Innovative und wirksame Methoden in der homöopathischen Ausbildung

Innovative und wirksame Methoden in der homöopathischen Ausbildung

Author: 
Luc De Schepper

Einführung

Als ich darum gebeten wurde, etwas darüber zu schreiben, wie man eine anhaltende Einstellung zum Erlernen der Homöopathie erweckt, kamen mir viele Fragen in den Sinn. Für die meisten Fragen erhielt ich die Antwort, indem ich auf meine eigene Karriere blickte. Was motivierte mich über so viele Jahre, mich zuerst mit der Traditionellen Chinesischen Medizin und dann mit meiner lange anhaltenden Liebe, der Homöopathie, so intensiv zu beschäftigen? War es etwas oder jemand, was mich inspiriert hatte, von der allopathischen Medizin abzuweichen? Selbst nach dem Besuch zweier allopathischer medizinischer Schulen (in Belgien und in den USA) konnte ich nicht von meinem Streben nach einer wahren, natürlichen Heilmodalität abgebracht werden. Was mich motivierte, könnte auch andere motivieren und dies im Sinn, untersuchte ich meine eigene Vergangenheit.

Drei Teile

Der Titel dieses Artikels könnte irreführend sein, weil die größte Erwartung in den Pädagogen gelegt wird - dass er einzig dafür verantwortlich ist, meisterhafte Praktiker auszubilden. Warum denn werden unter allen meinen Studenten, für die ich gelehrt habe, einige hervorragende Praktiker, während andere sogar nach Jahren des Trainings arbeiten, als ob sie nie einen meiner Vorträge gehört hätten. Sie waren alle bei denselben Vorträgen anwesend, aber die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich. Aber können Sie auf einem Hocker mit nur einem Bein sitzen?

Nur ein dreibeiniger Hocker sorgt für eine erfolgreiche Ausbildung: der Lehrer, der Student und die erfolgreiche Anwendung dessen, was im Kurrikulum (der Wissenschaft und Kunst) gelehrt wird. Wenn eines dieser drei ungenügend ist, entsteht eine schwache Verbindung, und der Hocker wird nicht tragen. Ein freier Fall oder Ausfall wäre unvermeidlich. Eine gleiche Stärke dieser drei Teile wäre ideal. Sonst könnte es sein, dass Sie sich auf dem Hocker halten können, aber schließlich wird der schwächste Teil unter den Erwartungen der anderen zwei Teile zerbrechen. Und nur ein einziges starkes Bein wird dem Gewicht Ihres Erfolges Ihrer zukünftigen Praxis und Ihrer therapeutischen Maßnahmen nicht gewachsen sein. Was ist das erste Bein?

Der Student

Mein Verstand hat nicht den geringsten Zweifel daran, dass jedes ausdauernde Engagement beim Studenten beginnen muss. Und der ideale Student (und dies gilt gleichermaßen auch für den Lehrer) muss mehrere Merkmale außer einer mittleren Intelligenz und einem angemessenen Gedächtnis besitzen.

Eine Person sollte deshalb Homöopath werden, weil sie die Homöopathie und die Menschen liebt. Anders als in vielen anderen Berufen hat sie beste Chancen, ihr Leben aufregend, nie routinemäßig zu gestalten. Für sie ist jeder Patient ein Individuum, ein neues Rätsel - neu und verschieden sogar während jeden Schrittes bei der fortdauernden Behandlung einer Person. Es ist die spezielle Rolle des Homöopathen, die Wahrheit ohne Kompromisse und ohne Rücksicht vor seinen Eigenen oder irgendjemand Anderes’ Interessen (Pharmakonzerne) zu verbreiten. Diese Arbeit kann nie langweilig sein. Wir kommen mit dem Innersten des Lebens unserer Patienten in Berührung, mit Emotionen, die in der Existenz des Menschen zutiefst verwurzelt sind.

Geduld ist ein weiterer Faktor, der wichtig für das Beherrschen der Homöopathie ist. Jeder, der jemals versucht hat, eine Kunst zu beherrschen, weiß, dass große Geduld erforderlich ist, wenn man etwas erreichen möchte. Wenn Sie hinter schnellen Ergebnissen her sind, werden Sie nie Meister. Für den modernen Menschen ist Geduld genauso schwierig auszuüben wie Disziplin und Konzentration. In der Tat liebt unsere Welt das genaue Gegenteil und blüht darin auf. Wir haben Veröffentlichungen wie "Den 1-Minuten Chefkoch“, „Den 1-Minuten Tennislehrer" und "Der 1-Minuten Heilkundige". Das Letztere bezieht sich offensichtlich auf die Zauberpille, verordnet nach einem einminütigen Gespräch mit dem allopathischen Arzt. Es hat nie eine Broschüre "Erlernen Sie die Homöopathie in zwei Tagen” gegeben und es wird sie nie geben.

Die homöopathische Fallaufnahme ist jedoch nie ein Schlachtfeld oder eine einseitige Meinung, wie es so oft bei der allopathischen Konsultation der Fall ist. Die Fallaufnahme beinhaltet einen wahren Austausch zwischen zwei Menschen, die daran interessiert sind, wirklich eine Konversation zu führen, (das Wort konvers bedeutet buchstäblich umgekehrt), wo die Möglichkeit besteht, eine Meinung von einem Partner zum Anderen und umgekehrt zu äußern. Glänzende Formulierungen bringen keinen Durchbruch; eher schon, was für beide Partner relevant ist – das anzusprechen, was für den Patienten authentisch ist – das wird es bringen. Dieser Prozess benötigt Zeit und Geduld. Der moderne Mensch denkt, dass er etwas verliert, wenn die Dinge nicht schnell beendet werden; doch scheint er nicht zu wissen, was er mit seiner Freizeit anstellen könnte, außer sie totzuschlagen.

Dass die Konzentration eine notwendige Bedingung für die Beherrschung einer Kunst ist, ist unumstritten. Sogar noch mehr als die Selbstdisziplin ist jedoch die Konzentration etwas Seltenes in unserer Kultur. Jeder tut eine Menge Dinge gleichzeitig: Lesen, das Essen zubereiten, fernsehen, reden, rauchen, Radio hören, usw. Ein geistig abwesender Homöopath oder Student lässt, anstatt sich wie Sherlock Holmes zu konzentrieren, seinen Verstand zu anderen Ereignissen in seinem Leben schweifen. Sich um seine Zukunft, seine Familie sorgen; versuchen, den Ärger nach einem Streit zu entschärfen, den er gerade mit seiner Gattin geführt hatte; darüber nachzudenken, dass jetzt seine Investitionen seit dem Niedergang der „dot-com“-Aktien viel weniger wert sind, usw. Dieser Mangel an Konzentration zeigt sich eindeutig in unserem Unbehagen, wenn wir alleine sind. Still dazusitzen - ohne zu reden, zu rauchen, zu lesen, fernzusehen oder etwas zu trinken – es ist für die meisten Leute fast unmöglich. Sie werden unruhig und nervös, sie müssen etwas mit ihren Händen oder ihrem Mund machen – wie z. B. eine Zigarette anzuzünden, was die Hände, den Mund, die Augen und die Nase beschäftigt. Jeder, der versucht, alleine zu sein, wird entdecken, wie schwierig das ist.

Sie müssen lernen, sich auf alles zu konzentrieren, was Sie tun und für den Homöopathen bedeutet dies, dass der Patient und der praktische Arzt eins werden. Für den Studenten bedeutet dies, dass die homöopathische Wissenschaft und Kunst ein völlig konsumierender Prozess ist, den er in der wahren Geisteshaltung des Wissenschaftlers anzweifeln und untersuchen kann: “Akzeptieren Sie nichts ohne Überprüfung, aber noch viel weniger sollten Sie etwas zurückweisen, ohne es ausprobiert zu haben”.

Weitere Merkmale werden vom Homöopathiestudenten erwartet, wenn er nicht selbst das erste Hindernis zum Erfolg eines ausgezeichneten Heilers werden sollte. Die Ausübung jeder Kunst und besonders einer solch schwierigen und komplizierten wie die Homöopathie, erfordert Disziplin. Ich werde nie gut bei irgendetwas werden, wenn ich es nicht auf eine disziplinierte Art und Weise übe und studiere. Wenn ich etwas nur mache, "wenn ich Lust dazu habe", dann kann das für ein Hobby in Ordnung sein, aber nie werde ich ein Meister dieser Kunst werden. Dies bedeutet nicht nur, die Homöopathie mehrere Stunden lang täglich zu studieren und zu üben - es bedeutet auch, in diese Heilkunst einzutauchen.

Eine Menge Menschen könnten als diszipliniert bezeichnet werden, wenn man von einem achtstündigen Arbeitstag ausgeht. In der Tat fällt die Mehrheit der Menschen in diese Kategorie. Aber die modernen Menschen und die meisten modernen Homöopathen und Studenten besitzen nur eine geringe Selbstdisziplin außerhalb ihrer Arbeitssphäre. Sobald eine Person nicht mehr arbeitet, möchte sie faul sein oder, um ein höflicheres Wort zu verwenden, sich entspannen. Dieser Wunsch nach Faulheit ist im Wesentlichen eine Reaktion gegen das Gefühl, in einem Alltagstrott zu leben. Da sich die meisten Leute in einer Situation gefangen fühlen, bei der sie ihre Energie für Zwecke aufwenden, die nicht ihre Eigenen sind, für einen Beruf, dem sie nicht ihr ganzes Herz geschenkt haben, werden sie fast rebellisch.

Ohne Disziplin wird das Leben zerrüttet, chaotisch und es wird an Konzentration fehlen, aber diszipliniert zu sein, muss nicht "qualvoll" sein. Der Osten hat es lange schon erkannt, dass das, was wirklich gut für den Menschen ist - für seinen Körper und seine Seele - angenehm und spaßig sein muss, obwohl zu Beginn einiges an Widerstand und "Qual" überwunden werden muss.

Eine letzte Bedingung für jemanden, der ein guter Homöopath werden will, ist seine oberste Sorge um die Beherrschung der Kunst. Wenn die Kunst nicht etwas ist, das in seinen Augen wichtig ist, wird sie der Lehrling nie lernen. Wir müssen uns nicht darüber auslassen, wie wichtig die Homöopathie als System zum Heilen ist, da sie die mächtige Natur auf eine sehr sanfte Weise imitiert. Viele Homöopathen, die ihre Kunst nicht zu einer wahren Priorität in ihrem Leben machen, bleiben Anfänger, gute Dilettanten werden aber nie Meister sein. Ich kenne Homöopathen, die seit 25 Jahren "praktizieren", und die sich immer noch an den Hauptprinzipien der Homöopathie versündigen und Schande über unsere schöne Wissenschaft bringen.

Wenn der Student die oben genannten Qualitäten nicht besitzt, wie kann sogar der beste Lehrer auf der Welt und die wirkliche natürliche, überlegene Heilmethode, was die Homöopathie ist, einen interessierten und letztlich erfolgreichen Studenten formen können?

Welches ist die Motivation dieses Homöopathiestudenten? Ist es die Leichtigkeit des Lebens, hinter der er her ist? Sucht er nach dem Einverständnis der medizinischen Welt? Sind finanzielle Sorgen sein vorherrschendes Gefühl? Sucht er eine Wissenschaft, die leicht zu beherrschen ist? Wenn diese seine Motivationen sind, ist es wahrscheinlich am besten, etwas anderes zu erlernen!

Meine eigene Motivation war einfach: frisch heraus aus dem Medizinstudium, nach drei Monaten in der Praxis war ich völlig gelangweilt und mit den "versprochenen" Ergebnissen der allopathischen Welt völlig unzufrieden. “Versprochene" Heilungen verwandelten sich in eine meisterhafte Kunst der Unterdrückung, die auf schmerzhafte Weise das Ableben des Patienten aufschob. Ich konnte nur sehr wenige Veränderungen am Horizont sehen, und dies hat sich 30 Jahre später als wahr erwiesen. Was mich auf den traditionellen Pfad des Heilens gebracht hatte, war mein größter Wunsch, einen Unterschied in die Gesundheit der Menschen zu bringen und um Hahnemanns unsterbliche Worte zu zitieren, "Ich habe nicht unnütz gelebt". Bis zum heutigen Tag habe ich diese Veränderung nicht bereut. Im Gegenteil, ich meine, dass ich viel mehr Dankbarkeit und Anerkennung von meinen Patienten verdient und viel mehr Zufriedenheit gewonnen habe, als ich es mir jemals hätte erträumen können, wenn ich ein allopathischer praktischer Arzt geblieben wäre.

Der Lehrer

"Nur wenn man die präziseste Art zu arbeiten beibehält, werden Sie sich Ihren Ruf erhalten und in der Lage sein, Menschen zu heilen."- Kent

Kents Paragraf reflektiert die beste Eigenschaft eines guten Lehrers. Ein Lehrer, der in der Lage ist, seine Studenten zu inspirieren, hat bereits schon einen Ruf in der Ausübung der Homöopathie und er erreicht gleichmäßig gute Ergebnisse. Er ist nicht nur ein Bücherwurm oder Akademiker, er war auch an der Front und stand vielen Arten von menschlichem Leid gegenüber. Er scheut vor keinem Fall zurück. Und kein Patient, ob reich oder arm, klopft vergeblich an seine Tür. Merkmale, die ihn sowohl zu einem guten Praktiker als auch zu einem guten Lehrer machen, sind wichtig, um nachgeforscht zu werden.

Der erste Faktor ist Mitgefühl, das untrennbar von der Liebe zur Menschlichkeit ist. Ein praktischer Arzt, der mit dem Patienten als Person in Kontakt ist, ist in der Lage, viele Symptome zu entdecken, die einer rein intellektuellen Einstellung entgehen würden. Mitgefühl ist ähnlich wie Intuition, und Instinkt ist Mitgefühl: Wir nehmen viel instinktiv wahr, bevor wir es intellektuell begreifen. Vieles in der Kunst zu verschreiben liegt in der Qualität des Mitgefühls. Dies ist ein Faktor, der den Studenten nicht gelehrt werden kann. Ich hatte Studenten, die in ihrer akademischen Umgebung herausragend waren, aber sie waren außerstande, sich mit ihren Patienten aus Mangel an Mitgefühl zu verbinden. Vielleicht war es ein aktiver, syphilitisch miasmatischer Zustand, der sie daran hinderte, es zu tun. Vielleicht konnte der Student/Praktiker nicht die Stärke finden, sich seine Schattenseiten anzusehen, um seinen Selbstfindungsprozess voranzubringen, wie Jung es nannte. “Heile Dich Selbst" sollte in der Reihenfolge zuvorderst stehen! Und der ausgewogene Lehrer zeigt den Weg durch sein eigenes Beispiel, welches dann oft mächtiger ist als seine Worte!

Dies stellt die Verbindung mit einer anderen wichtigen Qualität des Lehrers her: Objektivität gegenüber seiner Patienten, seiner Studenten und sich selbst. Ein objektiver Überblick ermöglicht es einem, von oben und von außen zu beobachten. Ohne Objektivität sind wir blind. Eine Überprüfung, die von deplatzierten Emotionen wie Stolz und Ichbezogenheit getrieben wird, hindert uns daran, wirklich mit dem Studenten eine Verbindung einzugehen. Der Praktiker muss sich wirklich kennen. Zu diesem Zweck muss er sich von dem konstanten Einfluss von Emotionen, dem Faden, der ihn an falsche Begierden, Meinungen und Gedanken bindet, welche ihn wie Sirenengesang verleiten, loslösen. Unser Verstand muss scharf und klar genug sein, um dieser Versuchung zu widerstehen und allmählich muss er über sie hinauszuwachsen.

Jedoch muss die hervorstechendste Qualität eines Lehrers seine eingehende Kenntnis seiner Wissenschaft und Kunst sein. Dies scheint eine unzutreffende Bezeichnung zu sein. Warum verhalten sich die meisten praktizierenden Homöopathen und Lehrer so, als ob die Homöopathie um etwa 1828 eingefroren worden wäre? Die meisten angewandten und gelehrten Techniken entsprechen Hahnemanns Werken von vor 1828! Obwohl Hahnemanns persönliche Praxis beträchtlich über die Stufe der 4. Auflage des Organon hinausgewachsen ist, tat es die Homöopathie als Ganzes nicht. Dies ist mehr als befremdend, weil die folgenden 14 Jahre in Hahnemanns Karriere die produktivsten seines Lebens waren.

Viele Lehrer versäumen es, Kents Rat zu befolgen. Er warnt uns davor, zuerst die Wissenschaft zu lehren und dann erst die Kunst! Was kommt dabei heraus, wenn der Lehrer einen solchen Rat ignoriert? Wir sehen oft Fälle in Zeitschriften und in Konferenzen, in denen das Mittel nach keiner Grundlage eines wahrnehmbaren oder gelehrten Prinzips gewählt wird, sondern nur durch Anpassen an ein oder zwei ungewöhnliche oder seltsame Symptome. Das Ergebnis für den Studenten ist verwirrend und überwältigend; es scheint, dass eine enzyklopädische Kenntnis der Materia medica, sogar bevor man eine homöopathische Praxis beginnt, notwendig wäre.

Selbst Live- oder Videofälle, bei denen der Student den Ausbilder dabei beobachten kann, wie er den Patienten untersucht und das Mittel wählt, sind nicht lehrreich, es sei denn, der Student hat zuerst die wissenschaftlich festen Prinzipien der Fallaufnahme, der Potenzwahl und der Symptomenanalyse gelernt. Ich war bei 150 Studenten gewesen, die nach einem Seminar total verzweifelt waren und dachten, dass der Lehrer ein "Genie" wäre und "dass es keine Hoffnung für sie gab, jemals ein anständiger Homöopath zu werden". Ist es das, worum es in der Lehre geht? Ist die Lehre eine Gelegenheit dafür, dass einige Lehrer demonstrieren können, wie sie Dinge "sehen", von denen du, du einfacher und sterblicher Student, nur träumen kannst? Doch genau diese Lehrer sind es, die, angetrieben von falschem Egoismus, es versäumen, den heiligsten und logischsten Prinzipien der Homöopathie zu folgen, die in den 5. und 6. Auflagen des Organon und nicht in der 4. umrissen sind! Ich frage mich, ob sie alle Seiten der 5. und 6. Auflagen gelesen haben. Und ob sie irgendwelche Unterschiede sahen. Diese Lehrer würden davon profitieren, die verschiedenen Auflagen des Organon und Hahnemanns Artikel Ueber die Wahl eines Hausarztes (Hahnemann 1795) zu lesen. Und dann anzuwenden, was Hahnemann darüber sagte, ein guter Praktiker zu sein.

Eine andere Art von Lehrer, die anzuzweifeln ist, ist die, die immer das Mantra singt, "die Homöopathie hörte nicht mit Hahnemann auf. Ich will meine eigene Version der Homöopathie ausüben, und Hahnemann wäre stolz auf meine Erfahrungen gewesen!" Ja, es ist die Pflicht jeder Generation, über die Letzte hinauszuwachsen. Hering sagte einmal, "Es ist unser aller Pflicht, tiefer in die Theorie und die Ausübung der Homöopathie hineinzutauchen, als Hahnemann es getan hat. Wir sollten die Wahrheit suchen, welche vor uns liegt und den Fehlern der Vergangenheit entsagen”.

Die Homöopathie hat sich in den vergangenen 150 Jahren beträchtlich entwickelt. Dennoch haben Homöopathen noch viel dazu zu lernen von dem, was Hahnemann in seinen Arbeiten lehrte. Ich habe Zweifel daran, dass er stolz wäre, wenn wir uns gegen die Grundgesetze und Regeln versündigen und sie weglassen. Ich stimme dem zu, dass zu viel Dogma immer kontraproduktiv ist und damit, dass ein aufgeschlossener Verstand ein wichtiger Teil des Wachstums ist. Ich kann nur hoffen, dass wir alle über Hahnemanns Wissen fortschreiten können, aber wir werden dort nicht ankommen, wenn wir leugnen, dass das Organon irgendetwas damit zu tun hat. Das Organon ist der Text, auf dem homöopathisches Heilen beruht. Ich dachte nie, dass es ein religiöses Dokument wäre, dem blind gefolgt werden muss, aber ich behandle es mit der größten Hochachtung, weil es ohne es keine Homöopathie gäbe. Beleidigungen von Homöopathen, wie "religiöses Dogma“, „steckt in der Vergangenheit fest" und "diese alte Bibel," unterhöhlen die sorgfältigen Beobachtungen mehrerer Generationen von erfahrenen Homöopathen. Die Homöopathie durch Ignorieren ihres Erbes "modernisieren zu wollen" ist wie das Kind mit dem Wasser auszuschütten. Es wäre für uns nützlicher, das Organon gründlich zu studieren. Die Grundlage all der schweren Arbeit von unzähligen Frauen und Männern, die vor uns kamen und die der Bereicherung der Homöopathie ihr ganzes Leben widmeten, ist das Organon. Die Lichtgeschwindigkeit hat sich über die Jahrhunderte nicht geändert, ebenso haben es die homöopathischen Heilgesetze.

Ich habe kein Problem mit neuen Theorien, solange sie unseren heiligen Gesetzen nicht widersprechen. Aber, bevor Sie denken, dass Sie etwas Neues entdeckt haben, studieren Sie Hahnemann! Sie werden höchstwahrscheinlich feststellen, dass er es bereits ausprobiert hatte. Zu den vielen spekulativen Theorien, die von neuen guruähnlichen Lehrern dargestellt werden, kann ich nur Hahnemanns Worte an die Allopathen wiederholen:

Schon ward dem Lehrlinge eingebildet, er sey nun Meister der Kunst, Krankheiten zu erkennen und zu heilen, wenn er sein Gehirn mit jenen grundlosen Hypothesen angefüllt hatte, welche recht dazu geeignet schienen, seinen Kopf zu verdrehen, und ihn von der wahren Ansicht der Krankheiten und ihrer Heilung so weit als möglich zu entfernen. (Hahnemann, 1808, Ueber den Werth der speculativen Arzneysysteme)

Diese Worte gelten auch für die vielen Studenten dieser neuen Gurulehrer, welche davon profitieren würden, die verschiedenen Auflagen des Organon neben den Auflagen der Chronischen Krankheiten zu studieren.

All dies führt uns jetzt zum dritten Teil, der notwendig ist, um Enthusiasmus, Vertrauen und Motivation in künftigen Homöopathiestudenten zu wecken – zu den Werkzeugen und Methoden der Homöopathie.

Die Wissenschaft und Kunst: Die Werkzeuge und Methoden

Wo immer ich lehre, wer auch immer die Hörerschaft ist, zwei Beobachtungen bleiben immer konstant. Zuallererst haben die meisten Studenten keine Ahnung davon, dass Methoden für das Finden des Similimums existieren. So wie mir einige Studenten nach meinem Vortrag in Durban, Südafrika (wo sie eine sechsjährige Ganztagsschule besuchen) sagten, "Bevor Sie hierher kamen, hatten wir die Idee aufgegeben, dass wir ein Similimum für jeden Fall finden müssen." Ich bin an Seminaren gewesen, wo sich Studenten um ihren Computer bemühten, um das Similimum zu finden, hoffend, dass der Computer ergänzen würde, was ihnen fehlte: eine systematische und umfassende Annäherung an das Similimum. Natürlich enttäuschte sie der Computer: “Schrott rein, Schrott raus!" ”

Ich bin an Seminaren gewesen, wo jährlich seit 10 Jahren derselbe Lehrer immer wieder kommt und die große Mehrheit der Studenten hat noch keine Ahnung, wie man an einen Fall herangehen kann. Mehrere Methoden stehen uns zur Verfügung, aber sie haben eines gemeinsam: Sie basieren alle auf den Gesetzen und Prinzipien der Homöopathie mit den Arzneimittelprüfungen als Kronjuwel. Ob Sie die von-Bönninghausen-Methode, eine miasmatische Analyse oder ein Periodensystem als Ansatz verwenden, Sie müssen den Fall unter Verwendung der Symptome des Patienten entsprechend ihrer Bedeutung lösen (was von Hahnemann und Kent gefördert wurde). All diese Methoden haben eines gemein - sie sind unabhängig von Spekulationen oder Hypothesen! Es widerstrebt mir, Patienten durch Verschlimmerungen leiden zu lassen, wenn es schon bessere Lösungen von unzähligen praktischen Ärzten gibt, die bereits vorgeschlagen und über viele Jahre gründlich getestet worden ist.

Die zweite Beobachtung ist, dass selten die Kunst der Homöopathie gelehrt wird. Ich beziehe mich hier auf die Behandlung des Kranken. Was wir hauptsächlich lesen oder hören ist, "Dies ist das Mittel, das in dieser oder jenen Potenz verabreicht wurde und sechs Monate später ging es dem Patienten besser!" Normalerweise sehen wir die Beobachte-und-warte-Methode gemäß der 4. Auflage des Organon. Ist es das, was der Praktiker und der Student in der Praxis vorfinden?

Ich würde gerne Näheres über das erfahren, was in jenen sechs Monaten geschehen ist. Was taten Sie, als der Patient Zusatzsymptome, ähnliche Verschlimmerungen, neue Symptome oder Heilreaktionen zeigte? Dies ist die Realität in der Praxis und etwas, mit dem der Student vertraut werden muss, wenn er jemals hofft, erfolgreich zu sein. Zeigen Sie mir, wie gut Sie in der Behandlung ihrer Fälle sind und ich werde wissen, ob Sie ein guter Homöopath sind.

Einen Weg, wie Lehrer ihre Studenten motivieren und ihnen ein ausdauerndes Engagement für das Erlernen der Homöopathie einflößen können ist, neue Fälle zu zeigen. Präsentieren Sie keine alten Fälle mit bekanntem Ausgang. Nehmen Sie einen Ihnen unbekannten neuen Fall vor der Klasse auf und sehen Sie diese Patienten in darauf folgenden Unterrichten. Sie können den Studenten lehren, wie man diese Fälle auf das bisher Geschehene basierend behandelt. Solche erfolgreiche Behandlungen vor Ihren Studenten lösen ihren Enthusiasmus aus und den Wunsch, die Homöopathie auszuüben. Versuchen Sie, neue Fälle zu bekommen, die zu Nachuntersuchungen wieder kommen, um die Möglichkeiten für das Lernen zu maximieren.

Das Einzige, was uns in jedem Beruf stimuliert, sind die wahren wirklichen Erfolge, die sie erzielen. Für den Homöopathen (und für jeden anderen Praktiker im Gesundheitswesen) sind es die wahren natürlichen Heilungen von wahrlich chronischen Erkrankungen (jene, die zum § 78 gehören: „Die wahren natürlichen, chronischen Krankheiten sind die, von einem chronischen Miasm entstandenen, ...").

Die Antwort auf unsere Ausgangsfrage ist einfach: Suchen Sie sich einen Lehrer, der in den wahren Prinzipien der Homöopathie sehr versiert ist; einen, der um die Wichtigkeit des fortwährenden Studierens weiß; einen der erkennt, dass der Fortschritt nur durch harte, aufrichtige Arbeit erlangt werden kann; und einen der introspektiv auf seine eigenen Schattenseiten achtet. Die Methoden, die er anwendet, sollten verlässlich und von Hahnemanns dargelegten unfehlbaren Naturgesetzen getragen werden. Wir hoffen, dass solche Lehrer Studenten finden werden, die von einem aufrichtigen Wunsch beseelt sind, Menschen zu helfen, weil sie die Menschen lieben; und für die das Studium dieser Wissenschaft und Kunst zu ihrem Lebensinhalt wird, unabhängig von äußeren Interessen. Dies war alles, was es braucht, um ein Homöopath zu werden. Diese Arbeit kann nie langweilig sein. Bringen sie die drei Beine des Hockers zusammen und sie können auf ihm voller Vertrauen, Hoffnung und der Gewissheit platz nehmen, dass Ihr Leben wirklich nicht vergeblich war!

Bibliographie

1. Hahnemann, S. Gesammelte Kleine Schriften

2. Hahnemann, S. Organon der Heilkunst. Sechste Auflage.

3. De Schepper, L. Der Weg zum Simillimum

4. Hahnemann, S. Die chronischen Krankheiten: Ihre eigentümliche Natur und homöopathische Heilung


Über den Autor: Dr. Luc De Schepper ist der Gründer und seit 1993 einziger Lehrer des Renaissance Instituts für klassische Homöopathie mit Schulen in Boston, MA, Secaucus, NJ, Las Vegas, NV und Longmont, CO. Er ist der Autor von 14 Büchern. Für weitere Informationen schreiben Sie an drluc@cybermesa.comor oder besuchen http://www.drluc.com/.