Miasmen im Fallmanagement Teil 1: Hahnemanns Miasmen in den 'Chronischen Krankheiten'

Miasmen im Fallmanagement Teil 1: Hahnemanns Miasmen in den 'Chronischen Krankheiten'

Author: 
Leela D'Souza

Was meinte Hahnemann, als er den Begriff Miasma in den Chronischen Krankheiten gebrauchte?

Ein Miasma ist eine krankhafte Schädlichkeit die teils psychisch, und teils physisch ist, und die eine Verstimmung des Lebens darstellt. (§ 31)

"Es gibt eine ganze Reihe Referenzen  in der englischen Übersetzung der Chronischen Krankheiten in Bezug auf das, was Hahnemann beabsichtigte, uns mit dem Begriff Miasma zu vermitteln".

Hahnemann benutzte den Begriff "Miasma" in den Chronischen Krankheiten (hier wird auf die engl. Übersetzung Bezug genommen) sehr häufig, wo seine fortschrittliche Voraussicht über eine äußere Ursache und die Verbreitung von Krankheiten genau vermittelt wird. Die Anwesenheit von Mikroorganismen in der Umgebung und wie diese von Person zu Person 'mitgetheilt' werden, war zu seiner Zeit unbekannt. Überprüfen wir dies auf den Seiten 43-50 in den CK.

Dort finden wir eine Reihe von Referenzen darüber, was er unter dem Begriff Miasm verstand. Er formuliert es mit: "... Ansteckung mit Miasmen"; "... mehrer anderer akuter Miasmen"; "irgendein Miasm, ... Ansteckung von außen (ganzen Organism krank macht)"; "... Ansteckung von außen..."; "... halbgeistigen Miasmen ..."

Was verstand Hahnemann unter dem Begriff "Miasm", sowohl in den CK, als auch im Organon?

MIASM ist die grundlegende Ursache eines verstimmten Lebensprinzips (§ 11). Diese grundlegende Ursache wird von dem chronischen Miasm einer chronischen Krankheit verursacht (§ 5).
Die dynamische und physische Wirkung der Miasmen verursacht eine Veränderung in dem Inneren des ganzen Menschen, in seinem ganzen Sein. Erst danach zeigt sich der äußere Ausdruck durch Anzeichen und Symptome der Krankheit.
Bei akuten Erkrankungen besitzt die Konstitution die benötigten Prozesse, diese dynamische Wirkung durch eine Reaktion auf die Krise auszulöschen, was innerhalb kurzer Zeit entweder in der Heilung oder dem Tod endet.
Aber einige Miasmen produzieren eine chronische dynamische Wirkung auf das ganze Sein eines Menschen und verursachen chronische Krankheiten. Die Konstitution ist nicht in der Lage, dies zu überwinden, und ihre Wirkung auf den Organismus (dessen Lebenskraft) bleibt während des ganzen Lebens bestehen, was in einem chronischen Miasm endet. Dies ist die grundlegende Ursache chronischer Krankheiten. Die meisten der genannten Begriffe finden sich auf den Seiten 45, 46, CK.

Aber es gibt Hoffnung auf Heilung!

In seinem Vorwort des vierten Bandes der "Chronischen Krankheiten" (welches er ursprünglich in fünf Bänden präsentierte) erklärt Hahnemann: "Unglaublich gross ist der Grund-Bestand (Fonds) des geistartigen, uns Menschen vom unendlich gütigen Schöpfer zugetheilten Lebens-Prinzips, wenn wir Aerzte es nur in gesunden Tagen durch verordnete gesunde Lebensart aufrecht zu erhalten und in Krankheiten durch rein homöopathische Behandlung hervorzurufen und heraufzustimmen verstehn."

Die grundlegende Ursache, die Chronischen Miasmen:

Wie bereits in der vorangegangenen Erklärung eingeführt, beobachtete Hahnemann, dass viele Krankheiten bei Menschen während ihres ganzen Lebens durch etwas, das wir "grundlegende Ursache" oder "chronisches Miasm“ nennen, fortbestehen. Dies endete in "chronischen Krankheiten", die durch chronische Miasmen verursacht werden, ganz im Gegensatz zu "akuten, sich selbst begrenzende Krankheiten", die durch akute Miasmen verursacht werden.

Eine Chronische Krankheit besitzt einen heimtückischen Ausbruch von Symptomen, einen langsamen Verlauf und eine lebenslange Entwicklung aufgrund einer unzulänglichen konstitutionellen Antwort auf das Miasm, dessen Wirkungen lebenslang in dem Organismus verbleiben.

Eine akute Krankheit hat einen schnellen Ausbruch der Symptome, mit schnellem Verlauf in Richtung einer Krise, eine die Wirkungen des akuten Miasms auslöschende Antwort der Konstitution, was entweder in Erholung oder Tod endet, wenn sie unbehandelt bleibt. Sie ist von begrenzter Dauer.

Die Referenz in den CK für diese akuten und chronischen Krankheiten ist hier.

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Für alle diese akuten, miasmatischen Krankheiten besitzt aber die Menschennatur jenen, in der Regel, so wohlthätigen Prozeß, dieselben (nämlich das specifische Fieber sammt dem specifischen Ausschlage) im Verlaufe von zwei bis drei Wochen wieder zu vertilgen und durch eine uns unbekannte Entscheidungs-Art (crisis) von selbst aus dem Organism wieder auszulöschen, so daß der Mensch  dann gänzlich von ihnen (wenn er nicht von denselben getödtet wird), und zwar in kurzer Zeit, zu genesen pflegt.

Bei den chronischen miasmatischen Krankheiten beobachtet die Natur in Hinsicht der Ansteckungs-Art und der vorgängigen Bildung der inneren Krankheit, ehe das äußere Anzeige-Symptom ihrer innern Vollendung sich an der Oberfläche des Körpers hervorthut, denselben Gang; dann aber zeigt sich jene große, merkwürdige Verschiedenheit von den akuten, daß bei den chronischen Miasmen die innere ganze Krankheit, wie schon gesagt, lebenslang im Organisme verharret, ja mit den Jahren immer mehr zunimmt, wenn sie nicht durch die Kunst ausgelöscht und gründlich geheilt wird.

Ursprünglich schienen chronische Krankheiten auf das indizierte Mittel zu reagieren, welches auf das gegenwärtige Bild der Symptome basierte. Aber mit der Zeit versagten die Mittel darin, die erwartete Linderung zu produzieren, und so entwickelten sich diese Krankheiten mit neuen Symptomen fort, die sich zu dem alten Bild gesellten. Wenn es eine Zeitspanne gab, in der die äußere Verfassung sich für eine Zeit lang verbesserte (aufgrund verschiedener äußerer begünstigender Faktoren, einschließlich der Hilfe eines Mittels), dann lag dies daran, dass die innere chronische Krankheit in eine "Latenzphase" übergegangen war. Dies war eine logische Schlussfolgerung, denn sobald sich die äußeren günstigen Faktoren veränderten, so verschaffte sich die Krankheit  wieder mit voller Kraft Ausdruck.

Hahnemann suchte über die Zeitspanne von 9 Jahren sorgfältiger Beobachten diese 'ursprüngliche Ursache' zu verstehen, und wie sie sich möglicherweise entwickelt haben könnte. Er begriff, dass sich dieser chronische Zustand in den meisten Fällen zu antiker Zeit entwickelte und er sich aufgrund der chronischen Wirkung eines 'Miasms' durch Unterdrückung oder unzulänglicher Entfernung der Symptome (dynamisch oder physisch) durch äußere oberflächliche medizinische Agenzien verstärkte. Dies bildete die Grundlage der Schwächung, die der Lebenskraft zugefügt wurde und durch die sie unterhalten wird, was zu der ursprünglichen Ursache chronischer Krankheiten führt. Was hier sich zu merken wichtig ist, ist, dass die folgende Klassifizierung und die klinische Behandlung dieser miasmatischen Gruppen ausschließlich auf das Bild äußerer Ausdrucksformen des Gemüts und des Körpers basieren, und das in Form von Symptomen, die sich als ein Portrait der Krankheit präsentieren. Siehe §§ 5-7, Organon.

Psora: Die Wurzel der Ursache

In seinem Buch "Die Chronischen Krankheiten" (CK) beobachtete Hahnemann, dass es zwei klar aufgezeichnete antike Manifestationen von Hauterkrankungen gab, d. h., zwei antike Miasmen: 'Lepra' und der 'gewöhnliche Hautausschlag der Krätze'. Diese Miasmen wurden in der einen oder anderen Form von jeder lebenden Person erfahren und schritten während der Jahrhunderte fort, ohne gründlich geheilt zu werden, sich in 'sekundäre Ausdrucksformen der Symptome' eines 'vielköpfigen Monsters' entwickelnd. Über die Jahre vollbrachten unterdrückende Therapien, wie mit Quecksilber, Blei, Arsen, Kalomel, ätzenden Sublimaten, (die heutigen symptomatischen Medikamente wie Antibiotika, steroidische Anwendungen / Pillen, usw.), niemals irgendeine Kur der zugrunde liegenden Krankheit. Stattdessen verursachte die Wirkung des (krankheitserregenden) Miasms eine tief liegende Belastung der Lebenskraft. Diese Wirkung wird verstärkt, weil alle äußeren krankheitserregenden Agenzien (Miasm) auch eine dynamische Wirkung auf die Konstitution zusammen mit ihren physischen Wirkungen hat. Dies führte schließlich zu einer beeinträchtigten und geschwächten Lebenskraft, was wir als Ausdruck einer "chronischen miasmatischen Krankheit" verstehen.

Hahnemann nannte diese ursprüngliche chronisch miasmatische Krankheit PSORA. Daher definieren wir Psora als eine chronisch miasmatische Krankheit, eine fundamentale Ursache für Krankheit, ein vielköpfiges Monster des Ausdrucks von Krankheit, die von den dynamischen und physischen Wirkungen eines Miasms auf die Konstitution verursacht wird.

So sehen wir, dass Hahnemann den Begriff PSORA auf den äußeren Ausdruck dieses chronischen Krankheitsausdrucks gründet - der Krätze, die der ähnelt, wie sie von der Krätzmilbe verursacht wird. Dieser Ausdruck des Juckens auf der Haut (heute gewöhnlich als allergische Dermatitis beobachtet, oder frühem Ekzem, oder Krätze, oder verschiedener Pilzinfektionen auf der Haut) ist der gesündeste Ausdruck der Psora. Dies bedeutet, dass wenn der psorisch miasmatische Zustand (in Abwesenheit anderer 'sekundärer' Krankheitsverläufe) nur durch juckende Symptome auf der Haut ausgedrückt wird, dann hat das Individuum eine sehr gesunde Konstitution und ist nahe der Heilung. Eines der Mittel der Materia medica, welches die psorischen miasmatischen Krankheitsformen am ehesten ausdrückt,  ist Sulphur.

Hahnemann schreibt weiterhin alle Krankheitsausdrücke einer initialen Infektion (durch die infektiösesten Agenzien, die wir heute kennen - Bakterien, Viren, Pilze), entzündlichen Reaktionen innerer Organe, und weiteren Entwicklungen chronischer Krankheiten innerer Organe (alle in den CK aufgelistet), verursacht durch die Unterdrückung oder unvollkommene Entfernung von Symptomen der primären Psora über die Jahrhunderte unterdrückender oder teilweiser Therapien, zu. Oftmals findet sich kein offensichtlicher äußerlicher Ausdruck der Krankheit, wenn sich plötzlich eine innere (also nicht auf der Haut) Krankheitssymptomatologie entwickelt, was dieser zugrunde liegenden "latenten Psora" zugeschrieben wird, die durch fortgesetzten Stress in der Umgebung aktiviert wird.

Syphilis und Sykose: Die Venerischen Miasmatischen Krankheiten.

Hahnemann fand dann eine Gruppe von Krankheiten, die die Fortsetzung der Infektionen ist, die venerischer Natur sind, also in erster Linie durch sexuellen Kontakt übertragen werden. Es ist erstaunlich, wie die moderne Medizin ebenfalls diese Klassifizierung der Organismen vornimmt, die ausschließlich über sexuellen Kontakt übertragen werden und "Geschlechtskrankheiten" genannt werden. Hahnemann gruppierte diese in zwei Kategorien, basierend auf den Ausdruck der Symptome.

Er erklärt, dass nach 'unreinem Beischlaf', wenn 'die Ansteckung erfolgt ist und den ganzen lebenden Körper ergriffen hat ... Nur wenn diese Durchdringung aller Organe vom empfangenen Uebel zu Stande gekommen ist, erst dann, wann die Veränderung des Ganzen zu einem durchaus venerischen Menschen, das ist, die innere Ausbildung der venerischen Krankheit vollendet ist - nur dann erst bestrebt sich die kranke Natur, das innere Uebel dadurch zu erleichtern und zu beschwichtigen, daß sie ein zuerst als ein Bläschen (gewöhnlich an der Anfangs angesteckten Stelle) hervorkommendes und dann erst zu einem schmerzhaften Geschwüre aufbrechendes Lokal-Uebel zu Stande bringt, was man Schanker nennt ... Dieses Symptom soll die innere ganze Krankheit mildern.'

Der Schanker ist ein geschwüriger Ausdruck der Haut und unterscheidet sich von der einfachen Krätze. Er spricht für Zerstörung und Nekrose des lokalen Gewebes und befällt die tieferen sekundären Hautschichten, die Dermis. Dies sind grundlegende Charakteristiken dieses Zustandes eines miasmatisch chronischen venerischen Krankheitszustandes, welchen Hahnemann SYPHILIS nannte, oder syphilitisches Miasm. Er fand, dass der syphilitisch miasmatische Ausdruck zu seiner Zeit weiter verbreitet war als die Sykose, weil er sich leicht in einer Lebenskraft entwickelte, die durch eine "weit entwickelte Psora" geschädigt ist.

Einige der "syphilitisch miasmatischen Symptome", die er erwähnte, waren: "das stichlicht schmerzende Tonsillen-Geschwür, die runden, durch die Oberhaut schimmernden, kupferfarbenen Flecke, die nicht jückenden Ausschlags-Blüthen vorzüglich im Gesichte auf bläulicht röthlichem Grunde, die glatten, blassen, reinen, bloß mit Schleim überzognen, fast mit der gesunden Haut ebnen, unschmerzhaften Haut-Geschwüre auf dem Haarkopfe, an der Haut der Ruthe u.s.w., die bohreneden, nächtlichen Schmerzen der Exostose".

Was zu den oben aufgeführten Details wichtig anzumerken ist (für das spätere Verständnis), ist, dass die Veränderung des Zustandes zum syphilitischen Miasm es notwendig macht, dass es eine Veränderung im Faktor Wirt gibt - "wenn der ganze lebende Körper zu einem venerischen Menschen sich entwickelt hat". Diese Worte sind in zweierlei Hinsicht von Wichtigkeit:

1. Es muss eine prädisposierende Verschiebung des ganzen Seins in Richtung einer venerischen Art des Ausdruckes (syphilitisch miasmatischer Ausdruck) vorliegen (Körper, Gemüt, Seele), so dass es einen physischen Ausdruck des Symptoms des Schankers oder eindeutig der Syphilis geben kann.

2. Dies ist besonders wichtig, da wir heute den Fakt kennen, dass all diese Leute, die direkt in Kontakt (durch Geschlechtsverkehr) mit einer Person kommen, die im infektiösen Stadium sind, nur 30-50% dieser Leute jemals Symptome der Syphilis entwickeln. Die Erklärung dafür ist Hahnemanns Konzept über den miasmatischen Hintergrund und das homöopathische Konzept der Empfänglichkeit.

2. Es gibt, vor einem syphilitisch miasmatischen Ausdruck, ein darunterliegender psorischer Ausdruck, der weit entwickelt sein kann (einschließlich innerer Organe), d. h., der entweder aktiv oder latent ist.

Die andere venerische Krankheitsmanifestation entwickelte sich ebenfalls aus dem "unreinen Beischlafe". Aber hier liegt der Ausdruck der Krankheit im Gewebewachstum auf der Haut (anstelle der Gewebezerstörung wie bei Syphilis), besonders an den Geschlechtsorganen. Häufig, wenn auch nicht immer, beobachtete Hahnemann diese "blumenkohlartigen Auswüchse" welche gewöhnlich, doch nicht immer  unter Ausfluß einer Art Trippers aus der Harnröhre, nach geschehner Ansteckung durch Beischlaf nach mehren Tagen, auch wohl nach mehren, und selbst vielen Wochen ausbrechen." Wenn diese Warzen erst einmal kauterisiert (unterdrückt) waren, wird der skythische Ausdruck nun "auf andre, und schlimmere Weise an andern Stellen des Körpers, entweder weißliche, schwammige, empfindliche, platte Erhöhungen in der Mundhöhle, auf der Zunge, dem Gaumen, den Lippen, oder als große, erhabene, braune, trockne Knollen in den Achselgruben, am äußern Halse, auf dem Haarkopfe, usw. ausbrechen"

Hahnemann erklärt weiter, dass weitere Unterdrückung zu inneren Erkrankungen des Körpers führt wie die Verkürzung der Sehnen der Beugemuskeln, namentlich der Finger. Dieser gesamte Zustand des miasmatischen Ausdrucks nannte Hahnemann SYKOSIS, und das Mittel, das er am geeignetsten und homöopathisch für diesen Zustand fand, war THUJA.

Hier ist es interessant anzumerken, wie unvollständig seine Beschreibung des sykotisch miasmatischen Ausdrucks war, wie wir heute wissen. Zudem schloss er in seiner vielköpfigen Psora Zustände ein, die logischerweise der Sykosis angehören.

Die Miasmen heilen: Hahnemanns Vorschläge für das Fallmanagement

Nachdem Hahnemann auf dieses brillante und bahnbrechende Konzept der grundlegenden Ursache (abseits der bestehenden Ursache) und der miasmatischen Natur chronischer Krankheiten gekommen war, machte er sich daran, die homöopathische Methode der Therapeutik zu finden, um wahre Heilung herbeizuführen. Er legte verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für ein Fallmanagement dar, einige davon sind noch heute relevant. Aber es besteht genug Raum, kühnere Methoden, wie wir später untersuchen werden, zu definieren, denn es gibt einige graue Beobachtungsbereiche in den Vorschlägen Hahnemanns. Dies wird in erster Linie durch eine große Varietät an Behandlungen, Mitteln, Unterdrückungen und Therapeutiken verursacht, denen ein heutiger Patient ausgesetzt ist. Ebenso haben wir heute einen enormen Fortschritt der Wissenschaften, der unser Verständnis für verschiedene Vorgänge im Körper und Krankheitskonzepte geschärft hat. Wenn wir das so sagen, so war Hahnemanns Verständnis über diese wahren Mechanismen die reinste göttliche Inspiration und genial.

Wir werden einiges, was er getan hat, und was sich in der weiten Vielfalt komplexer und individueller Fälle von heute immer noch als nützlich erweisen kann, untersuchen, weil grundlegende Prinzipien und Konzepte gleich bleiben. Hier sind einige seiner Vorschläge aus dem theoretischen Teil der Chronischen Krankheiten.

Psora:

Die klinische Manifestation der Psora erfolgt in 3 Hauptformen:

1. Die Psora, die sich in ihrem ununterdrückten Hautausschlag ausdrückt.

Dies ist ein Traumfall für einen Homöopathen, in dem ein einziges (antipsorisches) Mittel die Person völlig von ihren Gebrechen von innen befreit. Heute würde sich nur ein Kind oder sonst nur jemand, der in einem abgelegenen Gebiet lebt, mit einer solchen Einfachheit des psorischen Ausdrucks vorstellen. Die meisten Menschen erhielten während ihres Lebens reichlich unterdrückende Behandlungen, schon von Kindheit an.

Für solche einfache Fälle, die keine sekundäre Manifestation der Psora zeigen, fand Hahnemann Sulph., Hepar sulph., Carbo veg. oder Sepia als am nützlichsten, um den Fall damit zu beginnen oder die miasmatische Heilung vollständig zu vollenden.

2. Latente Psora oder psorische Diathese: Sie hat das Potenzial, sich in eine ernsthafte, chronische, symptomatische Krankheit zu entwickeln, die äußerem anhaltenden Stress - emotionalem oder körperlichem, Drogen/Medikamenten oder aufgrund von Mikroorganismen folgt (Miasm). Dieser trügerische asymptomatische Zustand ist auch fast immer mit der Entwicklung der venerischen Miasmen assoziiert.

3. Psora mit sekundären Krankheitsmanifestationen: Diese können selten mit einem einzigen antipsorischen Mittel geheilt werden. Sie erfordern ähnliche Mittel, die in Folge, eines nach dem anderen, basierend auf das jeweils prädominante homöopathische Bild, verschrieben werden. Hahnemann betont, dass dieser Zustand nur erwartet werden kann, wenn eine miasmatische Erkrankung 'über viele Jahrtausende von Millionen Organismen durchgemacht wurde und sich in unzählige chronische, nicht venerische Gebrechen' entwickeln konnte.

Wenn sie eine Ebene der Heilung mit dem homöopathischen Similimum anstreben, sind Diät und Lebensweise wesentliche Adjunkten in der Behandlung dieser Menschen. Hahnemann führt in den Chronischen Krankheiten im Detail aus, was er darunter versteht. Einige Adjunkten schließen die bestmögliche Beseitigung der Heilungshindernisse ein, das Leben in "Maßhalten in allen Dingen, betreffend Diät, Bewegung, Ruhe, Beruf und persönlichen Angewohnheiten, einschließlich dem Vermeiden von Alkohol, Kaffee usw., die der Gesundheit abträglich sind und die Mittelwirkung stören. Er warnte auch vor einem Verhalten, das 'moralisch und körperlich schädlich ist'. Hahnemann erwartete, dass der Homöopath, der Fälle homöopathisch aufnimmt, jeden Patienten entsprechend den individuellen Erfordernissen auf alles oben erwähnte berät.

Diese Fälle haben überwiegend  eine Anzahl von (unterdrückenden oder unvollkommenen) Behandlungen hinter sich, mit massiven Dosierungen allopathischer Medikamente, einschließlich massiver Dosierungen mit Schwefel und Teer, Quecksilber, Kalomel usw., welche häufig die medizinische Krankheit schufen. Daher wäre Sulphur als homöopathisches Mittel unfähig, diese chronischen Beschwerden selbst zu heilen. Hahnemann empfahl, ein gutes Zwischenmittel zu verabreichen oder sonst ein Mittel, um mit ihm den Fall zu beginnen. Weitere Mittel aus ähnlichen Gründen wären Hepar sulph., Nux vom., Merc. und Sepia.

Weiter musste man die Behandlung mit dem indizierten homöopathischen Mittel basierend auf dem sich darstellenden Symptomenbild (und den Prinzipien, wie sie im Organon der Heilkunst im Detail ausgeführt wurden) fortsetzen, immer auf Änderungen des Bildes bedacht, das die nächste Verschreibung indiziert, während man dem vorangegangenen, gut gewählten Mittel genügend Zeit zu wirken lässt.

Einige Antipsorika, die er auflistete, sind: Sulphur, Hepar sulph., Carbo veg., Carbo animalis, Sepia, Lycopodium, Guaiacum, Sarsaparilla, Mezerium, Puls., Nux., Opium, Aconitum, Cham., Bryonia, Staph., Colcynthis, Ignatia, Hyos., Dulc., Coffea, Ip., Rhus tox., Caps., Ars alb., Phos., Silica terra, Baryta carb., Calc carb., Nat carb., Ammonium carbonicum, Mag carb., Graphites, Antimonium crudum, Metalle wie Antimonium, Aurum, Platinum, Ferrum, Zincum, Cuprum, Argentum, Zincum.

Sykosis:

Hahnemann legt sie uns in viererlei Art dar:

1. Die Feigwarzen-Krankheit, die an den Zeugungs-Theilen als entstandne Auswüchse ausbricht, welche gewöhnlich, doch nicht immer, von Ausfluß einer Art Trippers aus der Harnröhre begleitet wird.

Diese einfachen Fälle, ohne weitere Komplikationen, sprechen auf Mittel wie Thuja oder Nitricum acidum oder beide an. In einigen schweren Fällen hilft das täglich einmalige Betupfen der größern Feigwarzen mit dem milden, ganzen Safte, aus den grünen Blättern des Lebensbaums (Thuja) gepreßt, während Thuja innerlich verabreicht wird. Weitere spezifische Mittel, die mit dem Tripper in Verbindung stehen, sind Cannabis indica, Cantharis und Copaiva.

2. Eine verätzte Feigwarze entwickelt sich, nachdem sie entfernt wurde, statt ihrer  in ein Sekundärleiden in Form ähnlicher Wucherungen weiter, die an anderen Körperteilen erscheinen.

Dieser Zustand erfordert das indizierte homöopathische Similimum. Gelegentlich war dieses Similimum Thuja selbst; sonst war Thuja als Zwischenmittel indiziert. Manchmal alternierte man mit Nitricum acidum als Zwischenmittel, insbesondere wenn ebenfalls Gonorrhoe vorlag.

3. Sykosis (Feigwarzen) kompliziert mit einer entwickelten Psora (aus der Latenz erwacht) infolge eines unnötigen Angriffs mit einer Quecksilbertherapie.

In diesen Fällen konnte eine Heilung der Feigwarzen nicht vor einer richtigen Behandlung des Psorabildes erfolgen, welches "aus der Latenz erwacht" war. Das vorhandene Bild erforderte gewöhnlich das richtige, antipsorische Similimum, bevor die Sykosis mit Gaben von Thuja oder Nitricum acidum behandelt werden konnte.

4. Sykosis, die mit einer entwickelten Psora kompliziert ist, die vorher schon bestand, und durch einen schlecht behandelten, unterdrückten, venerischen Schanker (Syphilis) hervorgerufen wurde, also eine komplexe, multimiasmatische Krankheit.

Diese Fälle zeigten verschiedene Bilder zu verschiedenen Zeitpunkten der Behandlung. Im letzten Fall entwickelte sich die Psora wegen der allopathischen Quecksilbertherapie, und diese Symptome waren vorherrschend. Und so muss die Erstverschreibung ausschließlich das psorische Symptomenbild berücksichtigen. Wenn diesem abgeholfen wurde, dann wird das sykotische Symptomenbild vorherrschend, das das richtige antisykotische Mittel erfordert. Wenn die Sykosis durch das antisykotische Mittel abgeklungen ist, dann wird das antisyphilitische Mittel benötigt, basierend auf die vorherrschenden syphilitischen Symptome. Für Hahnemann war das Mittel der Wahl Mercurius.

Hahnemann bemerkte, dass sich häufig nach dieser Besserung ein Teil der Psora erneut zu regen begann, und dies musste noch einmal mit dem antipsorischen Mittel behandelt werden. Hahnemann riet für diesen Vorgang zu einem Zyklus von Mitteln, die eines nach dem anderen verschrieben werden, basierend auf das prominente miasmatische Bild, d. h., diese 'abwechselnde Behandlung (wurde) bis zur völligen Heilung erneuert'.


Syphilis:

Hahnemann meinte übrigens, dass das syphilitische Miasm weiter verbreitet war als das sykotische. Er betrachtete es als sehr einfach zu heilen, wenn es nicht mit (weit entfalteter) Psora verwickelt war.

Er beobachtete 3 unterschiedliche Zustände des syphilitischen Miasms:

1. Die Syphilis besteht alleinig (die Psora ist möglicherweise latent):

Diese steht nur mit dem lokalen Symptom, dem Schanker, in Verbindung, der durch äußere Applikationen entfernt werden kann, oder auch nicht, und die Bubo (Schoßbeule, örtliche Lymphadenopathie) bleibt weiterhin bestehen. Unglücklicherweise wurde das Geschwür in einigen Fällen durch lokale Behandlung entfernt und dies führte zu dem Krankheitsbild einer schmerzhaften Schoßbeule, die zur Eiterung 'eilt'.

Die Heilung dieses initialen Stadiums, wie auch immer, erforderte gerade mal eine Gabe des innerlich eingenommenen "besten Merkurialmittels" (das reine Quecksilber-Oxydul).

2. Wenn die Syphilis alleine besteht (ohne jegliche Psora), aber des 'stellvertretenden Lokalsymptoms'  des Schankers und der Schoßbeule beraubt ist:

Diese Fälle benötigten ebenfalls das innerlich eingenommene Quecksilber als Mittel. Scharfe Beobachtung des Narbengewebes, wo einst der Schanker auftrat, oder wo die Schoßbeule vertrieben wurde, hilft, das Fortschreiten der Behandlung zu bewerten. Wenn eine  Heilung erfolgte, dann wird die Narbe wieder die gesunde Farbe angenommen haben - ein sicheres Zeichen, dass das syphilitische Miasma geheilt wurde.

3. Wenn die Syphilis bereits mit einer weiteren chronischen Krankheit kompliziert ist, d. h. mit der Psora (bereits aktiv), und wenn das Lokalsymptom teilweise durch örtliche Anwendungen entfernt wurde:

Die Psora kann sich in ihrem natürlichen Fortschreiten vor der venerischen Krankheit entwickelt haben, oder eine latente Psora kann dazu gezwungen worden sein, sich wegen zahlreicher Angriffe auf die Lebenskraft (durch Einreibungen mit Quecksilber, großen Gaben Kalomels, Ätzmitteln, Abführmitteln) durch einen (mangelhaften) Versuch, den lokalen Ausbruch der venerischen Krankheit zu entfernen, zu erkennen zu geben. Solche Krankheiten bildeten auch Arzneimittelkrankheiten.

Um dies anzugehen, hatte Hahnemann ein Fünfpunkteprogramm!

1) Entfernen Sie alle schädlichen Einflüsse auf den Kranken von außen (Medikamente, unterschiedliche nutzlose Behandlungen oder Anwendungen, unmoralischen Lebensstil usw.).

2) Raten Sie zu einer leichten, nahrhaften und stärkenden Diät.

3) Verabreichen Sie zuerst das antipsorische Mittel (ohne die venerische Krankheit zu berücksichtigen) und gewähren Sie ihm seine Wirkungsdauer.

4) Verschreiben Sie das nächste passende antipsorische Similimum für die noch verbliebenen prominenten psorischen Symptome.

5) Verschreiben Sie das beste Merkurialmittel gegen die venerische Krankheit und lassen Sie es, so lange Verbesserung dieser Symptome eintritt, wirken.

Es ist notwendig, dass dieser Prozess oder dieses Fünfpunkteprogramm bei schwierigen Fällen wieder und wieder durchgeführt werden muss. Das antipsorische Mittel wird aufgrund der verbliebenen psorischen Symptome gewählt, das syphilitische Mittel für die verbliebenen syphilitischen Symptome. Solange die Narbe des Schankers oder die Schoßbeule bleibt, ist das ein deutliches Zeichen, dass das syphilitische Miasma noch nicht beseitigt ist.

Daher ist das Verschwinden des Narbengewebes und die Rückkehr der völlig normalen Hautfarbe das Zeichen der Heilung vom syphilitischen Miasma. Ähnlich ist es mit dem Verschwinden der Verfärbung oder der Narbe der weggeätzten Feigwarze in der Beseitigung der Sykosis.

Aufkommende Fragen:

Es kann nicht deutlich genug betont werden, dass dies für Hahnemann in dieser Lebensphase eine enorme Arbeit gewesen sein muss. Das Verständnis für das klinische Fallmanagement (miasmatischer) chronischer Krankheiten bleibt weiterhin eine Facette in der Homöopathie, die die klügsten und göttlich inspirierte Köpfe erfordert, sobald man sich dies zur Aufgabe gemacht hat. Viele taten dies, auf unterschiedliche Weise, und meine folgenden Artikel werden einige von ihnen näher betrachten. Aber zuvor ist es essenziell, dass jeder Homöopath das Konzept und die Prinzipien der Miasmen, so wie sie Hahnemann in den Chronischen Krankheiten beschrieben hat, versteht. Dieser Artikel und die Interpretationen (des theoretischen Teils) der Chronischen Krankheiten, wie oben, basieren auf mein vorangegangenes Studium und dem persönlichen Verständnis der Inhalte. Es gibt immer die Möglichkeit eines anderen, abweichenden Blickwinkels. Ich wäre für Feedback darüber, direkt an meine Email-Adresse, dankbar: leela@homeopathy2health.com.

Viele meinen nach der klinischen Anwendung dieser Methoden, dass Hahnemann die verschiedenen miasmatischen Zustände und chronischen Krankheitserscheinungen nicht genau oder vollständig beobachtet hat. Dies ist bei den Krankheitserscheinungen offensichtlich, die aus der Sykose entstehen, und in der Liste von Beschwerden, die dem sykotischen Miasma zugeordnet werden müssen. Besonders zahlreiche Krankheiten, die er (während seines Lebens) der Psora zusprach, wurden später einer anderen miasmatischen Gruppe (Hering als Vorbote) zugeordnet, die Pseudo-Psora oder tuberkulinisches Miasma genannt wurden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, hätte sich die Psora über die Jahrhunderte in ein vielköpfiges Monster entwickelt, hätten sich dann die Sykosis und die Syphilis nicht auch in vielköpfige Monster entwickeln müssen?

Diese und weitere neue Beobachtungen sind in einer Reihe von Artikeln enthalten, in einem modernen, sich immer weiter entwickelnden Verständnis der Miasmen und dem chronisch-miasmatischen, klinischen Management. Es wäre aufregend, alle diese neuen und bahnbrechenden Evolutionen des homöopathischen Denkens in den Arbeiten der brillanten, zeitgenössischen Köpfe zu erforschen.

 

Dr. Leela D'Souza

www.homeopathy2health.com

Bibliografie:

1. The Chronic Diseases, Samuel Hahnemann (Theoretical Part)
2. Organon of Medicine, Samuel Hahnemann
3. The Genius of Homeopathy, Stuart Close, MD
4. Dhawle's ICR Symposiums (Volume C), Mumbai
5. Theory of Suppression, Predictive Homeopathy Part I, Praful Vijaykar, LCEH
6. The End of Myasumtion of Miasms, Predictive Homeopathy Part III, Praful Vijaykar, LCEH
7. An Insight into Plants, Rajan Sankaran, LCEH
8. The Sensation in Homeopathy, Rajan Sankaran, LCEH