homöopath erkennen sollte, dass die akute Manifestation nichts anderes als ein Ausdruck eines chronischen miasmatischen Zustandes ist. Homöopathen, die dem ahnungslosen Patienten ein akutes Mittel nach dem anderen aufgrund unbedeutender Gründe einwerfen, sind genauso unkorrekten Verhaltens schuldig wie jene Homöopathen, die sich weigern, akute Zwischenmittel unter allen Umständen zu verwenden. Die Kenntnisse in Hahnemanns Lehren sind die einzige Richtschnur!

Referenzen

1. Hahnemann. Die chronischen Krankheiten: Ihre eigentümliche Natur und homöopathische Heilung.

2. Hahnemann. Organon der Heilkunst. Sechste Auflage.

3. Kent, J.T. Zur Theorie der Homöopathie.

4. Kent, J.T. New Remedies, Clinical Cases, Lesser Writings, Aphorisms & Precepts.

5 . von Boenninghausen. Kleine Schriften zur Homöopathie.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem neuen Buch von Dr. Luc, "Der Weg zum Simillimum – Strategien zur honöopathischen Behandlung chronischer Krankheiten" Narayana Verlag, ISBN 3921383749. Dr. Luc ist seit 1993 der Gründer und einzige Lehrer des Renaissance Instituts für Klassische Homöopathie mit Schulen in Boston, MA, Secaucus, NJ und Las Vegas, NV. Für weitere Informationen: schreiben Sie an drluc@cybermesa.comand und besuchen Sie www.drluc.com