Vorträge über das Organon der Heilkunst Zum Verständnis des § 75

Vorträge über das Organon der Heilkunst Zum Verständnis des § 75

Author: 
Leela D'Souza

Diese, durch die allöopathische Unheilkunst, (am schlimmsten in den neueren Zeiten - Betonung durch den Autor) hervorgebrachten Verhunzungen des menschlichen Befindens, sind unter allen chronischen Krankheiten die traurigsten, die unheilbarsten und ich bedauere, daß, wenn sie zu einiger Höhe getrieben worden sind, wohl nie Heilmittel für sie scheinen erfunden oder erdacht werden zu können.

Hahnemann lässt die Bombe im § 75 platzen. Er redet über die Unheilbarkeit künstlicher Krankheiten, Arzneimittelkrankheit, Krankheiten, geschaffen aufgrund der chronischen Verwendung von unterdrückenden Mitteln, über Behandlungen und Therapien aus "neueren Zeiten". Eindeutig verlor die Schulmedizin ihre Orientierung in leeren Spekulationen und im Mangel an Wahrnehmung. Heute finden wir die moderne Medizin in derselben Verlegenheit, wobei der Hauptgrund der ist, den Hahnemann in § 70 nannte, dass das System nicht auf dem Gesetz von Heilung (Ähnlichkeit) basiert, sondern antipathisch oder unähnlich/allopathisch gegenüber der Krankheit ist.

In unserer Praxis sind wir alle schon auf einige 'unheilbare' Fälle gestoßen. Sie werden an ihrem überempfindlichen Zustand, einem komplexen miasmatischen Ausdruck und einem unklaren, komplizierten Krankheitsbild erkannt und sie sprechen nicht auf Behandlungen jedwelcher Art an. Kein Mittel scheint adäquat zu passen, oder andere angezeigte Mittel haben keine anhaltende Wirkung. Es ist wie der Versuch, jemanden aus dem schmiedeeisernen Gefängnis zu befreien, ohne einen passenden Schlüssel zu haben.

Einer meiner Fälle kommt mir da in den Sinn, ein junges verheiratetes Mädchen, etwa 28 Jahre alt. Sie begann im Alter von 18 Jahren für ein Jahr homöopathische Kombinationspräparate/Mehrfachmittel einzunehmen, um "Gewicht zuzulegen", denn sie war zu schlank, (so dachte sie bei 40 kg bei 158 cm). Sie nahm an "Gewicht" zu, ja, aber die homöopathische Analyse zeigt, dass sie von einem psorischen miasmatischen Ausdruck in einen sykotischen Ausdruck voranschritt. Der Beweis dafür ist der Folgezustand, der sich daraus ergab. Sie entwickelte anschließend eine Schilddrüsenunterfunktion.

Sie war früh in ihrer Ehe schwanger geworden und entschied, dass sie zu jung war, um ein Kind zu haben und ließ es abtreiben. Anschließend entwickelte sie Menstruationsunregelmäßigkeiten. Untersuchungen zeigten ein Hypophysenadenom. Sie entschied sich dafür, es chirurgisch entfernen zu lassen und unterzog sich einer Hirnoperation. Es ging mit ihr absolut abwärts und von da an entglitt alles der Kontrolle.

Die Operation führte zu Komplikationen, Infektion und dem Durchsickern von Zerebrospinalflüssigkeit, usw., weshalb eine Lumbalpunktion durchgeführt wurde, um weiter nachzuforschen. Sie wurde unter Verschreibung mehrfacher Medikationen nach Hause geschickt. Sie entwickelte bald Diabetes, der innerhalb einer Zeitspanne von 2 Jahren aufhörte, auf Blutzucker senkende Mittel zu reagieren. Letztlich wurde sie auch noch insulinresistent. Sie wog jetzt 80 kg. Und sie sah nun wie ein ungeheuer übergewichtiger Popeye aus dem berühmten Comic aus. Dazu kamen ein extrem erhöhter Serumlipidspiegel mit einer Diagnose der Addison'schen Krankheit.

Nein, die Geschichte endet hier noch nicht. Sie begann jetzt, qualvolle Schmerzen die Beine hinunter, ähnlich zu Ischiasschmerzen, zu haben. Sie konnte sich aufgrund ihres Körpergewichtes von 80 kg kaum herumbewegen, und jede Bewegung war in jedem Muskel sehr schmerzhaft. Die einzige Möglichkeit schmerzfrei zu bleiben war, nicht einen einzigen Muskel zu bewegen und tagaus, tagein vollkommen bewegungslos im Bett zu liegen. Dies war der Zeitpunkt, als sie zu mir um Hilfe kam. Dies war ihr Gefängnis. Dazu kommt der unkontrollierbare Diabetes, der eine periphere Neuropathie und ihre Symptome verursachte, zusammen mit einer diabetischen Retinopathie. Sie reagierte extrem empfindlich auf jedes ihr gegebene homöopathische Mittel, und M 1 war die einzige Potenz, die ihr Erleichterung bereiten konnte - aber gerade nur für eine kurze Zeit. Urtinkturen halfen ihr bei verschiedenen Problemen, die aufgekommen sind und dazu gehört, ihren Blutzucker zu senken und die oralen und dentalen Komplikationen zu reduzieren. Ich zog alle Register, antimiasmatische Mittel, Konstitutionsmittel, spezifische Mittel, Akutmittel, Zwischenmittel, Urtinkturen, alles, woran ich denken konnte.

Wenn sonst nichts half, redete ich einfach mit ihr, um ihr den Mut zu machen, sich diesem Leiden zu stellen ... (Placebotherapie). Aber die Unheilbarkeit ihrer Situation, ihr Gefängnis, verursacht durch homöopathische Cocktails, allopathische Cocktails und chirurgischem Eingriff war für mich offensichtlich. Die Allopathie fand keine Erklärung und Antwort: Schmerzmittel jeglicher Sorte wirkten nicht. Alles begann mit ihrem eitlen Wunsch egal wie "Gewicht zuzulegen", gut auszusehen.

Als klassischer Homöopath stelle ich mir diese Fragen:
Hätte eine "neue Methode" oder eine "neue Perspektive" helfen können, ein Mittel für dieses arme Mädchen zu finden? Vielleicht?
Hätte es geheilt? Hätte es zumindest gelindert? Für wie lange?
Könnte irgendein dynamisiertes Mittel jemanden aus solch einem Gefängnis herausholen? Ist die Lebenskraft in der Lage zu siegen?