Vorträge über das Organon der Heilkunst Zum Verständnis des § 77

Vorträge über das Organon der Heilkunst Zum Verständnis des § 77

Author: 
Leela D'Souza

Lassen Sie uns ein bisschen über die letzten Paragrafen rekapitulieren, in denen Hahnemann begann, die Klassifizierung der Krankheitsmanifestationen aus der homöopathischen Perspektive zu erklären. Wir haben ein fertiges Diagramm, das diese darstellt. In Indien erwartet man von fast jedem Studenten des Organon, dass er es studiert, ob er dessen klinische Bedeutung nun versteht oder nicht. Wir werden irgendwann noch ein Bild des Diagramms über 'Krankheitsklassifizierung' auf diese Webseite hochladen.

Hahnemann hat sich bisher darauf konzentriert, genauer zu unterscheiden:
Akute Krankheiten, die in 3 Formen zum Ausdruck kommen (§ 73):

1. Individuelle oder akute Verschlimmerung einer latenten Psora: Welche auf ein akut angezeigtes, linderndes Mittel anspricht, ihm muss aber mit dem indizierten chronischen/konstitutionellen/antimiasmatischen Mittel nachgegangen werden; z. B.: Rückfallfieber, wiederkehrende asthmatische Anfälle, wiederkehrende Mittelohrentzündungen, usw.
2. Akute sporadische Krankheit: Ein Ausdruck individueller Empfänglichkeit für externe Einflüsse, für die Umgebung oder für infektiöse Krankheitserreger; z. B.: Bindehautentzündung, Typhus, Atemwegsinfektionen, usw. Sie erfordert das akute Zwischenmittel. Das chronische Mittel ist oft nicht angemessen, um den akuten Ausdruck zu überfluten. Die Symptomentotalität einer bestimmten Diagnose kann die Gegenwart des akuten Miasmas suggerieren.
3. Akute epidemische Krankheit: Betrifft gleichzeitig eine große Anzahl von Menschen und erfordert in den meisten Fällen das akute Genius-epidemicus-Mittel. Akute Miasmen sind die häufigste Ursache für diesen Krankheitsausdruck; z.B.: nicht-immunisierend: Cholera, Pest, Diphtherie; feststehend/immunisierend: Masern, Pocken, Röteln, usw.

Weiter begann Hahnemann, uns medikamenteninduzierte chronische Krankheiten zu erklären (§74). Darunter versteht man heute weithin das Arzneimittelmiasma. Es muss von natürlichen Krankheiten (§76) unterschieden werden, welche der wahre Ausdruck chronischer Krankheiten sind. Zwölf Jahre des Studiums der unterschiedlichen Manifestationen chronischer Krankheiten führten Hahnemann dahin, die Theorie der chronischen Krankheiten herzuleiten, die auf dem Ausdruck des Grundmiasmas basiert, sowohl ererbt als auch erworben.

"Homöopathie ist Placebobehandlung". Der berühmte Leitartikel des Lancet basierte auf der Metaanalyse von Shang et al, er wiederhallt rund um die Welt, lebendig gehalten von Verleumdern, die daran ein persönliches Interesse haben. Ich las kürzlich einen Artikel in einer Lokalzeitung, der soweit ging zu sagen, dass die Wirkung von Placebos, wie es die Mittel in der Homöopathie wahrscheinlich sind, die Ausschüttung von Endorphinen im Gehirn auslösen, die diesen "Wohlfühl-"Faktor bewirken und vermutlich etwas vom Erfolg, den sie Homöopathie hat, erklären könnte!

Zu Hahnemanns Tagen war es kein bisschen besser. Die Ärzteschaft seiner Zeit versuchte zu erklären, dass die Heilungen, die Homöopathen zu bewirken in der Lage waren, auf Diät, gesundheitsfördernde Lebensweise und verbesserter Hygiene beruhen, die sie ihren Patienten lehrten. In der Materia Medica Pura verurteilt Hahnemann heftig Versuche, den wahren heilenden Wert von homöopathischen Arzneien zunichte zu machen. Der § 77 ist ein deutlicher Versuch, um solche Fälle von offensichtlichen Krankheitsausdrücken, die von guter Ernährung, gesunder Lebensweise und Hygiene gebessert werden können, von jenen vollständig zu trennen, die von bestehenden fundamentalen chronischen Miasmen herrühren, welche das harmonische Funktionieren der Lebenskraft angreifen. Der scheinbare Krankheitsausdruck wird als PSEUDOCHRONISCHE KRANKHEITEN bezeichnet.

Er sagt,

Uneigentlich werden diejenigen Krankheiten chronische benannt, welche Menschen erleiden, die sich fortwährend vermeidbaren Schädlichkeiten aussetzen, gewöhnlich schädliche Getränke oder Nahrungsmittel genießen, sich Ausschweifungen mancher Art hingeben, welche die Gesundheit untergraben, zum Leben nöthige Bedürfnisse anhaltend entbehren, in ungesunden, vorzüglich sumpfigen Gegenden sich aufhalten, nur in Kellern, feuchten Werkstätten oder andern verschlossenen Wohnungen hausen, Mangel an Bewegung oder freier Luft leiden, sich durch übermäßige Körper- oder Geistes-Anstrengungen um ihre Gesundheit bringen, in stetem Verdrusse leben, u.s.w. Diese sich selbst zugezogenen Ungesundheiten vergehen, (wenn nicht sonst ein chronisches Miasm im Körper liegt) bei gebesserter Lebensweise von selbst und können den Namen chronischer Krankheiten nicht führen.

Er listet die verschiedenen prädisponierenden Bedingungen für die Entwicklung von PSEUDOCHONISCHEN Krankheiten auf. Wir würden gut daran tun, diese erkennen zu können und zuerst vorbeugende- oder Hilfsmaßnahmen an unseren Patienten zu ergreifen, anstatt einfach damit zu beginnen, ein Arzneimittel zu suchen. Wir müssen wissen, ob wir einfach nur Unpässlichkeiten behandeln oder richtige Krankheiten. Unter Umständen muss man von den Patienten verlangen, dass sie sich von der schädlichen Umgebung entfernen, bevor eine Behandlung beginnen kann.

Was sind das für Leute, die Unpässlichkeit beherbergen, die sich selbst kurieren, sobald die Krankheitsursache beseitigt ist? Wer sind diese Menschen, die zuerst ihren Lebensstil und ihre Gewohnheiten verändern müssen, bevor eine ernstzunehmende homöopathische Behandlung begonnen werden kann? Hahnemann hat sie in diesem Paragrafen aufgeführt, und es sind heute nicht sehr viel andere:

1. Jene, die stetig vermeidbaren toxischen Einflüssen ausgesetzt sind. Hier sind solche Berufsrisiken mit eingeschlossen, wie das Arbeiten in verrauchten Bereichen/Bars, in industriell verunreinigten Bereichen, in chemischen Fabriken, die giftige Produkte herstellen, in Atomkraftreaktoren, usw.

2. Jene, die nicht aufhören, Alkohol und medizinische Präparate zu konsumieren, welche bereits ihre schädliche Wirkung auf die Gesundheit zeigen oder die mit ihrem regelmäßigen Rauschgiftkonsum fortfahren, ganz gleich, wie weich die Drogen sind, usw., ohne die langfristigen schädigenden Wirkungen zu realisieren, die sie haben können.

3. Jene, die sich der ausgewogenen Ernährungen enthalten und nur wenig uns schlecht gewählte Nahrungsmittel essen. Oder andere machen extreme Diäten durch. Einige Leute sind zu arm, um sich ausgewogene Ernährung leisten zu können und sie essen einfach, was sie in ihrem (gewöhnlich im ländlichen Indien) Hinterhofgarten haben. Unterernährung ist in vielen Bereichen der Welt ein größeres Problem.

4. Jene, die in sumpfigen Gebieten leben, in kleinen, geschlossenen und eingedämmten Häusern, die keine adäquate Belüftung haben. Dies ist in Großstädten sehr verbreitet, wo Land und Unterbringung sehr hoch im Kurs stehen. Die Menschen leben in Barackensiedlungen und in Slums, in denen Belüftung, Kanalisation und Raum weitgehend beschränkt sind.

5. Jene, die nicht ausreichend Sport betreiben und zu wenig Frischluft und Sonnenlicht abbekommen. Stubenhocker, vielbeschäftigte leitende Angestellte, usw.

6. Jene, die ein so stressiges und überarbeitetes Leben führen, mit 2 -3 verschiedenen Nebenjobs und zu viel von entweder körperlicher oder geistiger Arbeit und die sich daher auf ein 'Burn-out-Syndrom' zubewegen.

7. Jene, die fortfahren, sich zu sehr Sorgen zu machen und sich fürchten.


Dies sind alle Zustände, die Anlass zu pseudochronischen Symptomen geben, die leicht wieder verschwinden könnten, sobald der Lebensstil mit genügend Ruhe und Bewegung ausgeglichen ist, wenn schlechte Gewohnheiten vermieden werden und wenn man Frischkost in einer ausgewogenen Ernährung zu sich nimmt. Als Homöopath ist es wichtig, dass wir uns den Lebensstil unserer Patienten anschauen und herausfinden, was zu Symptomen beitragen kann und schlagen Sie, wo notwendig, entsprechende Veränderungen vor, bevor sie erwarten, dass ein angezeigtes Mittel wirkt. Ist dieser Ansatz unter den Homöopathen aus der Mode gekommen? Wir stellen fest, dass sich die Menschen dessen immer bewusster werden, was sie in dieser Beziehung zu tun haben.