Hahnemanns fortgeschrittene Methoden Teil 1: Hahnemannsche Homöopathie

Hahnemanns fortgeschrittene Methoden Teil 1: Hahnemannsche Homöopathie

Author: 
David Little

Vorwort

Hahnemanns fortgeschrittene Methoden ist einen Einführung in die revolutionären Arbeiten Samuel Hahnemanns seiner letzten 10 Jahre (1833-1843). Dieser Text liefert alle wesentlichen Informationen zur Verwendung der Techniken von medizinischen Lösungen von C und LM Potenzen. Diese Abhandlung ist an Homöopathen gerichtet, die ihre Studien der Homöopathie vertiefen möchten.

Hahnemanns fortgeschrittene Methoden ist ein sehr bedeutender Artikel über die Methoden der 4., 5. und 6. Auflage des Organon, der medizinischen Lösung und über die C und LM Potenzen. Nachdem wir die Prinzipien der Hahnemannschen Homöopathie besprochen haben, ist es Zeit, Hahnemanns fortgeschrittene Methoden der Dosierungskunde zu studieren.

Diese Arbeit führt in die Grundphilosophie der neuen Methoden ein und liefert eine Basis für klinische Studien. Solch ein Unternehmen kann natürlich nur von jenen ausgeführt werden, die in Homöopathie ausgebildet sind.

Eine ausreichende Kenntnis dieses Artikels ist sehr wichtig dafür, die medizinischen Lösungen und die Methoden der beschleunigten Heilung umzusetzen. Nehmen Sie sich Ihre Zeit, drucken Sie dieses Dokument aus und lesen Sie es gut.

Homöopathie

Die Homöopathie basiert auf den Lehren von Samuel Hahnemann, wie sie im Organon der Heilkunst aufgezeigt werden. Dieses Meisterwerk legt die vier Hauptmaximen der Homöopathie dar: die Ähnlichkeitsregel, das Einzelmittel, die minimale Gabe und das potenzierte Mittel.

Diese Prinzipien formen ein System von Kontrollen und Gleichgewichten, die die Ähnlichkeitsdoktrin zu einem sicheren und effektiven Modus Operandi machen. Sogar in der ersten umfassenden Arbeit über die neue Methode, die Heilkunde der Erfahrung (1805) waren diese vier goldenen Regeln bereits vorhanden. Dies ist die Essenz der Homöopathie.

Die erste Auflage des Organon der Heilkunst erschien im Jahre 1810 und um dieses Material zu aktualisieren, gab Hahnemann anschließend nachfolgende Auflagen in den Jahren 1818, 1824, 1829 und 1833 heraus. Die 6. und die letzte Auflage wurde kurz vor Hahnemanns Tod im Jahre 1843 beendet, aber sie blieb leider bis zu der deutschen Auflage von 1920 und der englischen Version von 1921 unveröffentlicht.

Diese Dokumente zeigen die Evolution der Homöopathie über 7 Ebenen der Entwicklung auf. Dies ist einer der Gründe, weshalb es so viele widersprüchliche Erklärungen gibt, die auf Samuel Hahnemann zurückgeführt werden. Nur durch ein sorgfältiges Studium der historischen Entwicklung der Homöopathie, können diese scheinbaren Widersprüche gelöst werden können.

 

Die 4. Auflage des Organon und die 1. Auflage der Chronischen Krankheiten

Die Homöopathie, so wie sie allgemein praktiziert wird, wurde in den späten 1820ern eingeführt. Diese waren Jahre des Wendepunktes für die Homöopathie, weil sie den Beginn der produktivsten Periode in Hahnemanns Karriere darstellen.

Die Chronischen Krankheiten, ihre eigentümliche Natur und homöopathische Heilung wurde im Jahr 1828 herausgegeben. Diese Arbeit enthielt neues Material über die Pathogenese von chronischen Krankheiten, die Materia medica und das klinische Fallmanagement. Die Chronischen Krankheiten wurde schnell von der Veröffentlichung der 4. Auflage des Organon (1829) gefolgt, das die homöopathische Philosophie, die Fallaufnahme und die Methodologie weitergehend erläuterte.

In diesen Grundlagenarbeiten führte Hahnemann die Theorie der Lebenskraft, die Doktrin der chronischen Miasmen und die immaterielle Potenz C 30 ein. Der Hofrat hielt einen Vortrag über unsere geistige Natur und die Dynamik der Lebenskraft, während er zu derselben Zeit das Tolle Causum (einseitige Ursache) und die Materia Peccans (die materialistische Basis der Krankheit) der orthodoxen Schulen widerlegte.

In seinem neuen Heilsystem werden psychologische und konstitutionelle Faktoren, die vollständige ätiologische Konstellation und die Zeichen und Symptome als Leitfaden für die Auswahl von Heilmitteln verwendet.

Die Einzelgabe

Über die folgenden fünfzehn Jahre ging Homöopathie durch eine ungeheure Umwandlung, da Hahnemann versuchte, sein System zu vollenden. In diesen Jahren wurden vier neue Auflagen der Chronischen Krankheiten (1830, 1835, 1837 und 1839) und die 5. (1833) und 6. (ca. 1842) Auflage des Organon geschrieben.

Während dieser Zeit führte der Meisterhomöopath mehrere neue Innovationen ein, die die Homöopathie näher zur Vollkommenheit brachten. Die 1. Chronischen Krankheiten und das 4. Organon sind Begleitbände, in denen Hahnemann die Verabreichung einer Einzelgabe von einem oder zwei mohnsamen großen Globuli lehrte.

Siehe § 242 der 4. Auflage des Organon.

"Solange also die fortschreitende Besserung auf eine zuletzt gereichte Arzneigabe dauert, so lange ist auch anzunehmen, daß wenigstens in diesem Falle, die Wirkungs-Dauer der helfenden Arznei noch anhält, und daher jede Wiederholung irgend einer Arzneigabe verbietet."

Derselbe Punkt wird auch in Aphorismus 245 betont.

"Selbst auch eine Gabe derselben, sich bis dahin so hülfreich bewiesenen Arznei, wird, eher wiederholt, als die Besserung in allen Punkt still zu stehen anfing – als Angriff zur Unzeit – den Zustand bloß verschlimmern können; denn schon die erste Gabe der bestgewählten Arznei wird nach Verfluß ihrer, der Beschaffenheit der Krankheit angemessenen Wirkungsdauer schon alles das Gute, schon alle die gewünschten Veränderungen ausgeführt haben, als diese Arznei überhaupt für jetzt vermochte – den für jetzt durch sie erreichbaren Grad von Gesundheit -, und eine nun abermals gereichte Gabe derselben wird diesen guten Zustand ändern, also verschlimmern müssen ..."

Hahnemann erinnert uns wieder am Ende dieses Absatzes:

"Man stört, mit einem Worte, die von der ersten Gabe erzeugte und noch zu erwartende Besserung, wenn die zweite Gabe desselben, auch ursprünglich wohlgewählten Heilmittels noch vor Verfluß der Wirkungsdauer der ersten gereicht wird, und verspätigt wenigstens hierdurch die Genesung."

Die Einzelgaben-, Wartezeit- und Beobachtungs-Methode

Diese Paragrafen führen die "Wartezeit- und Beobachtungs-" Philosophie ein, die eine Manifestation des Prinzips des minimalen Eingriffs ist, das ein weiterer wichtiger Aspekt der Maxime von der minimalen Gabe ist.

Wenn für den Leidenden nach der Gabe der ersten Dosis eines Mittels eine Besserung eintritt, dann sind alle Wiederholungen der Gabe völlig kontraindiziert. Nur wenn es einen klaren Rückfall der Symptome gibt, kann eine zweite Gabe von einem Mittel verabreicht werden. Diese Verfügung wurde eingeführt, um die Unterbrechung des Heilprozesses durch die vorzeitige Wiederholung des Mittels zu verhindern.

Hahnemann bemerkte, dass die vorzeitige Wiederholung einer Gabe sowohl häufig einen Rückfall von Symptomen, als auch zusätzliche Symptome (Nebenwirkungen) des Mittels bewirken konnte. Diese Mischung aus natürlichen - und Heilmittelsymptomen verwirrt das Bild und verlangsamt die Heilung. Deshalb sind klassische Homöopathen in Bezug auf die Wiederholung des Mittels sehr vorsichtig, bevor es nicht einen sicheren Rückfall von Symptomen gegeben hat.

Dies erfordert große Geduld, weil sogar während einer langsamen Verbesserung der Leidende auf einen Rückfall von Symptomen warten muss, bevor er eine weitere Gabe zu sich nehmen kann. Die C 30 Potenz hatte die Zeit der Heilung zwar verkürzt, aber der ganze Prozess dauerte immer noch zu lang.

Einige von Hahnemanns stärker begeisterteren Jünger übernahmen es, selbst mit Potenzen zu experimentieren, die deutlich über den bislang von ihm eingeführten lagen. Zu den Befürwortern der neuen höheren Potenzen zählten Dr. Schreter, General Korsakoff aus Russland und Jenichen aus Wismar.

Der Vater der Homöopathie war darum besorgt, dass ihre unorthodoxen Methoden der Arzneimittelzubereitung die pharmazeutischen Standards zerstören würden, die er im Jahr 1828 eingeführt hatte. Deshalb schrieb er Briefe an Schreter und Korsakoff, die empfahlen, dass alle homöopathischen Mittel nach den Methoden zubereitet werden sollen, wie es im Organon eingeführt wurde, und er bestand auf einer Potenzgrenze von C 30.

Zwei seiner nächsten Jünger, Dr. Stapf und Gross, waren Anhänger der neuen Hochpotenzbewegung, und sie nahmen still Einfluss auf den Alten Arzt, damit er seine eigenen Versuche durchführt. Die Ära der 4. Auflage des Organon kann "der Grenzenzieher" genannt werden, weil Hahnemann versuchte, die sich schnell ausdehnende Macht seines homöopathischen Systems zu kontrollieren.

Da er die Potenzen erhöhte, verringerte er gleichzeitig die Größe der Gabe von 1 Tropfen aus der Vorratsflasche auf nur 1 oder 2 mohnsamen große Globuli. Nach der Reduzierung der Größe der Gabe beschränkte er die Dosierungskunde ebenfalls auf die Einzelgabe und warnte vor einer voreiligen Wiederholung des Mittels.

Schließlich schlug er eine Grenze der Potenzhöhe auf C 30, hergestellt nach seinen pharmazeutischen Methoden, vor. Alle diese Regeln führte Hahnemann als Vorsichtsmaßnahmen ein, während er versuchte, die Schwierigkeiten zu überwinden, die immer noch in seinem System steckten.

Die neue Dosierungskunde

Hahnemann war mit den Posologie-Methoden und dem Fallmanagement nicht völlig zufrieden, die er in den späten 1820ern entwickelt hatte. Er wollte die “Einzelgaben-, Wartezeit- und Beobachtungs- Methode” verbessern, besonders bei beständig chronischen Krankheiten. Der alte Meister meinte, dass es eine effizientere Art geben müsste, seine Mittel zu verabreichen, also begann er eine neue Reihe von posologischen Versuchen.

Bereits zu Zeiten der Ersten Arzneimittelprüfer Union verwendete er wässrige Lösungen zur Verdünnung von Arzneimitteln, um ihre Stärke während Arzneimittelprüfungen zu kontrollieren. Dies im Sinn, beschloss er, Arzneimittelprüfungen in wässriger Lösung durchzuführen und die Ergebnisse mit der trockenen Gabe einer Einzeldosis zu vergleichen.

Samuel Hahnemann gab die 5. Auflage des Organon im Jahre 1833 heraus. Dies wurde von der Veröffentlichung der 3., 4. und 5. Auflagen der Chronischen Krankheiten 1835, 1837 und 1839 gefolgt.

In these twin manuscripts he developed the sixth level of the homoeopathic system. In aphorisms 285, 286, 287 and 288 he clearly states his view that the aqueous solution is far superior in every way to the use of dry pellets. This is the final outcome of many years of experimentation with both methods.

In diesen Doppelmanuskripten entwickelte er die sechste Ebene des homöopathischen Systems. In den Paragrafen 285, 286, 287 und 288 stellt er seine Ansicht eindeutig dar, dass die wässrige Lösung in jeder Beziehung der Verwendung trockener Globuli überlegen ist. Dies ist das letzte Resultat vieler Jahre des Experimentierens mit beiden Methoden.

Siehe § 286.

"Aus gleichem Grunde steigt die Wirkung einer homöopathischen Arzneigabe, je in einem größern Umfange von Flüssigkeit aufgelöst sie dem Kranken zum Einnehmen gereicht wird, obgleich der wahre innere Arzneigehalt derselbe blieb. Denn hier wird beim Einnehmen eine weit größere Fläche empfindlicher, die Arzneiwirkung annehmender Nerven berührt. Obgleich der Wahn der Theoristen in der Verdünnung einer größern Menge Flüssigkeit beim Einnehmen eine Schwächung ihrer Wirkung finden möchte, so sagt doch die Erfahrung, wenigstens bei dem homöopathischen Arzneigebrauche, gerade das Gegentheil."

Zu derselben Zeit bot Hahnemann ein weiteres kritisches Detail in der Notiz von § 287 an, die für die neuen Methoden wesentlich ist. Dies ist die Wichtigkeit der Verschüttelung der Arzneimittellösung direkt vor der Arzneimittelgabe auf dieselbe Art und Weise, wie man die homöopathische Dynamisierung bei der Herstellung der Vorratspotenzen verschüttelte.

In der Notiz zu diesem Paragrafen weist Hahnemann darauf hin, dass jede Verschüttelung von 1, 2, 3 bis 10 oder mehr, die Potenz der wässrigen Arzneimittellösung immer weiter steigert.

Von dieser Lösung werden ein oder mehrere Teelöffel dem Patienten, wann immer notwendig, als Gabe gegeben. Auf diese Weise bereitet der Homöopath eine mächtigere Lösung, die tiefer als die Trockengabe eindringt, doch gleichzeitig wirkt das Mittel sanfter auf  die Lebenskraft. Dies eine der Hauptmethoden dafür, die Gabe so einzustellen, dass sie zu der Empfindlichkeit der Konstitution passt.

Hahnemann wies den Weg in Paragraf 287, indem er die Homöopathen darum bittet, ihre eigene Erfahrung dafür zu verwenden, die Gabe so einzustellen, sodass sie zu dem Patienten passt.

Siehe Organon,

"... Hieraus wird man von selbst abnehmen, wie man mit Einrichtung der homöopathischen Arzneigaben zu Werke gehen müsse, wenn man ihre Arznei-Wirkung möglichst verkleinern will zum Behufe der empfindlichsten Kranken."

Die Arzneimittellösung muss eine entsprechende Anzahl von malen direkt vor Einnahme verschüttelt werden, um sie für die Empfindlichkeit des Patienten zu harmonisieren. Die empfindlichsten Konstitutionen bedürfen nur 1 oder 2 Verschüttelungen, wobei es sein kann, dass für die weniger Empfindlichen 10 oder mehr notwendig sein können, um eine Reaktion zu erhalten.

Als durchschnittliche Anzahl von Schüttelschlägen schlug Hahnemann in den Chronischen Krankheiten 5 oder 6 vor. Auf diese Weise kann die Gabe und die Potenz eingestellt werden, um zu der Empfindlichkeit der Konstitution zu passen. Diese Methode wird Einstellung der Gabe genannt und ist eine der größten Geschenke der 5. Auflage des Organon.

Hahnemann überarbeitet seine Ansichten

Hahnemanns Versuche mit medizinischen Lösungen führten zu einer Überprüfung der C 30 Grenze, die er für die Potenz in seinen Briefen von 1829 und 1832 setzte. Er wusste durch seine eigenen Versuche, dass die Hochpotenzmittel sehr mächtig waren, aber zu derselben Zeit sorgte er sich um die Verschlimmerungen, die sie verursachen konnten.

Er war auch um den Verlust an homöopathischen pharmazeutischen Standards besorgt, der gleichförmige Ergebnisse schwierig machte. Einige von Hahnemanns nächsten Jüngern waren enttäuscht und sprachen mit ihm über ihre Erfahrungen mit den höheren Potenzen. Sie erörterten das Für und Wider der Potenzfrage und ihre potentielle Wirkungen auf die Zukunft der homöopathischen Praxis und Pharmazie.

Nach gründlicher Überlegung beschloss Dr. Hahnemann, die Hochpotenzbewegung öffentlich zu unterstützen, aber mit einer bestimmten Vorsicht, ihren Gebrauch betreffen. In der 5. Auflage des Organon unterstützte Hahnemann die Hochpotenzbewegung öffentlich. In der Fußnote zu Paragraf 287 zeichnete er seine eigenen Erfahrungen von der Verwendung der 60., 150. und 300. zentesimalen Potenzen auf.

Die Tatsache, dass die medizinische Lösung und die Verwendung von Hochpotenzen zusammen im Organon eingeführt wurden, zeigt, dass Hahnemann hart daran arbeitete, um das homöopathische System zu perfektionieren. Mit der medizinischen Lösung meinte er das Werkzeug zu haben, um die Stärke der Ultrahochpotenzen zu kontrollieren.

Der Mittelweg [nach Hahnemann: ’Mittelstraße’; Anm. des Übersetzers]

Ein weiteres wichtiges Merkmal der 5. Auflage des Organon ist Hahnemanns Revision seiner Ansichten über die Wiederholung der Gabe. In der 4. Auflage umriss er die Gabe einer Einzeldosis und die Philosophie der "Wartezeit- und Beobachtungs-" Methode, die auch in der ersten Auflage der Chronischen Krankheiten zu finden war. In den Paragrafen 245, 246 und 247 der 5. Auflage des Organon führt Hahnemann ein, was er den Mittelweg in Bezug auf die Methoden der Mittelwiederholung nennt.

Hahnemann beginnt seinen Diskurs über die Dosierungskunde, indem er er die richtige Ansicht über die Gabe einer Einzeldosis klar stellte und wann sie für die Behandlung anwendbar ist.

Er beginnt seine neue Überprüfung in § 245.

"Jede merklich fortgehende und auffallend zunehmende Besserung in einer schnellen (acuten) oder anhaltenden (chronischen) Krankheit ist ein Zustand, der, solange er anhält, jede Wiederholung irgend eines Arzneigebrauchs durchgängig ausschließt, weil alles Gute, was die genommene Arznei auszurichten fortfährt, hier seiner Vollendung zueilt.Jede neue Gabe irgend einer Arznei, selbst der zuletzt gegebnen, bisher heilsam sich erwiesenen, würde in diesem Falle das Besserungswerk stören. "

Beachten Sie die Wörter auffallend zunehmende Besserung. Jederzeit, wenn es eine dramatische Reaktion auf die erste Gabe eines homöopathischen Mittels gibt, gibt es keinen Grund für eine Wiederholung, solange diese dynamische Wirkung voranschreitet. Wenn die Gabe unter diesen Bedingungen wiederholt wird, beeinträchtigt sie die dynamische Reaktion der Lebenskraft und unterbricht die Heilung.

Leider sind solche fabelhaften Heilungen nicht so sehr verbreitet, besonders von chronischen komplexen Krankheiten. Viele chronisch kranke Patienten fühlen sich unter dem Einfluss eines Konstitutionsmittel nur allmählich besser, über einen Zeitraum von Monaten bis Jahren. Was sollten wir tun, um die Heilung zu beschleunigen? Hahnemann wirft im Paragraf 246 Licht auf diese Situation.

Siehe Organon.

"Langsam hingegen fortschreitende Besserung auf eine Gabe von treffend homöopathischer Wahl vollendet zwar auch, wenn sie recht fein ist, zuweilen in ihrer ohne Anstoß fortgehenden Wirkungsdauer die Hülfe, die dieses Mittel überhaupt in diesem Falle seiner Natur nach auszurichten im Stande ist, in Zeiträumen von 40, 50, 100 Tagen. Aber theils ist dieß selten der Fall, theils muß dem Arzte, so wie dem Kranken viel daran liegen, daß, wäre es möglich, dieser Zeitraum bis zur Hälfte, zum Viertel, ja noch mehr abgekürzt, und so weit schnellere Heilung erlangt werden könnte.

Und dieß läßt sich auch, wie neuere, vielfach wiederholte Erfahrungen gelehrt haben, recht glücklich ausführen unter drei Bedingungen: erstens, wenn die Arznei mit aller Umsicht recht treffend homöopathisch gewählt war – zweitens wenn sie in der feinsten, die Lebenskraft am wenigsten empörenden und sie dennoch gehörig umstimmenden Gabe gereicht [Das Mittel soll mit einem, selten zwei Globuli in einer wässrigen Lösung zubereitet werden. Siehe Paragrafen 285, 286, 287 und 288. DL], und, drittens wenn eine solche feinste, kräftige Gabe der best gewählten Arznei in angemessenen Zeiträumen wiederholt wird, die von der Erfahrung als die schicklichsten ausgesprochen werden zur möglichsten Beschleunigung der Cur, doch ohne daß die zur ähnlichen Arzneikrankheit umzustimmende Lebenskraft zu widrigen Gegenwirkungen sich aufgeregt und empört fühlen könne."

Hahnemann wurde durch Fälle frustriert, die nur eine langsame Besserung zeigten, da es nach den Regeln der 4. Auflage des Organon keine Möglichkeit gab, die Heilung zu beschleunigen. Er war nicht damit zufrieden, auf den Rückfall von Symptomen warten zu müssen, bevor ein Mittel in einem sich langsam bessernden Fall wiederholt werden konnte. Dies führte dazu, dass die Heilung zu viel Zeit in Anspruch nahm. Dies führte den guten Arzt dazu, unzählige Versuche durchzuführen, weil er wusste, dass es einen besseren Weg geben muss.

Der Meisterhomöopath begann eine Versuchsreihe mit dem Ziel, die Hindernisse auf die Weise einer schnellen, sanften und dauerhaften Heilung zu überwinden. In der Bemerkung zu Paragraf 246 nennt Hahnemann seine Methode den "Mittelweg", weil er den den Arm der Waage zwischen der exklusiven Einzelgabe und der routinemäßigen Wiederholung der Mittel darstellt.

Die neue Maxime der Dosierungskunde gibt an, dass jederzeit, wenn die Erste Gabe eine bemerkenswerte Besserungs herstellt, vorübergehend keine weitere Arznei benötigt wird.

Andererseits, wenn die erste Gabe nur eine langsame Besserung herstellt, kann  das Mittel in geeigneten Intervallen wiederholt werden, um die Heilung zu beschleunigen.

Diese neue Methodologie kann nur durchgeführt werden, wenn das Mittel in einer medizinischen Lösung zubereitet wurde und in einer "getrennten Gabe" verabreicht wird. Wenn der Homöopath immer noch die trockene Streukügelchengabe anwendet, dann muss er den Regeln folgen, wie sie in der 4. Auflage des Organon vorgegeben werden. Dies bedeutet, dass der Homöopath nur dann ein Mittel wiederholen kann, wenn es einen deutlichen Rückfall von Symptomen gibt, selbst wenn es der Person langsam besser geht.

Als medizinische Lösung ist es jedoch möglich, dass das Mittel in geeigneten Intervallen wiederholt werden kann, solange sich der Patient ohne Verschlimmerungen bessert. Auf diese Weise kann die Heilung auf die Hälfte der Zeit oder weniger reduziert werden als sie mit der gewöhnlichen Methode der Trockengabe benötigen würde.

Dies sind einige Anordnungen zu den fortgeschrittenen Methoden im Gebrauch der zentesimalen Potenzen, wie sie in der 5. Auflage des 5. Organon enthalten sind. Diese Methodologie ebnete den Weg zu den Methoden der 6. Auflage des Organon und den LM Potenzen.

Eine Überprüfung von Hahnemanns Schriften zeigt, dass es wichtig ist, drei Faktoren zu verstehen, um die Gabe sicher zu wiederholen. Dies sind das Wesen des Mittels, ddas Wesen der Konstitution und das Wesen der Krankheit.

1. Das Wesen des Mittels.
Der Homöopath sollte die Muster der Mittelwirkung, Wirkungsdauer und -tiefe studieren. Im Allgemeinen haben ungiftige Pflanzenmittel eine kürzere Wirkungsdauer und eine sanftere Wirkung. Mineralische Mittel tendieren dazu, tiefer zu wirken, und sie besitzen eine längere Wirkungsdauer.

Die Mineralien, die auch über die Nahrung aufgenommen werden, tendieren dazu, relativ sanfter als die toxischen mineralischen Elemente zu wirken. Toxische Pflanzen, Mineralien und Nosoden tendieren dazu, mehr Sorgfalt für ihren Gebrauch in Anspruch zu nehmen, und der Homöopath sollte für beides, sowohl für die Potenz als auch für die Wiederholungdes Mittels eher konservativ sein.

2. Das Wesen der Konstitution.
Der Homöopath muss die physische Verfassung und die psychologische Veranlagung des Patienten und die Faktoren seiner Empfänglichkeiten studieren.

Die sich schnell bewegenden, nervösen, allergenen und gefühlsmäßig instabilen Typen sind dann normalerweise empfindlicher als jene, die sich langsamer bewegen, allgemein von nachsichtigerem Wesen sind. Der Zustand der konstitutionellen Empfindlichkeit sollte analysiert werden, wenn der Homöopath Verschlimmerungen und Komplikationen vermeiden soll.

3. Das Wesen der Krankheit.
Der Homöopath muss das Wesen der akuten und chronischen Krankheiten und ihre Zyklen wahrnehmen. Im Allgemeinen reagieren Störungen, die sich rasch entwickeln, hyperaktive Tendenzen besitzen, allergene Antworten und nervöse Reizbarkeit stärker als jene mit einem langsamen, zunehmenden und heimtückischen Wesen.

Jene mit fortgeschrittener Pathologie und einer geschwächter Vitalität sind in Bezug auf Mittel oft empfindlicher als jene mit funktionellen Störungen und durchschnittlicher allgemeiner Gesundheit.

Wenn der Homöopath diese drei Bereiche versteht, wird es ihm leichter fallen, die homöopathischen Mittel sicher und wenn erforderlich zu wiederholen.

Deshalb führte Hahnemann drei neue Enthüllungen in der 5. Auflage ein; die Einführung der höheren Potenzen, die Verwendung der medizinischen Lösung und, wenn erfordrlich, die Wiederholung von Mitteln in geeigneten Intervallen.

In dieser Hinsicht kann die 5. Auflage des Organon wirklich als "Der Aufheber der Begrenzung" bezeichnet werden, da Hahnemann die obere Grenze von C 30 für die Potenz entfernte, die mit der Trockengabe verbundenen Hindernisse überwand und die Einschränkung der Wiederholung des Mittels entfernte, wenn es notwendig ist, die Heilung zu beschleunigen.