Hahnemanns fortgeschrittene Methoden Teil 3: Fallmanagement

Hahnemanns fortgeschrittene Methoden Teil 3: Fallmanagement

Author: 
David Little

Wie die medizinische Lösung wirkt

Um zu verstehen, wie die medizinische Lösung wirkt, müssen wir die Bedeutung von primärer und sekundärer Wirkung verstehen, und wie die homöopathischen Mittel heilen. Hahnemann erörtert dieses Thema in den Paragrafen 63-69 des Organon der Heilkunst.

Wenn eine kranke Person ein Mittel nimmt, bewirkt seine medizinische Energie einen tiefen Eindruck auf die gestörte Lebenskraft, der das verwirrte Bild der natürlichen Krankheit ersetzt. Dies wird die Primärwirkung genannt. Während dieser Phase erhält die Lebenskraft passiv ein vorgetäuschtes Abbild der Krankheit, das durch die Energie des homöopathischen Mittels verstärkt ist.

Nach dem Erfahren der Hauptwirkung des Mittels, produziert die Lebenskraft, was Hahnemann die sekundäre heilende Wirkung nannte. Es ist die heilende Sekundärreaktion der Lebenskraft, die die heilsame Krankheit aus der Konstitution entfernt und sie durch den Gesundheitszustand ersetzt.

Unter Verwendung dieser Erklärung als Basis, erklärt Hahnemann im Vorwort des 4. Bandes der Chronischen Krankheiten, wie die medizinische Lösung wirkt.

"Können wir Aerzte aber dieser instinktartigen Lebenskraft ihren Krankheits-Feind, durch Einwirkung homöopathischer Arzneien auf sie, gleichsam vergrössert - selbst nur um etwas jedesmal vergrössert vorhalten und entgegenstellen - und vergrössern wir auf diese Art für das Gefühl des Lebens-Prinzips, das Bild des Krankheits-Feindes durch täuschend ähnlich die ursprüngliche Krankheit nachbildende homöopathische Arzneien, so veranlassen und zwingen wir nach und nach diese instinktartige Lebens-Kraft, allmälig ihre Energie zu erhöhen und immer mehr und so weit zu erhöhen, dass sie endlich weit stärker, als die ursprüngliche Krankheit war, dass sie wieder Selbstherrscherin in ihrem Organism werden, selbst wieder die Zügel der Gesundheits-Führung halten und fernerhin leiten kann, indess die Schein-Vergrösserung der Krankheit, durch die homöopathischen Arzneien erzeugt, von selbst verschwindet, sobald wir, beim Erblicken der hergestellten Uebermacht der Lebenskraft, das ist, der hergestellten Gesundheit, auf hören, diese Mittel anzuwenden."

Zu Ende die 1830er Jahre verwendete Hahnemann all die Ebenen der verfügbaren Potenzen, von den Niedrigsten bis zu den Höchsten, aber nur als medizinische Lösungen. Es ist eine bekannte Tatsache, dass er sowohl Jenichens als auch Korsakoffs Hochpotenzen hatte.

Wir besitzen eine Kopie eines Briefes, der von Madame Hahnemann an einen amerikanischen Arzt namens Breyfogle geschrieben wurde, in dem Melanie eine Frage beantwortet, wie Hahnemanns Ansichten über die Potenzen und die Dosierung in seinem späteren Leben waren.

Dies ist in Haehls „Samuel Hahnemann, Sein Leben und Schaffen“, Band 1 auf Seite 328 aufgezeichnet.

"Ihre Anfrage, ob Hahnemann seine Ansichten über Potenzen in der letzten Phase seines Lebens änderte, und ob er nur Hochpotenzen benutzte, kann ich auf diese Weise beantworten: Hahnemann verwendete alle Verdünnungsgrade, sowohl die niedrigen als auch die hohen, entsprechend dem Einzelfall. Ich habe gesehen, wie er die 3. Verreibung verwendete, aber ich habe auch gesehen, wie er jedes Mal, wenn er es für notwendig hielt, die 200. und sogar 1000. verwendete."

Die Tatsache, dass Hahnemann Hochpotenzen verwendete, wurde  im Jahr 1845 im Bulletin de La Societe Homoepathique De Paris von einem Dr. Molin bestätigt. Auch ein Dr. Malan sah, dass Hahnemann Jerichens neueste extreme Hochpotenzen wirksam in Paris anwendete.

Dies ist in Haehls „Samuel Hahnemann, Sein Leben und Schaffen“, auf Seite 328 aufgezeichnet.

"Ich sah oft, wie Hahnemann sehr hohe Verdünnungen verordnete. Eine der bemerkenswertesten Heilungen wurde von einer einzelnen Gabe einer sehr hohen Potenz bewirkt: soweit ich weiß, kam dieses Mittel von Jenichen. Ich habe gehört, wie er oft sagte, dass die C 30-Potenz in keiner Weise eine feste Grenze für medizinische Verdünnungen darstellen sollte."

Es wurde von einigen modernen Homöopathen gesagt, dass Hahnemann nie Potenzen über die C 30 verwendete. Deshalb meinen sie, dass sein Vorschlag des Fallmanagements ignoriert werden kann, wenn man höhere Potenzen verwendet.

James Kent machte in seinen Schriften eine ähnliche Aussage, weil er nicht von Hahnemanns Verwendung von Hochpotenzen und seinen fortgeschrittenen Methoden wusste. Nachdem Hahnemann die medizinischen Lösungen entwickelt hatte, nahm er sich notwendigerweise die Freiheit, mit den zu jener Zeit verfügbaren höchsten Potenzen zu experimentieren.

Die wässrige Lösung ist ein perfektes Mittel, die Kraft der Hochpotenzen zu kontrollieren, weil die Gabe sorgfältig eingestellt werden kann, um zur Empfindlichkeit der Person zu passen.

Die zwei Arten der Verschlimmerung

Hahnemann lehrte, dass die Phänomene, die mit der homöopathischen Verschlimmerung,verbunden sind, von dem Mittel verursacht wird, das eine zu starke Primärwirkung hervorruft (Organon, § 161). Diese übermäßige Primärwirkung unterdrückt die Sekundärreaktion der Lebenskraft und zeigt die medizinischen Symptome des Mittels auf.

Die Gründe für Verschlimmerungen sind die Gabe von zu hohen Potenzen, von zu großen Gaben und von zu häufiger Wiederholung des Mittels. Dies passiert allzu leicht, wenn eine zufällige Anzahl von trockenen Globuli in Hochpotenz unter die Zunge gelegt wird oder wenn man vorzeitig ein Trockenmittel, vor allem in derselben, unangepassten Potenz, wiederholt.

Wenn die Lebenskraft nach einer Zeit in der Lage ist, diese übermäßige Primärwirkung des Mittels zu überwinden, produziert sie ihre eigene Sekundärwirkung und bewegt die Konstitution in Richtung Heilung. Dies ist weder die rascheste noch sanfteste Art, eine Krankheit zu heilen. Wenn die Gabe für den Zustand der behandelten Konstitution viel zu stark ist, kann sie eine lange anhaltende medizinische Krankheit produzieren.

Um diese Beschränkungen zu überwinden, entwickelte Hahnemann die Methoden zur Anpassung der Gabe als medizinische Lösungen, damit Sie zu der Empfindlichkeit der Konstitution passt. Wenn es eine Verschlimmerung gibt, senken Sie die Potenz, geben Sie der Flasche mit der Lösung weniger Schüttelschläge, reduzieren Sie die Größe der Gabe und wiederholen Sie das Mittel nicht, es sei denn, es wird gebraucht, um die Heilung zu beschleunigen.

Hahnemann weist in seinen Schriften darauf hin, dass es zwei Arten von Verschlimmerungen gibt, die ähnliche Verschlimmerung und die ununähnliche Verschlimmerung. Eine ähnliche Verschlimmerung ist eine Verstärkung der Symptome, die die Person erfährt, oder das Erscheinen von alten Krankheiten. Dies ist ein Zeichen vom richtigen Mittel, aber einer zu starken Gabe. Es ist am besten, diese Reaktion auszusitzen, wenn sie nicht gefährlich oder äußerst unangenehm ist.

Wenn eine zweite Dosis erforderlich ist, muss sie in die Abwärtsrichtung eingestellt werden. Dies bedeutet weniger Schüttelschläge, mehr Wasser in der Lösung, die Verwendung  mehrerer Verdünnungsgläser, eine niedrigere Potenz, eine kleinere Menge wie 1/2 Teelöffel, usw. Dies sind alles Methoden dafür, die Gabe einzustellen.

Eine unähnliche Verschlimmerung ist das Erscheinen von neuen Symptomen, die der Patient zuvor nie erfahren hat, oder die sich nicht auf die Krankheit beziehen, an der gelitten wurde. Sie sind vom Mittel produzierte medizinische Symptome, die zu dem Zustand des Patienten, der das Mittel nahm, nicht homöopathisch sind. Dies ist ein Zeichen eines falschen Mittels.

Organon, § 249.

"Jede für den Krankheits-Fall verordnete Arznei, welche im Verlaufe ihrer Wirkung neue, der zu heilenden Krankheit nicht eigenthümliche und zwar beschwerliche Symptome hervorbringt, ist nicht vermögend wahre Besserung zu erzeugen und nicht für homöopathisch gewählt zu halten; sie muß daher sobald als möglich, entweder wenn diese Verschlimmerung bedeutend war, erst durch ein Antidot zum Theil ausgelöscht werden, ehe man das, genauer nach Wirkungs-Aehnlichkeit gewählte, nächste Mittel giebt, oder bei nicht allzu heftigen widrigen Symptomen muß letzteres sogleich gereicht werden, um die Stelle jenes unrichtig gewählten zu ersetzen."

Lassen Sie uns die folgenden Beispiele ansehen, um das Thema zu klären. Wenn eine Person unter einem schmerzhaften Zustand am unteren Rücken leidet, der < in Ruhe und zu Beginn der Bewegung ist, und der > durch fortwährende Bewegung ist, während sie zu derselben Zeit sehr unruhig ist, fröstelt, weint, ohne zu wissen, warum, usw. können wir ihr Rhus t. geben.

Wenn der Schmerz im unteren Rücken etwas stärker wird, ist dies eine ähnliche Verschlimmerung. Dies ist ein Zeichen, dass die Hauptwirkung des Mittels die natürliche Krankheit ersetzt hat, so dass wir erwarten können, dass die sekundäre Wirkung der Lebenskraft den Schmerz entfernt. Dies ist eine positive Verschlimmerung.

Wenn, auf der anderen Seite, das Individuum Kopfschmerzen und Magenbeschwerden entwickelt, ist das eine unähnliche, negative Verschlimmerung. Das ist ein Zeichen des falschen Mittels!

Wenn die unähnlichen Symptome nicht übermäßig stark sind, sollte ein neues richtigeres Mittel aus der Kombination der neuen medizinischen Symptome und der natürlichen Symptome gewählt werden. Diese gesamte Totalität korrigiert das Problem durch Regulierung der Lebenskraft und bewegt den Fall in Richtung Heilung.

Wenn die unähnliche Verschlimmerung sehr stark ist, sollte sie sofort antidotiert werden, und ein neues Mittel so bald wie möglich verabreicht werden. Es ist sehr wichtig, dass ein Homöopath die zwei Arten der Verschlimmerung versteht.

Viele Homöopathen denken, dass alle Reaktionen gute Reaktionen sind, oder dass sie Heilungskrisen sind. Leider ist dies nicht der Fall. Ein richtiges Simillimum oder ein falsches Mittel oder ein Teilsimillimum, alle werden sie eine andere Reaktion durch die Lebenskraft entfachen. Nur das Organon gibt detaillierte Anweisungen, wie man diese Situationen erkennt und wie man die nötigen Anpassungen im Fallmanagement durchführt.

Wie man einen Fall verfolgt

Die Verabreichung der ersten Gabe eines homöopathischen Mittels ist eine Testgabe. Eine Einzelgabe sollte gegeben, und ihre Reaktion sorgfältig studiert werden. Akute und chronische Krankheiten sind von unterschiedlicher Natur.

Akute Krankheiten beginnen rasch, erreichen schnell ihre Krise und enden mit der Rückkehr der Gesundheit oder dem Ableben der Person. Chronische Krankheiten beginnen schleichend, entwickeln langsam ihre Pathologie und sind am Ende tödlich.

Je nach der zeitlichen Entwicklung der Krankheit müssen wir eine angemessene Zeit warten, um zu sehen, ob das Mittel wirkt. Bei einer akuten Verletzung oder einem akuten Notfall können dies nur einige Minuten sein, bei einer akuten Krankheit einige Stunden und bei einer chronischen Krankheit eine bestimmte Anzahl von den Tagen. Im Allgemeinen, wenn wir eine chronische Krankheit behandeln, müssen wir mit einer Wartezeit von mindestens 4, 7, 14, Tagen oder mehr rechnen, um zu sehen, ob die Gabe wirkt.

Wie wir schon darauf hingewiesen haben, jede bemerkenswerte Reaktion auf die erste Gabe schließt die Wiederholung eines homöopathischen Mittels aus, bis sich diese dramatische Reaktion abschwächt oder bis es einen leichten Rückfall von Symptomen gibt. Die Anzahl der Tage, die die drastische Wirkung andauert, sollte gezählt werden, und das Mittel ist dementsprechend zu wiederholen. Wenn die drastische Wirkung 14 Tage dauert und sich dann abschwächt, sollte das Mittel alle 12 oder 13 Tage, gerade vor dem Rückfall von Symptomen, wiederholt werden.

Wenn es nur eine leichte Verbesserung gibt, kann es sein, dass das Mittel in kürzeren Intervallen wiederholt werden muss, um die Heilung zu beschleunigen. Bei sich langsam entwickelnden Fällen, kann es sein, dass das Mittel täglich oder jeden zweiten Tag wiederholt werden muss.

Wenn es eine gemäßigte Reaktion gibt, kann es sein, dass das Mittel alle 3, 4 oder 5 Tage wiederholt werden muss. In Fällen, die ziemlich gut voranschreiten, kann es sein, dass das Mittel nur 1-mal die Woche oder so wiederholt werden muss. Einige Personen dürfen das Mittel nur sehr selten bekommen, während andere es ziemlich oft benötigen.

Viel hängt davon ab, mit welch hoher Potenzebene mit dem Fall begonnen wurde, und wie drastisch die Wirkung auf die Lebenskraft war. Im Allgemeinen sind Hochpotenzen wie C 200, 1 M und 10 M für Einzelgaben und seltene Wiederholungen geeignet. Niedrigere Potenzen wie C 6, C 12, C 24 und C 30 sind für häufigere Wiederholungen geeignet.

Dennoch ist die Antwort der Konstitution auf das Mittel der wichtigste Indikator dafür, wie oft ein Mittel wiederholt wird. Der Schlüssel zur Methode der aufgeteilten Gabe ist das Verständnis für die  die Natur der Konstitution, die Natur des Mittels und die Natur der Krankheit.

Wenn die Kenntnis dieser drei Faktoren mit den Methoden der Einstellung der Gabe kombiniert wird, kann man das Mittel sicher in geeigneten Intervallen wiederholen, solange es dem Patienten besser geht und keine Verschlimmerungen erscheinen. Der Gedanke ist der, einen Rhythmus zu finden, in dem das Mittel wiederholt wird, um die Heilung zu beschleunigen, Rückfälle von Symptomen zu verhindern und keine Verschlimmerungen zu produzieren.

Wie man eine Heilung abschließen kann

Wenn Sie das Mittel über eine bestimmte Zeit wiederholt haben und es dem Patienten besser geht, verringern Sie die Wiederholungen des Mittels dementsprechend. Wenn all die Symptome verschwunden sind, beenden sie die Gabe des Mittels und warten darauf zu sehen, ob es irgendeinen Rückfall gibt. Wenn es keinen Rückfall gibt, ist der Patient geheilt!

Wenn es einen leichten Rückfall gibt, wiederholen sie das Mittel in längeren Intervallen, bis Sie meinen, dass es Zeit ist, wieder aufzuhören. Wenn dieses Mal kein Rückfall von Symptomen auftritt, ist der Fall geheilt. Mit der Wiederholung des Mittels, sollte der Patient besser aussehen und sich besser fühlen.

Wenn nach einer solchen Verbesserung  eine leichte ähnliche Verschlimmerung auftritt, ist dies ein Zeichen, dass der Patient keine weitere Behandlung benötigt. Wenn Sie mit dem Mittel aufhören, sollten die Symptome in einigen Stunden oder Tagen, je nach Situation, verschwinden.

Nach dem Entfernen der Symptome wartet der Homöopath darauf, zu sehen, ob der Patient völlig geheilt ist. Wenn es nach einem Zeitraum einen Rückfall von Symptomen gibt, fahren Sie fort, das Mittel zu geben, aber in immer längeren Intervallen, bis man es nicht mehr benötigt. Wenn man die medizinische Lösung richtig verwendet, sollte man zu keiner Zeit eine Verschlimmerung während des Heilprozesses sehen.

Wenn man es tut, gibt es mehrere Arten, die Gabe so einzustellen, um das Mittel für die Empfindlichkeit der Konstitution geeigneter zu machen.