Evidence Based Medicine auf der Grundlage von Krankenakten - V. Bönninghausens Artikel "Triduum homoeopathicum" Teil II"

Evidence Based Medicine auf der Grundlage von Krankenakten - V. Bönninghausens Artikel "Triduum homoeopathicum" Teil II"

Author: 
Luise Kunkle

Einführung

So unkompliziert, wie ich es mir gedacht und in den einführenden Abschnitten ausgedrückt habe, ist dieses Projekt leider doch nicht zu realisieren. Folgendes kann ich nicht berichten: v. Bönninghausen habe die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit veröffentlicht. In einigen der Fälle weicht die Veröffentlichung sogar ganz massiv von der Dokumentation ab, in anderen sind die Veränderungen mal mehr, mal weniger trivial.

Und das ist schade; denn auch die ungeschönten Dokumentationen zeigen einen hohen Grad von Effektivitiät seiner Behandlungen. Man kann zwar wahrscheinlich davon ausgehen, dass er die Auswahl seiner Fälle nicht, wie er sagte, dem Zufall überlassen hat, sondern die veröffentlichten 3 Tage so ausgesucht hat, dass sie besonders günstige Fallverläufe zeigen. Nichtsdestoweniger ist es doch die volle Wahrheit, dass er eine zeitlich aufeinanderfolgende Sequenz von Erstanamnesen gefunden hat, die seine Ansicht über die potenzielle Effektivität der Homöopathie bestätigen. Sie bestätigen sie nicht in dem Maße, wie er es in dem Artikel behauptet - aber wenn sie es getan hätten, wäre das wohl auch schon einem Wunder nahe gekommen. Man bedenke, was er da gesagt hat! Er hat behauptet:

Die Gesamtzahl der in den angegebenen drei Tagen zum ersten Male in die Behandlung genommenen beträgt: 28

[..]Es wurden vollständig hergestellt: 22

Keine Nachricht kam von 4.

Hätte ich mir die Mühe gemacht, seinen Artikel zu Ende zu lesen, bevor ich mit dieser Arbeit hier angefangen habe - ich wäre wahrscheinlich überzeugt gewesen, dass er von vorne bis hinten reine Erfindung ist und hätte nicht einmal weiter recherchiert; denn so etwas gehört in den Bereicht der Märchen, nicht in einen seriösen Artikel, den zumindest dieser hier sein soll -- Das wären 2 Fehlschläge in 24 Fällen gewesen, also eine sichere Erfolgsquote von ca 92%, eine mögliche von etwa 94%! In Wirklichkeit ist die Heilungsquote meiner Meinung nach ca. 75% - aber das kann nach den unten stehenden ausführlichen Belegen jeder Leser selbst entscheiden.

Aber auch für Leute, die an dieser spezifischen Frage nicht unbedingt interessiert sind, könnten die Fälle selbst interessant sein.

Ich habe alle von ihm veröffentlichte Fälle so weit transkribiert, wie er sie im Artikel besprochen hat, was in einer Reihe von Fällen nicht die gesamte Krankenakte ausmacht (viele der Patienten kamen später immer mal über kürzere oder längere Zeit wieder ).

In den Fällen, in denen er sich genau an die Krankenakten gehalten hat, werde ich dies lediglich anmerken.

In den Fällen, wo dem nicht so ist, werde ich die abgeänderten Stellen aus dem Artikel zum besseren Vergleich jeweils unter der Transkription anfügen, bzw. den Unterschied jeweils kurz erläutern.

Einige Fälle aus seinem Artikel sind jedoch so umfassend verändert worden, dass ich sie in ihrer Gesamtheit anfüge. Nachstehend zu den Fällen sind auch meine jeweiligen Bemerkungen dazu.

V. Bönninghausens Texte sowohl aus den Krankenakten als auch aus dem Artikel, sind schwarz und kursiv geschrieben, meine Anmerkungen in Normalschrift und blau. Meine Bewertungen, ob ein Fall erfolgreich, ungewiss, oder ein Fehlschlag war, sind farbkodiert in rot, grün und braun.

Die für das Verständnis der Krankenakten notwendigen Erklärungen habe ich an den Stellen gegeben, wo sie zum ersten Mal erforderlich sind. Sie sind in schwarzer Normalschrift.

Ganz von Anfang an hat v. Bönninghausen Änderungen an den Daten vorgenommen. Er schreibt in seinem Artikel - s. den ersten Teil des meinigen oben - dass die aufgeführten Fälle 3 konsekutive Tage umfassen, nämlich 17., 18., 19. April. Das stimmt so nicht. Die Fälle sind unter den Tagen 11., 12., 17. 18. April notiert. Da sie jedoch in der Tat in dem Krankentagebuch, einer gebundenen Kladde, direkt hintereinander, ohne jeglichen Zwischenraum, eingetragen sind, würde ich diese Abweichung als trivial ansehen. Den Grund dafür hat der Autor in seinem Artikel selbst gegeben: Er hatte Praxen in verschiedenen Orten, in jeder dieser Praxen arbeitete er einige Tage der Woche und in jeder von ihnen führte er eine eigene Kladde. Offensichtlich war er die 4 Tage zwischen dem 12. und dem 17. April in einer anderen Praxis. Dies hat er in dem oben als Grafik eingestellten Teil des Artikels so berichtet - offensichtlich wollte er ursprünglich das jeweilige Datum richtig vermerken, hat sich aber dann eines Anderen besonnen - und vergessen, die Erklärung, die im Artikel völlig zusammenhanglos erscheint, wieder raus zu nehmen.

Weiterhin hat v. B. einige Fälle, die in den Krankenakten vorkommen, nicht aufgeführt. Das waren Patienten, die ihn nur einmal konsultierten, wo er also zu dem weiteren Verlauf des Falles nichts sagen konnte. Diese habe ich auch nicht eingestellt, jedoch habe ich einen entsprechenden Vermerk gemacht.

Die Fälle

47

Fol.1

NAMEN: Wilh. Ernst

n. v.

Wohnort: Alter: 7 Tage

Allop. gebr.: Magn.


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

11. Apr.

1,2,3 Cham

Die Nr. 47 bedeutet die Nummer der Kladde, in der sich die Krankenakte befindet. Die Kladden sind fortlaufend numeriert.

Fol. bedeutet Seite.

n. v. bedeutet non vide, d. h. v. B. hat den Patienten nicht selbst gesehen.

allop. gebraucht: das sind die Mittel, die der Patient vor der Konsulation von anderen Ärzten bekommen oder evt. als Hausmittel genommen hatte.

Wo die Potenz nicht angegeben ist, bedeutet das C 30, trocken, 1 - 3 Globuli.

V. V.B. sagt dazu in dem Artikel, er habe Nachricht bekommen, dass es dem Säugling danach gut ginge. Da es aber in der Krankenakte nicht vermerkt ist, muss man man das Ergebnis offen lassen – vor allem deshalb, weil er sich eben nicht durch übertriebene Wahrheitsliebe auszuzeichnen scheint - milde gesagt. Abgesehen davon, stimmen Krankenakte und Artikel überein. Ungewiss.

47

Fol.2

NAMEN: Gertrud und Francisca Nottbrak

Wohnort: Amelsburen

Alter: 8 Jahre

5 Jahre

Krankheitsbild: Husten ohne Auswurf mit Neigung zum Erbrechen, nach Schlafen bei einem an der Schwindsucht gestorbenen Kinde von 14 Jahren. - Frost.

Allop. gebr.


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

12 Apr.

a. 5 T.

1,3 Puls.

2. Sulph

4. Ad.

Besser. - noch trockener Husten

24 Apr.

a 8 T.

1. Sulph.

2, 4. Ad.

3. Kali

[..] [Nur Francisca]

1855

29. Apr.

"a. 8 T." bedeutet, dass die Mittel in der Reihenfolge ihrer Nummerierung alle 8 Tage genommen werden sollen. Es ist anzunehmen, dass er jedes Pulver nur einmal gab. Im obigen Fall hätte die Patientin also am 12. April Puls genommen, am 20. Sulph, am 28. wieder Puls.

Ad. (manchmal Adyn) bedeutet Placebo.

Für uns ungewohnt und wahrscheinlich gewöhnungsbedürftig ist, dass die Fallaufnahme der Folgekonsulation in derselben Reihe der Tabelle wie das Datum und die Verschreibungen der vorhergehenden Konsultation steht. Wie in der Tabellenüberschrift ausgesagt, wird da die Wirkung der vorher gegebenen Arznei angegeben und etwaige neu aufgetretene Symptome des Falles - aber auch Symptome eines völlig neuen Falles desselben Patienten, die eventuell erst nach Monaten oder Jahren aufgetreten sind.

In dem obigen Fall und den nachfolgenden Fällen bedeutet das [..] in der letzten Tabellenspalte, dass in der Krankenakte dort die Symptome der nächsten Konsultation stehen, die aber nicht mehr zu dem veröffentlichten Fall gehören. In der dann nachfolgenden ersten Spalte bzw. den nachfolgenden ersten Spalten gebe ich noch zu Ihrer Information das Datum der nächsten Konsulation an.

Der veröffentlichte Fall stimmt weitgehend mit der Krankenakte überein und man kann ihn wohl als geheilt oder zumindest stark gebessert einstufen. Auf jeden Fall spielt bei den späteren Konsultationen von Francisca - 14 Jahre danach - ein Husten keine Rolle mehr. Erfolg.

47

Fol. 3

NAMEN: Sophi Wilta Strötker

Wohnort: Lengerich n. v.

Alter: 11 Jahre

Krankheitsbild: Fallsucht seit 5/4 Jahren, am meisten bei Nacht, nach Kitzeln im dem Munde, nachher wieder ganz munter, nur die Zunge steif.

Allp. gebr:Valer, Anistell, Kali ac. ??..??


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

12 PR.

a. 8. T.

1 Sulph.

2. N. vom.

3. Phosph.

4. Ad

Die Fallsucht nicht wieder bemerkt. - ein harter, stechender Drüsenkknoten am Unterkiefer

9 May

a. 8 T.

1. C. an.

2 - 4 Ad.

Der Fall stimmt völlig mit der Veröffentlichung überein und sollte wohl als - sehr schöne - Heilung eingestuft werden. Erfolg.

47

Fol. 4.

NAMEN: Friderich Wilhelm Hansiter

n. v.

Wohnort: Lengerich Alter: 56 Jahre

Krankheitsbild: Nach wiederholten Lungenentzündungen allop.. behandelt, nun Geschwulst des Gesichtes und Schwerhörigkeit. - dabei Krätze allop. geschmiert.

Allp. gebr:


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

12 Apr.

a. 5 T.

1,3 Caust.

2. Sep.

4. Ad.

ansehnlich gebessert, aber nicht fort.

9 May

a. 5 T.

1,3. Sep.

2. Caust.

4. Ad.

[..]

1843

9 May

V. Bönninghausen hat dazu in seinem Artikel geschrieben, die Nachbarn hätten ihm erzählt , der Patient sei jetzt wieder ganz in Ordnung. Das wird dadurch bestätigt, dass diese Symptome nicht mehr auftaucht sind, weder bei der nächsten Konsultation 1 Jahr später noch in weiteren bis 1845. Man kann den Fall also als Erfolg betrachten.

47

Fol. 5

NAMEN:Alwina Böcker

Wohnort: Münster Alter: 1 1/6 Jahre

Krankheitsbild:Röchelnder Athem früh beim Aufstehen und etwas Kurzäthmig, seit 4 Tagen. -- Husten ohne Auswurf. Speichelauslaufen.

Allp. gebr:


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

12 Apr.

a 3 T.

1,3 Cham

2. Sulph.

Ausschlag auf den Backen seit 8 Tagen, früh und Abends juckend.

7 Juni

a. 5 T.

1. Sulph

2. Calc.

3. Ad.

Vormitternacht viel husten. - der Ausschlag besser. - Viel Speichelfluß.

21

a. 5 T.

1. Merc.

2. Sulph.

3. Ad.

Ohrdrüsengeschwulst und Speichelfluß

11 Juli

a. 3 T.

1,3 Merc.

2. Hep.

Noch nicht ganz über

24 Juli

a. 3 T.

1,3 Bell.

2. Lach.

Nun Diarrhoe, bes. Abends, wie Schaum, mit Appetitlosigkeit

28 Aug.

a. 24 St.

1,3 Rheum

2. Cham.

Noch Diarrhoe, aber ohne Schaum, mit etwas Leibweh

11 Sept.

a. 3 T.

1,3 Sulph.

2. Ars.

beim Alten. - oft vergeblicher Stuhldrang.

18

a. 2 T.

1,3 Merc.

2. Sulph.

Nun noch Mastdarmvorfall

25 Sept.

a. 24 St.

1, Sep.

1,3. Ad

Noch der Mastdarmvorfall. - Abends schl. - ??..??

3 Oct.

1,3 Bry

2. Calc

Noch Mastdarmvorfall. - Abends Hitze, - jetz nun auf den Kopf gefallen

11 Oct.

a. 3 T.

1. Arn.

2. Lyc.

3. Ad.

[..]

1842

12. Feb.

Dieser Fall stimmt sehr wenig mit dem Artikel überein - ich habe die veröffentlichte Version deshalb unten hingestellt. Allerdings ist der Husten offensichtlich geheilt worden. Da er bis zum 11.Juni noch bestand, war er doch schon zumindest subakut, wenn nicht chronisch - und die Heilung zwischen dem 11. und 21. Juni - er wird weder dann noch später wieder erwähnt - ist durchaus als Erfolg zu werten.

Der Mumps und später die Diarrhoe/Mastdarmvorfall waren separate Fälle, wozu über die Jahre und Jahrzehnte (der letzte Eintrag ist 1865) noch manch andere Krankheiten kamen.

A. B. zu M., ein Mädchen von 15 Monaten, dessen beide Eltern schon mehrmals bei mir gegen chronische Beschwerden Hülfe gesucht und gefunden, hatte seit 8 Tagen, besonders früh beim Aufstehen, röchelnden Athem, Kurzathmigkeit, trocknen Husten, und Auslaufen vielen Speichels aus dem Munde. Ich gab am genannten Tage sogleich eine Gabe Chamomilla 3/30 auf die Zunge, und hinterließ noch zwei Pulver, nemlich Nro. 1 Sulph. C 30 2 globuli und Nro. 2 Chamom. 2/30, um dem Kinde diese Mittel in Zwischenräumen von je 3 Tagen zu reichen. Danach bessert es sich bald und das Mädchen war wohl bis zum 7. Juni, wo sich ein trockner Husten, besonders vor Mitternacht, und abermals Speichelfluß einstellte und wogegen ich eine Gabe Sulph. 3/30 und 5 Tage später eine Gabe Calc. carb. 2/30 mit dem Erfolge verordnete, daß der Husten sich verlor, der Speichelfluß aber nicht, und daß am 21. Juni dabei eine bedeutende Parotitis auftrat, welche nach dreien Gaben Merc. vivus, jede zu 2/30, in einem Paar Tagen, sammt dem Speichelfluß gehoben waren. Es blieb nun gut bis zum 28. August, wo eine heftige, mit Leibweh verbundene Diarrhöe sich einstellte, wogegen Rhoum, Chamomilla und Arsenic nichts nutzten, welche aber durch zwei Gaben Merc. viv. 2/30 und einer Zwischengabe Sulph. 2/30 bis zum 11. September gänzlich gehoben war. Es zeigte sich nun aber ein andres Uebel, nemlich Mastdarmvorfall bei jedem, sonst ganz normalen Stuhlgange, welcher durch eine Gabe Bryonia 2/30 und 2 Tage danach eine Gabe Calc. carb. 2/30 gehoben wurde.
Obwohl das Kind nun ganz wohl aussieht und nirgends etwas krankhaftes für den Augenblick daran zu bemerken ist, so glaube ich doch, daß das chronische Leiden noch nicht von Grund aus geheilt ist und späterhin noch Beschwerden anderer Art zu befürchten sind, denen man aber nicht eher begegnen kann, als bis sie sich offenbaren *).

47

Fol. 6

NAMEN: A. Mar. Overkamp

n. v.

Wohnort: Appelhulsen Alter: 46 Jahre

Krankheitsbild: Rheumatisches Hüftweh seit 4Wochen von Kaltwerden schlimmer. - Sie liegt zu Bette. - Abends am schlimmsten. -Bewegung schlimmer

Allp. gebr: v. E.


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

12 Apr.

a. 5 T.

1,3 Bry.

2. Coloc.

4.Ad

Vom Kaltwerden schlimmer

25 Apr.

a. 5 T.

1,3 Arn.

2,4. Rhus

Im Artikel sagt v. B. v. 25. April: „Diesmal war derErfolg besser, und mit dem letzten Pulverchen war sie von ihren Schmerzen befreit." Das ist in dem Krankenblatt nicht dokumentiert und wir müssen den Fall wohl als ungewiss buchen.

Fol. 7 hat. V. B. nicht in den Artikel eingeschlossen,.

47

Fol. 8

NAMEN:Hans Weissenfelt

Wohnort: Münster Alter: 22 Jahre

Krankheitsbild:Gesichtsausschlag nach (mit Merc. und Sulph) weggeschmierte Krätze vor 4 Jahren, im Clemens Hospital mit Magn. behandelt. - Verstopfung.

Allop. gebr:Merc. Sulph. Glaubersalz


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

12 Apr.

a. 5 T.

1. Bry.

2. Caust.

3. Ad.

Ausschläge Besserung

25 Apr.

a. 8 T.

1. Sep.

2. Caust.

3. Adyn.

Besserung fortgeschreitend. - Viel Herzklopfen Abends im Bette liegend.

16 May

a 5 T.

1. Calc.

2,3 Ad.

Das Herzklopfen besser, das andere schlimmer

31 May

a. 5 T.

1. Lyc.

2,3 Ad.

Hier ist wieder die Frage, ob man v. Bönninghausen glauben kann, wenn er im Artikel schreibt, "bis zum 15.Juni war das ganz Leiden geheilt und kehrte bis heute nicht wieder." Es gibt keine weitere Konsultation, die es direkt oder durch Schlussfolgerung bestätigt. Es ist möglich, dass der Patient nie wieder gekommen ist, weil alles gut war - aber eigentlich ist es wahrscheinlicher, dass es schlimmer geblieben ist, bzw. sich immer weiter verschlimmert hat und dass der Patient deswegen zu einem Nicht-Patienten wurde. Ich würde es von daher als Fehlschlag einstufen.

47

Fol. 9

NAMEN:Henriette Langen

Wohnort: (Münster) Riesenbeck Alter: 21 Jahre

Krankheitsbild:Übelkeit, bes. nach Frühstück und nach dem Essen, mit Erbrechen alles Genossenen, sowohl Speisen als Getränke, zuweilen mit saurem Geschmacke - Milchsuppe gar nicht zu vertragen. - Neigung zu Krustigem und Säuerlichem; Abneigung gegen Süsses und Mehlspeisen. - Wie ein Stein mitten in der Brust. - Verstopfung. Per. das letztemal ausgeblieben; überhaupt zu schwach, früher dabei Schwindel und Übelkeit. - Schwindel an starken Gerüchen und zwischen vielen Menschen. Spätes Einschlafen. Viel Frost. Bewegung schl.

Allp. gebr: v. E.


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

12 Apr.

a. 2 T.

1,3 Bry.

2. Puls.

Erbrechen bloß der festen Speisen nach dem Mittagessen; sonst vieles besser. - Nach dem Pulver No 2 kein Erbrechen

18

a. 2 T.

1,3 Puls.

2. Sulph.

Alles besser

24

a 3 T.

1,3 Sulph.

2. Puls.

Fortwährend besser. - Im hause Kopfweh.- Jetz Leibweh /.vielleicht die Periode im Anzuge

2 May

Selen

Nicht besser. - Sehr müde.

9 -

a 5 T.

1,3 Puls.

2. Sulph.

Früh saures Erbrechen. - Per. fehlt noch - sehr beschleunigter Puls.

23 -

a. 3 T.

Ars.

2. Ad.

Nun besser.

30 -

a 4 T.

1. Phosph.

2. Ad.

davon stark angegriffen

6 Juni

Ad. (??..??)

nun erheblich besser

13 Juni

a. 3 T.

Ad. (??..??)

Nun auch die Periode da und sehr wohl, nur noch sehr beschleunigter Puls

20 Juni

Puls

Fortwährende Besserung, nur der Puls, bes. von Bewegung, noch sehr beschleunigt.

27. -

1. Jod.

2. Ad

das gleiche

11 Juli

Ad.

desgl. - Per wieder da.

18 Juli

a. 8 T.

1. Phosph.

2,3 Ad.

Dies ist einer der Fälle, wo es eigentlich völlig unverständlich ist, warum v. B. ihn im Artikel verändert hat – es ist doch wirklich ein schöner Erfolg. Warum musste er ihn im Artikel in einen Fall von Tuberkulose im Endstadium umfrisieren - etwas, das er anscheinend in seinen Veröffentlichungen sehr häufig gemacht hat. Hier ist der Fall wie er in dem Artikel beschrieben ist:

H. L. aus R., ein 21jähriges Mädchen aus den höheren Ständen, war die letzte, aber zugleich gefährlichste Kranke, welche an dem genannten Tage zum ersten Male bei mir Hülfe suchte.
Sie war bis zu meinem Hause gefahren und hatte nur langsam und in mehren Absätzen die Treppe bis zu meinem Zimmer erstiegen *), fand sich aber schon von dieser geringen Bewegung so erschöpft, daß sie nicht sprechen konnte und sich erst eine Weile auf dem Sopha ausruhen mußte. Sie war schlank gewachsen, aber blaß und fast zum Gerippe abgemagert, mit eingefallener Brust, vielem trocknen Husten, beständigem Herzklopfen, äußerst beschleunigtem Puls und überhaupt das Bild eines sehr weit gediehenenen Phthysikers, so daß ihre Begleitung mich insgeheim versicherte, die Aerzte hätten keine Hoffnung mehr, und sie wendeten sich hauptsächlich nur deshalb zur Homöopathie, weil die Kranke die vielen Arzneien nicht mehr nehmen könne und wolle.
Außer dem Gesagten ergaben sich noch folgende Zeichen: - Schwindel von starken Gerüchen und zwischen vielen Menschen; nach dem Frühstücke und Mittagsessen Uebelkeit und Erbrechen alles Genossenen, sowohl Speisen als Getränke, zuweilen mit saurem Geschmacke; Milchspeisen waren gar nicht zu vertragen; Neigung zu Kräftigem und Säuerlichem; Abneigung gegen Süßes und Mehlspeisen; Verstopfung oft zu mehren Tagen, welches sich besonders in der letzten Zeit der allopathischen Behandlung sehr verschlimmert hatte; die Periode fehlt schon längere Zeit, war früher stets schwach und von Schwindel und Uebelkeit begleitet; mitten in der Brust liegt es ihr stets wie ein schwerer Stein; Herzklopfen und Athemmangel mit heftig schlagendem Pulse von der mindesten Bewegung sehr erhöht; spätes Einschlafen, und überhaupt wenig Schlaf, stets Frieren.

Es braucht wohl nicht gesagt zu werden, daß ich die Behandlung dieser Kranken nur mit sehr wenig Hoffnung auf Erfolg übernahm und jede Verantwortlichkeit um so mehr ablehnte, als ich die bisher gebrauchten Rezepte nicht sehen konnte. Ich halte es für Gewissenssache, bei solchen Fällen wenigstens den Angehörigen die Wahrheit zu sagen, wenn es auch rathsam ist, dem Kranken selbst Hoffnung zu geben.

Am genannten 17. Apr. erhielt sie zuerst zwei Gaben Bryonia 2/30 und eine Zwischengabe Pulsatilla 2/30, um davon jeden zweiten Tag ein Pulver zu nehmen. Der Erfolg dieser Mittel übertraf meine Erwartung und ließ einige Hoffnung auf Rettung bei mir aufkommen. Es war nemlich nach 8 Tagen Besserung in allen Erscheinungen, mit Ausnahme des beschleunigten Pulses, eingetreten und das Erbrechen fand nun nur noch nach dem Mittagessen statt, wo nicht das Flüssige, sondern bloß die festen Speisen noch weggebrochen wurden. Nach dem zweiten Pulver (Pulsatilla) hatte das Erbrechen zwei Tage lang ganz aufgehört. Ich reichte nun zwei Gaben Pulsatilla 2/30 und eine Zwischengabe Sulph. 2/30, alle zwei Tage ein Pulver, wonach die Besserung bedeutend fortzuschreiten schien und das Erbrechen ganz aufhörte. Am 2. Mai 2 Gaben Sulph. 2/30 und eine Zwischengabe Pulsatilla 2/30, alle 3 Tage ein Pulver, ebenfalls mit günstigem Erfolge; doch klagte sie über Kopfweh, besonders im Hause und über öfteres Leibweh. Demungeachtet ließ ich mich verleiten, am 9. Mai abermals zwei Gaben Pulsatilla 2/30 und als Zwischengabe Sulph.1/30 zu geben, weil diese Mittel so gut gewirkt hatten, jedoch mit der Vorsicht, daß nun alle 5 Tage ein Pulver genommen werden sollte. Indessen lautete der Bericht am 23. Mai nicht gut; es war überhaupt wieder schlimmer geworden; seit einigen Tagen hatte sich früh saures Erbrechen eingestellt, und die Beschleunigung des Pulses und die Schwäche war ebenfalls wieder vermehrt. Ich reichte daher an diesem Tage eine Gabe Arsenic 2/30, wonach wieder ansehnliche Besserung eintrat und am 30. Mai eine Gabe Phosph. 2/30, welche in den ersten 6 bis 7 Tagen die Kranke stark angriff **), aber keine neue Erscheinungen aufkommen ließ, so daß ich von der richtigen Wahl des Mittels überzeugt blieb und weder am 6. noch am 13. Juni etwas anderes, als jedesmal, zur Beruhigung der Kranken, ein Paar Milchzucker=Pulverchen reichte. Während der Wirkung dieser ungemein tief eingreifenden Arznei war in dem Befinden der Kranken eine so erfreuliche Besserung eingetreten, daß ich nun erst ihr selbst und ihren Angehörigen die Gewißheit einer vollständigen Genesung geben konnte. Bis auf den, immer noch beschleunigten, fieberhaften Puls, hatten sich nemlich nicht nur sämmtliche Beschwerden verloren, sondern auch die Periode war in der letzten Woche da gewesen, und hatte nur einige Beschwerden mit sich gebracht, welche auf Pulsatilla passen, weshalb ich meiner Kranken etwa am 20. Juni eine Gabe zu 2/30 reichte. Am 27. Juni erhielt sie nun eine Gabe Iodium 2/30, welche auf den Puls einigen bessernden Einfluß zeigte und am 18. Juli wieder eine Gabe Phos. 2/30, welche diesen letzten Rest ihrer schweren und gefährlichen Krankheit so vollkommen beseitigte, daß sie seitdem vollkommen wohl ist und sich gesunder befindet, als jemals früher. - Wahrlich, am Abende des 17. Aprils, als ich diese Kranke zuerst in meine Behandlung bekam, hatte ich wenig Hoffnung, sie in so kurzer Zeit und so vollkommen herzustellen.

47

Fol. 10

NAMEN:Theod. Vages
n.v.

Wohnort: Telzte Alter: 21 Jahre Krankheitsbild: S chwäche der Verdauung und Druck im Unterleibe, bes. im Liegen und Sitzen.

Allp. gebr: v. Erf. und sehr viel


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

17 Apr.

a. 3 T.

1,3 Puls.

2. Sulph.

Gefühl von Jucken oder Kitzeln im Oberbauche. - Fettes, Sauerkraut, Erbsen schaden

1 May

a. 4 T.

1. Jod.

2-4 Ad.

besser, aber noch Stechen um den Nabel und Druck im Unterleibe

14 -

a. 5 T.

1. Bry.

2. Jod.

3,4 Ad.

Nun noch Schwere im Unterbauche und schleimige Stuhlzwänge.

5 Juni

a. 8 T.

1. Phosph.

2-4 Ad.

Besserung

5 Juli

1. Jod

2-4 Ad.

Noch Drücken im Unterleibe und Magen von Milchpapp. - Feine Stiche und wie Geschwüre im Bauche.

8 August. 5 T.

1. C. veg.

2-4 Ad.

Noch Drücken und Schwere im Unterbauche. - Das Stechen und Geschwürschmerz fort. - Leibweh von gekochten ??..??

28 -

a 5 T.

1. Lyc.

2-4 Ad.

Oft saurer Geschmack der Speise und Unbehaglilchkeit im Magen.

19 Sept.

a 8 T.

1. Merc.

2. Sulph.

3. Calc.

4. Ad.

Nun besser; von 3 stark angegriffen. - Saurer Speichel. - von ??..?? Beben im Unterleibe.

18 Oct.

a 8. T.

1. M. magn.

2. Calc.

3,4 Ad

Besserung, aber noch Gefühl von Bewegung/ und Zittern im Unterleibe.

22 Nov.

[..]

[..]

Hier stellt sich wieder die gleiche Frage wie zuvor. In seinem Artikel steht:"leidet [..] an einem Unterleibsleiden, welches die ihn seither behandelnden Aerzte für Unterleibsschwindsucht erklärt haben" Wenn das richtig wäre, hätte v. B. es in den Krankenakten ohne jeden Zweifel vermerkt. Auch nach den Krankenakten ist dies ein Erfolg - aber es gibt keine Diagnose von Tuberkulose.

 

47

Fol. 11

NAMEN:Ther. Brüggemann

Wohnort: Glandorf Alter: 1/2 Jahr

Krankheitsbild: Gehirnentzündung nach zurückgetretenen Masern-Ausschlag, mit Überschlagen der Augen und Beissen in Bohren in dem Kissen und Konvulsionen. - (Vielleicht nicht mehr zu retten.)

Allp. gebr: Rhabarber


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

17 Apr.

1,3,5 Bell.

2,4 Hyosc.

das Kind lebt noch und bessert sich.

25 -

a 24 St

1,3,5 Hyosc.

2,4 Bell.

Viel besser. - Abends schreit dasKind gegen 6 Uhr Abends.

2 May

a. 3 T.

1,3,5 Bell.

2,4 Hyosc.

Offensichtlich ist auch hier nicht dokumentiert, dass - wie im Artikel gesagt - das Kind gänzlich wiederhergestellt wurde. Jedoch ist so große fortschreitende Besserung dokumentiert, dass man den Fall schon am 2. Mai als Erfolg ansehen muss - im Vergleich zu den vorherigen Symptomen sind ja wohl abendliche Schreianfälle mit rotem Gesicht bei einem 6 Monate alten Kind nicht sehr krankhaft.

 

Fol. 12 ist in dem Artikel nicht veröffentlicht

 

47

Fol. 13

NAMEN: Elis. Sellismeyer

n. v.

Wohnort: Lienen Alter: 3 1/2 Jahre

Krankheitsbild: Scrophulosis: Erst Eiterungam Halse und auf dem Rücken; - nun wie Lähmung derGlieder, schiefwerden der Beine, Nachtschweiß und trockener husten.

Allp. gebr:


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

17 Apr.

a. 5 T.

1,3 Sulph.

2. Merc.

4. Ad.

Nur der husten und der Appetit besser. - Kopfschweiß. - Nachtdurst.

8 May

a. 5 T.

1. Calc.

2 - 4 Ad.

danach Ausschlag und dann anschließend Besserung

7 Juni

a. 8 T.

1. Puls.

2. Calc.

3,4 Ad.

Der husten und Ausschlag fort. - Zur Vorsorgnis

17 Juli

a. 8 T

1. Puls.

2. Calc

3,4 Ad.

AAbgesehen davon, dass im Artikel gesagt wird, die Beine seien wieder gerade, stimmt dieser mit der Krankenakte überein, und der Fall ist ein Erfolg.

 

47

Fol. 14

NAMEN:Bern. Saarbeck

n. v.

Wohnort: Senderhorst Alter: 17 Jahre

Krankheitsbild: Lähmigkeit derBeine wegen Schmerzen in den Knien beim Gehen. - Nachts Anfälle von Zittern. (Seit 3 Jahren) - Nach der Blattern-Impfung entstanden.

Allp. gebr: v. E.


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

17 Apr.

a. 5 T.

1,3 Sulph.

2. Creos.

4. Ad.

Reissen in beiden Knien beim Gehen, im Sitzen besser, auchvon Kaltwerden. - Das nächtliche Zittern fort.

8 May

a. 5 T.

1. N. vom.

2,4 Ad

3. Calc.

Erst besser, dann wieder schlimmer

20 Juni

a. 5 T.

1,3 Cocc.

2,4 Bry.

Im Artikel sagt, v. B., dass er erfahren habe, der junge Mann könne jetzt problemlos "ganze Tage auf den Beinen bleiben". Es klingt wahrscheinlich, aber ohne Dokumentation müssen wir es wohl als ungewiss einstufen.

47

Fol. 15

NAMEN: Anna Mar. Gardes

Wohnort: Lohne bei Lingen Alter: 27 Jahre

Krankheitsbild: Seit 12 Jahren Fallsucht, oft im Jahre nur einmal zum Ausbruch kommen. - Vorher Dümmlichkeit im Kopfe und Mattigkeit in denGliedern, dies auch vor und bei der Regel. - Essen verschlimmert. - Per. schwach und oft ausbleibend.

Allp. gebr:


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

17 Apr.

a. 8 T.

1,3 Sulph.

2. Caust.

4. Sep.

Nun Leibweh und Durchfall, bes. nach Vizebohnen und Sauerkraut. - Auch fettes schadet.

11 Juni

a. 5 T.

1,3 Bry.

2. Puls.

4. Ad.

Kein Durchfall mehr, aber noch Leibweh,einen ganzen Tag dauernd.

31 Oct.

a. 8 T.

1,3 Puls.

2. Bry.

4. Ad.

Die Fallsucht noch nicht geheilt, sonst besser.

1842

2 März

a. 8 T.

1,3 Sulph.

2. Calc.

4. Lyc.

Ziemlich wohl gewesen

1843

Oct.

[..]

Die Fallaufnahme ist im Artikel identisch, aber der Fallverlauf und auch die Mittel stimmen nicht. Es ist auch schwer einzuschätzen, ob dieser Fall ein Erfolg war - die Aussage "ziemlich wohl gewesen" im Oktober 1843 ist da schwer einzuschätzen. Ich würde aber eher davon ausgehen, dass dies kein Erfolg war.

Und unten die Version im Artikel:

Am gedachten Tage (18. April) gab ich ihr vier Pulver, Nro. 1 und 3 Sulph. 2/30, Nro. 2 Caust. 2/30 und Nro. 4 Sep. 2/30, um alle 8 Tage davon eins zu nehmen. Sie kam erst am 11. Juni wieder, wo sie freudig berichtete, daß sie von ihrem früheren Leiden nichts mehr wisse, nun aber seit einigen Tagen an Durchfall mit Leibweh leide, besonders wenn sie Vizebohnen , Sauerkraut oder sehr Fettes genossen habe. Ich gab ihr nun zwei Gaben Bryonia 2/30 und eine Zwischengabe Pulsat. 2/30, und habe seitdem nichts wieder von ihr gehört.

47

Fol. 16

NAMEN:Carl Sch. Berizig

Wohnort: Sendenhorst Alter: 11 Jahre

Krankheitsbild:Nach 18 wöchentlichem Wechselfieber vor 3 Jahren immer kränkelnd, mit Ohrschmerzen und auch entzündeten und eiternden Augen. - Abends schlimmer. - Schwerhörigkeit. - In der Kirche, bes. vom Weihrauch,übel. Fettes schadet.

Allp. gebr: v. E.


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

17 Apr.

a. 5 T.

1,3 Puls.

2. Sulph.

4. Ad.

Besserung. - Ziehen um den Nabel nachmittags.-

8 May

a. 5 T.

1,3 Arn.

2,4 Puls.

Hier ist die Besserung der Hauptbeschwerden, für die der Patient Hilfe gesucht hatte, dokumentiert - Erfolg.

47

Fol. 17

NAMEN:AnnaMaria Stoffermann

Wohnort: Albersloh Alter: 36 Jahre

Krankheitsbild:Seit einem Jahre Reissen und Brennen imKopfe, früh schlimmer und im Freien, in der Ruhe besser. - Dickheit des Leibes und ??..PP nach oben, nachts. - Nachtheil von Gemüsen. Fleisch, Speck, Saurem. - Gliederreißen in der Ruhe nach Arbeit. - Abwechselnd Durchfall und Verstopfung. - Leichtes Schwitzen.

Allp. gebr:


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

17 Apr.

a. 5 T.

1. Rhus tox.

2. Sep.

3,4, Ad.

Viel besser. - Der Anfang war von Ärger mit stillem Verdruß.

8 May

a. 5 T.

1,3 Ignat.

2,4, Sulph

Erfolg schon am 8. Mai..

47

Fol. 18

NAMEN: Mar. Anna Hülshorst

n. v.

Wohnort: Altenberge Alter: 51 Jahre

Krankheitsbild: Nach dem harnen, heftige Stiche in den Geschlechtstheilen; bei Nervenfieber im vorigen Jahre verschwunden, dann wieder da; - im Ganzen seit einem Jahre. - Oft Frost. - Brausen in Ohren. - Schmerz der Fußnägel am linken Fusse. - Öfteres harnen. - ??..??

Allp. gebr:m. V.


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

17 Apr.

a. 3 T.

1,3 Ph. ac.

2. N. vom

4. Ad.

Wegen Verstopfung Chamomille in Klystir .- das vorige besser.

24 -

a. 2T.

1,3 Bryo.

2. Bell.

4. Ad.

Wieder Verstopfung und wenig besser. - Kollern im Bauche. - Heisses Aufstossen. - Abends schl.

1 May

a. 24 St.

1 -3 Op.

4. N. vom.

Der Stuhl jetz gut. - Nach dem harnen noch die Stiche.

8 -

a. 3 T.

1,3 Canth.

2. Ferr 3 g C 18

4. Arn.

Letzteres besser. - Nun verstopft und ??..?? im Leibe. - Herzklopfen früh mit Schweiß. Ungenügende Nachricht.

22 May

a. 3 T.

1,3 Ipec.

2,4 Arn.

Brennen in der Scheide nach dem harnen, bes.Nachmittags und Abends.

5 Juni

a. 3 T.

1. Op.

2. Puls.

3,4 Ad.

Stechen rings um die Scham nach dem harnen, bes. gegend Abends. - Mager, blaß. - Bewegungsgefühl bei und nach dem Essen.- Oft wehenartiger Schmerz.

14 Juni

a. 3 T.

1,3 Coloc.

2. Staph.

4. Ad.

Noch Ziehen imBauche zwischen Fellund Fleisch. ??..??

28 Juni

a. 4 T.

1. Seneg

2 -4 Ad.

Noch Stiche und Schmerzen im Leibe nach dem harnen. - Rother Bodensatz.-Brauner harn.

12 Juli

1,3 Chel.

2. S. ac.

4. Ad.

Nachmittags Brennen und Stechen nach harnen.

31 Juli

a. 5 T.

1,3 Rhus

2. Caps.

4. Ad.

Das Stechen minder, das Brennen in der Blase nicht. Zunahme von Kräften. - Nasenbluten oft.

21 Aug,

a. 5 T.

1. Calc.

2 - 4 Ad.

Besserung. - Noch Brennen in der Blase gegen Abend schlimmer, mit trübe, eiterigem harn.

13 Sept.

a. 5 T.

1. Lyc.

2 - 4 Ad.

Nun nach Erkältung wieder schlimmer und heftiger Fließschnupfen, mit Nasenbluten.

2 Oct.

a. 3 T.

1. Ars.

2,3 Ad.

4. Calc.

Besserung auch beim harnen. - Abwechselnd Frost und Hitze. n. v.

16 Oct.

a. 5 T.

1. N. vom.

2. Calc.

3,4 Ad.

Abends Stechen und Brennen, früh Brennen in der Scheide. - Eiteriger harn.

6 Nov.

a. 5 T.

1,3 Bell.

2. Ars.

4. Ad

Abwechselnd Frost und Hitze. - die harnbeschwerden noch wenig besser.

27 Nov.

a. 5 T.

[..]

[..]

Die Krankengeschichte geht weiter bis 1858, Konsultationen so alle 1 - 2 Monate. Zumindest das Brennen in den Genitalien kommt immer wieder vor. Also sicher keine völlige Heilung, auch nicht der ursprünglichen Beschwerden. Kein Erfolg. Und v. B. hat auch hier wieder geschummelt, denn er schreibt im Artikel: "[..] Darauf am 2. October wieder eine Dosis Calcar. Carb 3/30, die nach erhaltener Nachricht bereits alle Beschwerden ausgelöscht hat."

47

Fol. 19

NAMEN:Anna Clara Lanzipp

n. v.

Wohnort: Albersloh Alter: 70 Jahre

Krankheitsbild: Seit 14 Tagen halbseitige Lähmung nach vorgängigen heftigen Schmerzen, rechte Seite. - Schwindel und Kopfweh.

Allp. gebr:


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

17 Apr.

a.3T.

1,3 Cocc.

2. N. vom.

4. Ad

besser. - Schwindel vom Bücken; entzündete Augen - Schmerz im rechten Arm.

14 May

a.5 T.

1. N. vom.

2. Phosph.

3,4 Ad.

Hier kann man offensichtlich wieder nur ungewiss sagen.

Fol. 20 der Krankenakten ist wiederum ein Fall,den v. B. nicht in den Artikel aufgenommen hat .

47

Fol. 21

NAMEN:Cath. Mar. Lübke

n. v.

Wohnort: Lienen Alter: 24 Jahre

Krankheitsbild: Alle 8 Tagen starken Blutabgang. - Klopfen im Wirbel. - Früh schlimmer.

Allp. gebr:


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

17 Apr.

a. 5 T.

1. N. v.

2. Sulph.

3. Calc.

4. Ad.

Der Fall ist wieder ungewiss.

47

Fol. 22

NAMEN:Hendr. Imhorst

n. v.

Wohnort: Feldhausen Alter: 56 Jahre

Krankheitsbild:Benautheiti n der brust, früh schlimmer,mit husten mit vielem Auswurf und Stössen in der Stirn. - Abends Geschwulst der Unterschenkel. -Vollheit in der brust. - ImWinter schlimmer. -- (Nach zugeheilten Fußgeschwüren entstanden)

Allop. gebr:


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

17 Apr.

a. 8 T.

1, Psor.

2,4. Sulph.

3. Merc.

Wenig besser. - Ausschlag bekommen. - Brustbeengung vom Gehen.

30 May

a. 8T.

1,3 Ars.

2. Sulph 1 g C 60

4. Ad.

Nun ansehnliche Besserung, nach entstandem starken Ausschlag - Blutige Stühle

4 July

1. Phosph.

2-4 Ad.

V. B. schreibt in dem Artikel dazu, dass der Patient - den er nur von einem Brief her kannte, die blutigen Stühle in seinem ersten Brief nicht beschrieben hatte, was auch mit dem Krankenblatt übereinstimmt. Der ursprüngliche Fall war also am 4. Juli so sehr gebessert, dass man ihn als Erfolg einstufen kann.

47

Fol. 23

NAMEN: Heinr. Meyer

Wohnort: Lengerich Alter: 32Jahre

Krankheitsbild:Seit 3 Jahren phtysischer Husten früh mit vielem Auswurfe und Brustschmerz, wie drücken. - Bandwurm - Beschwerden. Früh schlimmer, bes. vor dem Frühstück. -Tagesschläfrigkeit. - Leichtes Schwitzen, bes. auf der Brust. - Jucken in der Brust. - ??..?? Staub im Halse.

Allp. gebr: v. E.


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

17 Apr.

a. 8 T.

1, Sulph.

2. Calc.

3,4 Adyn

Besserung, aber nicht fort

15 May

a.8 T.

1. Phosph.

2 -4 Ad.

geheilt.

Dieser Fall ist im Artikel genau so wiedergegeben wie im Krankenblatt dokumentiert. Erfolg - eindeutiger geht es nicht.

47

Fol. 24

NAMEN: Ernst Horstmeyers

Wohnort: Lienen Alter: 27 Jahre

Krankheitsbild:Seit 6 Wochenentzündete, schrundende Augen, die jetzt gebessert sind, aber noch nicht ganz gut mitverminderter Sehkraft, wie Nebel vor den Augen, Früh und im Freien, bes.imSonnenschein , schl. Früh beim Aufstehen Schmerz der Oberschenkel, wie steif. - (die Jugend Krätze)

Allp. gebr:


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

17 Apr.

a. 5 T.

1. N. vom.

2. Sulph.

3. Calc.

4. Ad.

Offensichtlich ungewiss

Nr. 25 ist wiederum in dem Artikel nicht erwähnt .

47

Fol. 26

NAMEN: Mar. Cath. Plünsener

n. v.

Wohnort: Hiddingsel. Alter: 56 Jahre

Krankheitsbild: Das linke Auge von Jugend auf blind, das rechte nun mit einer ??..??darauf und nun das Gesicht fast ganz fort. - Gliederreissen Abends und abendliche Geschwulst der Füsse. Abends Schwindel.

Allp. gebr:


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

18 Apr.

a. 5 T.

1,3,5 Cann.

2,4 Puls

ungewiss

47

Fol. 27

NAMEN: Joh. Henr. Schmiemann

Wohnort: Hangenau bei Baldern Alter: 51 Jahre

Krankheitsbild: Seit einem Jahre heftiges Husten von Bewegung schlimmer, mit Benautheit vom Liegen auf der Seite, auf dem Rücken besser. - Viel geschmackloser Auswurf, bes. früh. - Beim husten Brustschmerz und Hitze um den Nabel, der sich einzieht. - Viel Durst. Im Sitzen Reissen in den Beinen.

Allp. gebr: v. E.


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

18 Apr.

a. 5T.

1,3 N. vom

2. Rhus.

4. Sulph.

Viel besser. - Abends sehr müde,und im Sitzen Benautheit auf der Brust.

8 May

a. 5 T.

1,3 Puls

2. Bry.

4.Ad.

Wieder wie oben

1842

8 Jan.

a. 5 T.

1,3 N. vom.

2. Sulph /60

4. Ad.

Nun wieder wie oben

1844

14. Feb.

a. 5 T.

[..]

[..]

Das stimmt nicht mit dem Artikel überein. Dort sagt er zwar vom 8. Mai richtig, dass es sich gebessert habe. Aber dann schreibt er: "Ich gab ihm [..], welche hinreichten, um auch diesen Krankheitsrest völlig fortzunehmen." - Dennoch muss man einen Erfolg konstatieren - es ist anzunehmen, dass der Patient immerhin 9 Monate Ruhe hatte, und das "wieder wie oben" sollte man wohl als Status vom 8. Mai ansehen, also nach der doch großen Besserung.

Fol.28 ist wieder nicht im Artikel eingeschlossen .

47

Fol. 29

NAMEN: Elisab. Ahmerkamp

n. v.

Wohnort: Ostbeveren Alter: 25 Jahre

Krankheitsbild:In den Wochen, seit 5 Wochen krank, nun entzündete Brüste und eiternde Brustwarzen. - Knoten in der Brust. - Verstopfung. - Ausschlag auf dem ganzen Leibe, welcher roth ist.

Allp. gebr: m. V.


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

19 Apr.

a. 24 St.

1. Acon.

2. N. v.

3. Phosph.

4,5 Ad.

Die Brust durch. - Ziehen in den Beinen. Abends schlimmer.

24 -

a. 24 St.

1,3 Bry.

2,4 Puls.

5. Ad.

Frost beim Aufstehen. - Ausschlag noch da. - Die Brust besser. - Viel Milch

1May

a.5 T.

1. Sulph.

2,4 Ad.

3. Calc.

Auch das ist als Erfolg anzusehen. Wenn auch die Aussage im Artikel "Nach 3 Wochen [nach dem 1. Mai] war die Frau wieder ganz gesund und blieb es bis zur heutigen Stunde" nicht bestätigt ist, so ist doch die Brustentzündung besser geworden und wahrscheinlich ausgeheilt - bei einem Rückschlag hätte die Patientin mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder eine Botschaft geschickt. Brustentzündung während der Stillzeit war zu der Zeit eine noch ernstere Sache als heute. Alternativen zum Stillen waren - wo keine Amme vorhanden - nicht gerade säuglingsfreundlich!

47

Fol. 30

NAMEN: Ther. Vogelsang

Wohnort: Westbeveren Alter: 5 Jahre

Krankheitsbild: Seit 2 Monaten Husten mit Auswurf, zuweilen mit Blut. -Abends schlimmer und sehr kurzäthmig.- Der Körper sehr mager bei dickem Gesichte. - Oft und jedesmal wenig trinken. - Weicher stuhl. - Hitze im Bette. - Eine Art Keuchhusten.

Allop. gebr: v. E. allerlei Hausmittel.


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

19 Apr.

??..??

1,2 Ipec.

3. N. vom.

4. Sulph 60

Etwas besser. - Noch viel husten. - Noch durst. - Abends schlimmer

24 --

a. 3 T.

1,3 Bell.

2. Sulph

4. Ad.

Im Artikel schreibt v. B. von einer "ansehnlichen" Besserung am 24. 4 - das wird jedoch durch das Krankenblatt nicht bestätigt. Bestätigt (allerdings auch nicht falsifiziert) wird auch seine Äußerung nicht, dass das Kind nach 8 Tagen wieder völlig gesund gewesen sei. Daher: ungewiss.

47

Fol. 31

NAMEN: Joh. Mees

Wohnort: D. Steinfurth Alter: 44

Krankheitsbild:Schwäche der Verdauung und diarrhoe nach Ärger, mit Rückenschmerzen. - In der Ruhe schlimmer, in Bewegung besser. - Fettes und Schweinefleich, auch Oel schadet am meisten. - Kaffee schmeckt bitter. - Nachheftigem Ärger sehr verschlimmert.

Allp. gebr:


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

19 Apr.

a. 3 T.

1 a Cham

1,3 Puls

2. Bry.

Nun durchfall mit heftigem durst sei 14 Tagen

1847

20 May

47

Fol. 32.

NAMEN:Friderike Schraube

Wohnort: Hamm Alter: 32 Jahre

Krankheitsbild: Aufstossen seit 12 Wochen, mit lautem Ton, und Schleim-Auswurfe, in der Ruhe besser, von der mindesten Bewegung erregt, mit Brennen zwischen den Schulterblättern. - Per. stark. - Grosse Angst und schreckhaftigkeit. - Wein und Branntwein schadet. - Im Liegen auf dem Rücken besser.

Allp. gebr:


Datum

Ordination

Erfolg und neue Zeichen

1841

19 Apr.

a. 3 T.

1,3 Bry.

2. Puls.

4. Sep.

das Aufstossen dasselbe. - Schrunden und Wundheitsschmerz im Schlunde, am schlimmsten ausser dem schlingen. - Aufstossen bei Berührung des Halses. - Mastdarmvorfall

3 May

a. 3 T.

1,3 Ignat.

2,4 Lach.

Noch wenig Änderung.

15 May

a. 5 T.

1,3 Sulph.

2. Calc.

4. Ad.

Nicht besser. - In der Ruhe ist es gut. - Reissen im Gesichte und im Nacken. - In der Ruhe Zucken im Rückgrat.

6 Juni

a. 8 T.

1,3 Petr.

2,4, N. vom.

Der Artikel ist zwar auch nicht genau wie das Dokument, jedoch sind die Änderungen eher trivial und eine Abschrift lohnt sich nicht. Darin meint v. B. zwar, dass es ungewiss sei, wie es weiterging, obwohl er gehört hätte, es sei besser¸ aber wir müssen es wohl als Kein Erfolg einstufen.

Auswertung

Das sind die Fälle, die v. B. innerhalb des "Triduum" veröffentlich hat plus einigen, die er ausgelassen hatte. Auf jeden Fall sind es die Fälle, bei denen er an 4 aufeinander folgenden Tagen in einer seiner Praxen, die Erstaufnahme gemacht hat.

Wir können sie also jetzt auf den Erfolgsquotienten hin untersuchen.

Es waren 32 Fälle. Davon waren 14 erfolgreich, 4 waren Fehlschläge, 14 ungewiss.

Das Problem sind die "ungewissen" Fälle. Sie sind ja deshalb ungewiss, weil die Patienten nicht mehr wiedergekommen sind und man den Grund nicht weiß. Passiert in der täglichen Praxis laufend, wie wir alle wissen.

Es passiert aber auch bei klinischen Studien, dass Probanden abbrechen. Sie werden dann meist von der Ausgangszahl abgezogen .

Wenn wir hier diese Fälle abziehen, dann bleiben 18 Fälle, bei denen 14 erfolgreich behandelt wurden, bei 4 zeigte sich kein Erfolg.

Man kann also eine dokumentierte Erfolgsquote von 75% annehmen.

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Luise Kunkle