Hahnemanns fortgeschrittene Methoden Teil 4: Die LM-Potenz

Hahnemanns fortgeschrittene Methoden Teil 4: Die LM-Potenz

Author: 
David Little

Die Entdeckung einer Neuen Potenz

Hahnemann war nicht völlig mit den medizinischen Lösungen der zentesimalen Potenzen zufrieden, besonders bei schwachen empfindlichen Konstitutionen mit chronischen miasmatischen Krankheiten. Er fand in bestimmten Fällen, dass die niedrigeren Potenzen nicht in der Lage waren, eine Heilreaktion zu stimulieren, während doch gleichzeitig die höheren Potenzen ernste Verschlimmerungen verursachten.

Er fragte sich, ob es möglich wäre, homöopathische Mittel herzustellen, die tief, aber dennoch gleichzeitig sanfter auf die Konstitution wirkten. Obwohl die medizinischen Lösungen das zentesimale System sehr verbessert hatten, fragte er sich, wie er Verschlimmerungen in jenen Fällen überwinden konnte, in denen die Patienten schwach waren, überempfindlich und zur gegenwärtigen Zeit unheilbar. Bestimmt liegt die Antwort auf diese Frage nicht im Anheben der Dynamisierung in immer höhere und höhere Bereiche der Potenz.

Zu jener Zeit erreichten Jenichens Potenzen Ebenen weit jenseits der 1 M, und nach Hahnemanns Erfahrung waren sie für schwache Patienten mit einer fortgeschrittenen Gewebepathologie wegen der ernsten lebensbedrohlichen Verschlimmerungen nicht geeignet.

Hahnemanns größter Wunsch war, diese degenerativen chronischen Fälle zu heilen, da sie sich als die Widerstandsfähigsten gegen seine Behandlung erwiesen hatten. Das Einzige, was der alte Meister tun konnte, war, eine völlig neue Serie von homöopathischen Versuchen zu beginnen, obwohl er in seinen Achtzigern war!

Zu dieser Zeit assistierte Hahnemann ein Pfarrer Everest, der dafür verantwortlich war, Zuckerglobuli für seine Mittel herzustellen. Er war ein guter Freund und Vertrauter von Hahnemann während seiner letzten experimentellen Arbeiten. Am 30. Juli 1853 wurde ein Brief in The Times veröffentlicht, den Rev. Everest an einen Dr. Luthur schrieb, in dem er die Versuche beschreibt, die er Hahnemann durchzuführen miterlebte, während dieser das homöopathische System verbesserte. Wir haben den größten Teil des Briefes mit aufgenommen, weil wir denken, dass er sowohl aufschlussreich ist, als auch von großem historischem Interesse.

Dies ist in Bradfords Leben und Briefe Hahnemanns auf Seite 473 aufgezeichnet.

"Hahnemann bemühte sich darum, Möglichkeiten zu finden, um Mittel auf solch eine Weise zu verabreichen, dass die geringst möglichen Störungen, wie sie mit der Heilung vereinbar sind, entstehen würden. Zu diesem Zweck führte er eine große Vielfalt von Versuchen durch. Der erste Versuch in der Reihe war das Riechen und dies übernahm er in bestimmten Fällen bis zum Ende seines Lebens, ich weiß nicht, dass er es völlig aufgab.

Aber bestimmte Einwände veranlassten ihn, nach irgendwelchen anderen Möglichkeiten zu suchen, um die medizinische Wirkung zu mäßigen. Sein nächster Versuch war, drei, zwei oder ein Globulus in einem Glas Wasser aufzulösen, sorgfältig umzurühren, um dann einen esslöffel- oder teelöffelvoll davon in ein anderes Glas zu geben.

Er stellte jedoch immer noch fest, dass in allzu zarten Konstitutionen eine zu starke Erregung erzeugt wurde, selbst dann, wenn die Medizin genau gewählt wurde; denn wenn eine Medizin zum Fall nicht genau harmonisch passt, wird ihre Wirkung natürlich viel schwächer sein, insofern, als sie in einem solchen Fall auch auf einen Teil des Organismus wirkt, der nicht krankheitsmäßig erregt ist; und diese Bemerkung erklärt, warum so viele Praktiker der modernen oder "verbesserten Homöopathie" so wenige Fälle der Verschlimmerung erleben, weil sie eben Arzneien per Zufall verabreichen und so die gestörten Nerven überhaupt nicht berühren.

Die Abschwächung wurde manchmal über zwei, drei, vier, fünf und sechs Wassergläser durchgeführt; aber es war ein sehr unpraktisches Verfahren, und es hatte nichts von der Einfachheit, die Naturgesetze im Allgemeinen haben.

Er versuchte in seiner Versuchsreihe die Verringerung der Anzahl von Schüttelschlägen, aber das schien nicht das genaue Ergebnis zu erbringen, das er sich erhoffte. Er verfolgte viele Pläne und führte viele Versuche durch, von denen ich mit einem oder zwei vertraut bin, und auch andere, die ich vergessen habe, falls ich jemals von ihnen gehört habe. Endlich, jedoch, und derjenige, der die zufrieden stellendsten Ergebnisse lieferte (ich glaube, dass ich sagen kann, dass er mit ihnen völlig zufrieden war) war der Plan, den ich jetzt erkläre:

Er ging von der ersten alkoholischen Tinktur einer beliebigen Arznei aus, von der ich glaube, dass es die Dritte vom Beginn an war (C 3), und die nach der normalen Notation als 1 geschrieben wird. Anstatt einen Tropfen dieser Dynamisation in einhundert Tropfen Weinbrand zu geben, um die nächste usw. Dynamisation herzustellen, feuchtete er ein paar Globuli einer festen normalen Größe an. Wenn ich das erste Experiment richtig begriffen habe, glaube ich, dass er zehn später und in den ihn zufrieden stellenderen aber nur eines der so befeuchteten Globuli in einem winzigen Tropfen Wasser auflöste und er dann einhundert Tropfen Weingeist hinzufügte.

Nachdem er es verschüttelt hatte (ich vergaß wie oft), feuchtete er damit Globuli an, und nachdem er sie getrocknet hatte, platzierte er sie in ein Röhrchen in seiner Hausapotheke, gut verkorkt; dieses bezeichnete er 0/1. Die nächste Dynamisierung wurde hergestellt, indem ein Globulus der 0/1 in einem kleinen Tropfen Wasser aufgelöst wurde und einhundert Tropfen Weingeist hinzugefügt wurden; damit befeuchtete er ein Globulus wie zuvor und nannte diese Dynamisierung 0/2 .... "

Die LM-Potenz

Nach vielen Versuchen und einigem Kummer entdeckte Hahnemann im Jahr 1840 die 1/50,000 Verdünnungsrate und schuf das neue LM-Potenzsystem. Hahnemann begann, klinische Versuche damit durchzuführen, das Verdünnungsverhältnis seiner Dynamisierungen anzuheben, anstatt die Potenz zu erhöhen, weil er meinte, dass Homöopathie die Methodologie von der zentesimalen Potenz schon so weit entwickelt hatte, wie es nur möglich war.

Über sein neues LM-Potenzsystem schrieb Hahnemann ins Organon

"... daß bei dieser Dynamisations-Weise, (deren Präparate ich nach vielen mühsamen Versuchen und Gegen-Versuchen als die kräftigsten und zugleich mildest wirkenden, d.i. als die vollkommensten befunden habe) das Materielle der Arznei sich bei jedem Dynamisations-Grade um 50,000 mal verringert und dennoch unglaublich an Kräftigkeit zunimmt, ... "

Die Einführung der neuen LM-Potenz war Hahnemanns letztes großes Geschenk an die Homöopathie und war das Ergebnis seiner 50 Jahre langen Forschung. Mit diesem höheren Verdünnungsverhältnis fand Hahnemann genau das, nach dem er gesucht hatte, um die Sackgasse in der Behandlung des am meisten chronisch Kranken seiner Patienten zu behandeln.

Das 1/50,000 Verdünnungsverhältnis sollte das 1/100 Verhältnis ersetzen, da es sehr kräftig, und doch sanfter als die höhere zentesimale Potenz war. Endlich war er zufrieden, dass er die "perfekteste Methode" gefunden hatte und er das höchste Ideal der Heilung erfüllt hatte, was eine rasche, sanfte und dauerhafte Wiederherstellung der Gesundheit ist.

Wie Pfarrer Everest sagte, war Hahnemann "so ganz mit der sanften und angenehmen Wirkung dieser Zubereitungen zufrieden, dass sie, so denke ich, für ihn fast alle anderen Zubereitungen abgelöst haben."

Hahnemann nannte die neuen Zubereitungen Medicamens au Globule (Medizin der Globuli, in der ein Kügelchen als die 0 notiert wurde), um sie von den zentesimalen Potenzen zu unterscheiden, die mit einem kleinen x notiert wurden, und die Medicamens a La Goultte (Medizin der Tropfen) genannt wurden.