Dr. Jan Scholten - Interviewt von Dr. Manish Bhatia

Dr. Jan Scholten - Interviewt von Dr. Manish Bhatia

Author: 
Manish Bhatia

Liebe Freunde, heute haben wir bei uns auf dem 'heißen Stuhl' den 'elementarsten' der zeitgenössischen Homöopathen – Jan Scholten! Man muss Jan nicht vorstellen, aber ich würde doch gern vorweg noch sagen, dass er ein Pionier ist, der umfangreiche Forschungen bezüglich des Periodensystems gemacht und viele Bücher geschrieben hat, wie Homöopathie und Minerale, Homöopathie und die Elemente, Repertorium der Elemente, Geheime Lanthanide, etc. Er hat auch die Stiftung 'Stichting Alonnisoss' gegründet, die die Homöopathie durch die Veröffentlichung von Büchern, sowie durch die Organisation von Seminaren, Forschungsförderung und Unterstützung von homöopathischen Zentren fördert.

MB: Jan, willkommen bei Hpathy! Es ist wunderbar, Sie heute bei uns zu haben. Ich freue mich auf ein anregendes, aufregendes und erhellendes Gespräch mit Ihnen. Aber vorher würde ich dieses Interview gern ein wenig informell beginnen. Ich hoffe das ist Ihnen recht.

Fast jeder in unserer Gemeinschaft kennt heutzutage Ihre Arbeit. Aber nur sehr wenige von uns wissen etwas über den 'Menschen' hinter dem Namen und der Arbeit. Können Sie uns etwas über Ihre Kindheit und Jugend erzählen? Vielleicht entdecken wir dann 'den Mann' hinter der Sache!

JS: Über meine Jugend gibt es nichts Besonderes zu berichten. Ich bin in einer kleinen Stadt im Süden der Niederlande aufgewachsen. Wie jeder andere auch, ging ich zur Schule. Es gibt eine Tendenz zur Medizin in meiner Familie: mein Vater war Tierarzt, zwei Brüder sind Tierärzte und mein dritter Bruder ist Allgemeinarzt.

Das besondere ist eher innerlich. Ich habe mich immer mit dem Leben und den Menschen beschäftigt, was sie umtreibt. Ich habe immer nach dem Wesen des Lebens gesucht. Vielleicht ergab deshalb ein Test, dass ich Biochemie studieren sollte, also begann ich damit. Die Prüfer entdeckten mein Interesse für die Wissenschaft und das Leben und kombinierten das in der Biochemie.

Später stellte sich aber heraus, dass die Biochemie für mich zu "tot" war. Es mangelte ihr an Leben, an Lebensessenz. Also fiel ich fast ins andere Extrem und studierte Philosophie. Aber nach einigen Jahren entdeckte ich, dass die Professoren sich mehr für nette Theorien interessierten, als dass sie sich wirklich mit dem Wesen des Lebens beschäftigt hätten. Also ging ich wieder.

Danach studierte ich dann Medizin. Die Theorie war nett, aber die Praxis fühlte sich oft nicht gut an. Ich hatte häufig das Gefühl, den Patienten würde es besser gehen, wenn sie nicht im Krankenhaus wären. Mir hätte es nicht gefallen, was man so mit den Patienten anstellte. Besonders in den Krebskliniken war das der Fall. Ich fragte auch einige Krebsspezialisten, ob sie so behandelt werden wollen würden, und die meisten verneinten das. Vielleicht war ich zu kritisch, aber das war lange bevor ich die Homöopathie entdeckte.

Nach meinem Abschluss beschloss ich, Allgemeinarzt zu werden, weil ich aus den oben genannten Gründen definitiv nicht in einem Krankenhaus arbeiten wollte. In dieser Zeit belegte ich einige Kurse in alternativer Medizin: Akupunktur, Orthomolekularmedizin und später Homöopathie. Ich wählte die Homöopathie zuletzt, weil ich glaubte, sie sei zu abgefahren. Aber als ich mich damit beschäftigte, entdeckte ich, dass es sich wirklich um Medizin handelte. Die Geschichten von Patienten, die sich wieder jünger fühlen, die ihr altes Selbst zurückkehren fühlen – das ist Heilung.

Seitdem habe ich nur als Homöopath gearbeitet. In der Homöopathie kam alles zusammen, es war wie ein Heimkommen. In der Homöopathie findet man, was die Menschen bewegt, wie ein Körper funktioniert und auf Stress reagiert, wie er seine Probleme ausdrückt. Die Homöopathie ist auf gewisse Weise eine Kombination aus Medizin, Psychologie, Mythologie, Physik, Philosophie und Soziologie. Sie umfasst gewissermaßen alle Wissenschaften.

MB: Ich habe von so vielen Menschen das gleiche über Krebsbehandlungen gehört. Ich frage mich, warum die derzeit gültigen Chemotherapie- und Strahlentherapieprotokolle erlaubt sind. Wie dem auch sei, wie war Ihre erste Begegnung mit der Homöopathie? Welche 'Art' von Homöopathie erfuhren Sie zuerst?

JS: Ich richtete mich nach der klassischen Schule, basierend auf den Ideen von Künzli und Kent.

MB: Fühlten Sie sich zum Beruf des Homöopathen wegen der Philophie hingezogen, oder begegneten sie früh einer dieser Wunderheilungen während Ihrer homöopathischen Ausbildung?

JS: Ich las von den Wunderheilungen in der Literatur. Das war es, was mich anzog.

In meiner Praxis hatte ich zu Anfang keine Wunderheilungen, wie man es manchmal von anderen Homöopathen hört. Ich musste recht stur meinen Weg gehen, denn meine ersten Ergebnisse als Homöopath waren nicht so zufrieden stellend. Oder vielleicht war mein Anspruch zu hoch.

MB: Gab es Widerstand seitens der Familie, als Sie diese unkonventionelle Richtungsänderung machten?

JS: Nein. Ich traf einfach meine Wahl.

MB: Worin bestand ihre frühe homöopathische Ausbildung? Gingen Sie auf eine Vollzeitschule oder hatten Sie einen persönlichen Mentor? Wer waren Ihre ersten Lehrer und wie beeinflussten ihre Lehren Sie auf Ihrem Weg als Homöopath?

JS: Ich studierte in der SHO, der Schule für Homöopathische Ärzte in Holland.

Ich besuchte auch viele weitere Seminare und Kurse: in Frankreich bei Dolisos, in Spiekeroog ein Seminar mit Künzli, viele Seminare bei Alphons Geukens und George Vithoulkas.

MB: Künzli, Geukens, Vithoulkas … das sind alles großartige Lehrer. Gab es etwas in ihren Lehren, dass Sie dazu brachte, Neuland zu erforschen … etwas, dass Sie veranlasste sich Fragen über die 'natürliche' Beziehung zwischen Arzneimittelquellen zu stellen, insbesondere über die Minerale?

JS: Das einzige, das mich vorwärts trieb war, dass der Unterricht unzureichend war. In den ersten 5 Jahren nahm ich einfach alles auf, was es so in der homöopathischen Welt gab, alle Arten von Ideen, Theorien und Materia Medica.

Aber danach konnte ich die Mehrheit meiner Patienten immer noch nicht heilen. Jedes Seminar gab mir etwas, aber kein vollständiges Konzept, um jeden zu heilen. Das Ähnlichkeitsgesetzt funktioniert jedoch nicht nur manchmal. So wie es formuliert ist, heißt es, dass man jeden mit dem Simillimum heilen kann. Die Zeit wird zeigen, ob das stimmt, aber was mir ins Auge fiel war, dass jedes neue Mittel mir ermöglichte ein oder zwei weitere Patienten zu heilen. Ein logischer Schritt war für mich also zu denken, mehr Mittel zu lernen bedeutet, mehr Patienten heilen zu können, das stimmt mit dem Ähnlichkeitsgesetz überein.

Als ich die Homöopathieausbildung begann, folgte ich den Lehren von Kent und Künzli, die sich auf ungefähr 50 Polychreste konzentrieren, die fast jeden heilen müssten, aber das entsprach nicht meiner Erfahrung. Im Gegenteil, die besten Ergebnisse hatte ich mit so genannten "kleinen" Mitteln.

Mir wurde bald klar, dass im Prinzip jede Substanz ein Arzneimittel ist. Denn jede Substanz führt zu einer Vergiftung, wenn sie nur in genügend großer Menge eingenommen wird. Es gibt tausende von Salzen, aber die Homöopathie verwendete nur ein paar hundert. Es gibt über 250.000 Pflanzenarten. Höchstens 1000 davon sind in der Homöopathie bekannt, die Mehrheit davon nur zu einem kleinen Teil. Es gab also eine riesige Lücke.

Was mich vorantrieb waren die "ungeheilten" oder "unheilbaren" Patienten. Wenn die normalen Mittel nicht wirken, wird es ein "unnormales" vielleicht tun. Ich machte eine Art Regel daraus: "in einem unbekannten Fall muss man ein unbekanntes Mittel verschreiben." Dies ist eine direkte Folgerung aus dem Ähnlichkeitsgesetz.

MB: Als ich zum ersten Mal Ihre Bücher Homöopathie und Minerale und Homöopathie und die Elemente las, war die Tatsache, dass es so viele Lücken in unserem Periodensystem gibt, eine bedeutungsvolle Erkenntnis für mich. Wann und wie kamen Sie darauf, das Mineralreich zu erforschen, um diese Lücken zu füllen?

JS: Wie schon gesagt, mir wurde bald klar, dass jede Substanz ein Mittel ist. Die Lücken im Periodensystem waren also auch nur Mittel. Das Problem war, sie kennen zu lernen. Prüfungen waren eine Möglchkeit, aber dafür braucht man eine Menge Zeit. Und meine Patienten wollen nicht gern 3 oder 5 Jahre warten.

Zuerst schaute ich mir die Analogien an, z.B. zwischen Aurum, Platin, Plumbum und Mercurius, da sie in der gleichen Reihe sind. Die Symptome, die sie gemeinsam haben, müssen sich auch bei Iridium und Tungsten finden, die sich auch in der 6. Reihe, der Goldserie, befinden.

MB: Warum füllten Sie die Lücken synthetisch, anstatt systematisch Prüfungen durchzuführen?

JS: Prüfungen dauern zu lange. Hahnemann hat durch harte Arbeit in seinem Leben 100 Mittel erarbeitet. Das Periodensystem hat 100 Elemente und kombiniert mit 10 oder 20 Salzen ergibt das 1000 bis 2000 Mittel. Da braucht man schon 10 Leben, um die alle zu prüfen.

Der zweite Grund ist, dass man dadurch nicht viel versteht. Die meisten Prüfungen ergeben einen Haufen Symptome, die gar nicht zusammen zu hängen scheinen. Solch eine Materia Medica ist schwer zu lesen und es ist noch schwerer, sich so etwas zu merken. Wenn man ein paar Seiten davon bei einem Seminar vorliest, sind alle innerhalb von 2 Minuten gelangweilt.

Arzneimittel haben jedoch einen Zusammenhang. Die Symptome sind zu Themen verbunden und ergeben eine Essenz. Diese zu lernen, macht die Mittel verständlicher und bei tatsächlichen Fällen leichter zu handhaben. Dieser Aspekt der Arzneimittel muss nach und nach entdeckt werden, was letztlich am besten durch Gruppenanalyse geschieht, wie z.B. durch die Theorie des Periodensystems.

Aber am meisten leitete mich die wissenschaftliche Haltung. Ein echter Wissenschaftler glaubt, dass es eine Ordnung, Einfachheit und Schönheit hinter der Vielzahl an Phänomenen gibt, die wir sehen. Einstein hat das ungefähr so ausgedrückt: die Wissenschaft entwickelt eine einfache Theorie, die die meisten unserer Erfahrungen erklärt. Ich versuchte also, eine Theorie zu finden, die das meiste unserer Materia Medica erklärt, daraus entstand die Theorie des Periodensystems für das Mineralreich. Ich wollte die Homöopathie auf eine höhere Ebene der Wissenschaft bringen.

MB: Auf welche Weise legten Sie den Lebenskonflikt oder das Thema jedes Elements, jeder Serie und jedes Stadiums fest? War es ein Herausdestillieren aus der verfügbaren Literatur, oder eher ein intuitiver Prozess?

JS: Im Prinzip war es eine Kombination von 3 Dingen.

· Materia Medica

· Fälle: meine geheilten Fälle (und die meiner Kollegen und aus Seminaren) gaben mir ein Verständnis des Mittels. Es wurde klar, was das Problem war, was die Essenz, warum bestimmte Symptome auftraten, was ihre Bedeutung war.

· Analyse: sie transferierte die grundlegenden Bausteine der Mittel von Symptomen zu Themen. Z.B. wenn ein Mittel diktatorisch ist, dann bedeutet das, es will der Boss sein, der Anführer. In unserer Materia Medica finden wir hauptsächlich den diktatorischen Aspekt, nicht den "Boss". Aber der muss dort auch zu finden sein. Das ultimative "Thema" eines Mittels ist seine Essenz. Die Essenz macht es möglich, das ganze Arzneimittelbild logisch abzuleiten, zumindest im Prinzip.

Natürlich hat es auch intuitive Momente gegeben. Aber sie entstanden meist und am besten durch harte Arbeit an den oben genannten Themen.

MB: Es gibt eine Menge Debatten über die Verwendung ungeprüfter Arzneimittel. Was ist Ihre Meinung zu diesem Punkt?

JS: Es gibt eine Menge Missverständnisse in Bezug auf Prüfungen und Materia Medica. Es scheint, als ob viele Homöopathen glauben, sie seien identisch. Und viele Materiae Medicae sind so, z.B. die von Hahnemann.

Aber Prüfungen sind nur ein Mittel, um das echte Mittelbild heraus zu finden. Und dieses Mittel ist weit davon entfernt, perfekt zu sein. Das lässt sich aus den folgenden Fakten schließen:

· Zwei Prüfungen desselben Mittels werden keine identischen Ergebnisse liefern.

· Es gibt viele Symptome in den Prüfungen, die von den Prüfern kommen und nicht vom Arzneimittel

· Die meisten Prüfungen bringen Symptome hervor, doch selten das Wesen.

Das führt zu der Situation, in der die Arzneimittelbilder in einem Prozess entdeckt werden müssen, einem Prozess, in dem die Prüfungen einen Anteil haben. Ein anderes Mittel ist die Analyse geheilter Fälle. Ein drittes Mittel ist die Gruppenanalyse, wie ich sie in einem anderen Artikel in diesem Magazin besprochen habe.

Die Gruppenanalyse wird von manchen Homöopathen als gültiges Mittel zurückgewiesen, aber ich glaube, sie ist als Wissenschaft essentiell. In jeder Wissenschaft ist die Klassifizierung ein wesentlicher Schritt für die weitere Entwicklung, wie ich es in "Homöopathe und Wissenschaft" und "Homöopathie und Klassifizierung" besprochen habe. Beide sind in der 'Homeopathic Links' und in 'Geheime Lanthanide' veröffentlicht.

Selbst die Puristen verwenden in der Praxis nicht nur Prüfungsbilder. So beinhaltet das Arzneimittelbild von Lycopodium viele Schlüsselsymptome, die sich in den Prüfungen nicht wieder finden, wie ich schon in "Dogmatismus in der Homöopathie" (Homeopathic Links) erwähnte.

MB: Sie bescherten uns in Ihren Arbeiten Essenz, Themen und zu erwartende Symptome vieler unbekannter und ungeprüfter Mittel. Wie viele von den Mitteln, die zur Zeit des Verfassens Ihrer Bücher ungeprüft waren, sind inzwischen vollständig geprüft?

JS: Das weiß ich nicht. Ich kümmere mich nicht sehr um diesen Aspekt. Wenn ich ein Mittel kenne, ist eine Prüfung nicht mehr so interessant. Ich weiß, dass Jeremy Sherr Scandium geprüft hat und einer der Prüfungsleiter war überrascht, dass einige herausragende Symptome aus meinem Buch in der Prüfung auftauchten.

MB: Konnten Sie Ihre Synthese einiger ungeprüfter Mittel später durch die Prüfsymptome bestätigen und gibt es neue Prüfungen, die sehr unterschiedliche Ergebnisse zu Ihren eigenen Ideen/Arzneimittelbildern hervorbrachten?

JS: Wie ich schon sagte, ich prüfe das nicht so sehr nach. Meine Kontrolle sind die geheilten Fälle. Wenn ein Mittel sehr gut wirkt, kann es das nur tun, weil es das Simillimum ist, oder dem zumindest sehr nahe kommt. Das Bild des Patienten entspricht also dem Arzneimittelbild. Wenn ein Mittel einige Male geholfen hat, dann zweifelt man nicht mehr daran, besonders wenn man die große Anzahl ähnlicher Fälle von anderen Homöopathen in Zeitschriften wie den 'Homeopathic Links' und 'Interhomeopathy' sieht.

Es ist sogar noch überzeugender, wenn man Fälle liest, die alle Aspekte der Theorie des Periodensystems aufwesen, diese aber in der Fallanalyse gar nicht verwendet wurde.

MB: Da Ihr Augenmerk so sehr auf den geheilten Fällen liegt, würde ich gern wissen: wie beurteilen Sie, ob ein Mittel auf lange Sicht heilend gewirkt hat, oder nicht? Welche Kriterien entscheiden, ob ein Mittel oder eine Reihe von Mitteln den Patienten in eine heilsame Richtung bringen? Und zu welchem Zeitpunkt betrachten Sie einen Patienten als geheilt?

JS: Zuerst einmal muss man bedenken, dass Heilung nicht etwas Absolutes ist, sondern relativ. Das Leben ist ein Prozess, eine Entwicklung. Wenn ein Problem gelöst ist, wird nach einer gewissen Zeit ein anderes auftreten, damit man sich weiter entwickelt.

Das Kriterium ist, dem Menschen bei dieser Entwicklung zu helfen. Ein grundlegender Aspekt hiervon ist, dem Menschen zu helfen, freier zu werden, freier von seinen Gedanken, Begrenzungen und Belastungen. Die Patienten drücken das oft mit dem Satz aus: "Die Situation ist unverändert, aber sie frustriert mich nicht mehr". Die Heilung des Gemüts ist daher für mich am wichtigsten. Dies stimmt mit dem Gedanken überein, dass der Ursprung von Krankheit im Gemüt liegt. Das Gemüt muss also zuerst geheilt werden und dann wird der Körper nachfolgen. Das ist auch ein Ausdruck der Heringschen Regel.

Bei so einer Heilung sieht man, wie der Patient glücklicher, kreativer und energiegeladener wird. Es ist mehr Energie vorhanden, weil weniger Energie in das ursprüngliche Problem gesteckt wird.

Die Beschwerden müssen nach einer gewissen Zeit auch verschwinden.

Ist der Patient dann geheilt? In dem Moment ja, bis neue Probleme auftauchen, aber in diesem Prozess sieht man, wie der Patient heller und klarer wird.

MB: meine nächste Frage bezieht sich auf ihre obige Aussage, dass wenn ein Arzneimittel diktatorisch ist, das bedeutet, dass sie Anführer sein wollen, der Boss. Im Repertorium sind folgende Arzneien aus dem Mineralreich in der Rubrik 'diktatorisch' vorhanden:

Mercurius solubilis hahnemanni, Arsenicum album, Causticum Hahnemanii, Cuprum metallicum, Ferrum metallicum, Gallicum acidum, Ozone, Palladium metallicum, Phosphorus, Platinum metallicum, Sulphur.

Das ist eine ziemlich reichhaltige Gruppe, das passt nicht in eine einzelne Gruppe oder in eine Serie. Inwiefern macht das Sinn für Sie? was wäre der Unterschied im 'diktatorisch sein' der einzelnen Mittel, auf der Basis der Themen, die Sie entwickelt haben?

JS: Hier sehen wir das Problem mit den Worten. Ich denke, das Mittel wie Causticum, Cuprum, Ferrum, Ozon und Sulphur an sich nicht diktatorisch sind, aber dass sie sehr dickköpfig in der Verfolgung ihrer Ziele sein können. Das ist etwas anderes. Wirklich diktatorisch zu sein bedeutet, dass man ein Anführer sein will.

Natürlich hängt alles davon ab, wie man das Wort diktatorisch verwendet.

MB: In der gleichen Rubrik gibt es auch viele Arzneimittel aus anderen Königreichen:

Aus dem Tierreich

Androctonos amurreuxi, Apis mellifica, Lachesis.

Aus dem Pflanzenreich

Dulcamara, Lycopodium clavatum, Arnica montana, Bambusa arundinacea, Chamomilla vulgaris, Chelidonium majus, China officinalis, China rubra, Conium maculatum, Lilium tigrinum, Nux vomica, Veratrum album.

Das ist wieder eine sehr vielschichtige Gruppe. Welche Beziehung unterhält die 'diktatorische' Natur des Mineralreichs zu diesen Gruppen und welche Beziehung haben diese Arzneimittel aus den anderen Königreichen untereinander?

JS: Hier können wir wieder darüber diskutieren, ob diese Mittel tatsächlich hier hinein gehören. Meiner Erfahrung nach ist das Repertorium oft falsch. Eine holländische Gruppe hat bei manchen Symptomen nachgeforscht und herausgefunden, dass ungefähr 50% der Eintragungen im Repertorium falsch sind.

Das bedeutet nicht, dass Apis ist nicht auch mal diktatorisch sein kann, aber das ist nicht etwas Typisches von Apis.

MB: Aber wenn wir davon ausgehen, dass 50% der Einträge in unserem Repertorium ungültig sind, dann würde das ja die Grundfesten unserer Arbeit erschüttern. Wenn wir Prüfungsergebnisse zurückweisen und nach synthetischen Zusammenhängen Ausschau halten, würde das die Homöopathie nicht weniger logisch, weniger wissenschaftlich und weniger akzeptierbar für die allgemeine wissenschaftliche Gemeinschaft machen?

JS: Ich denke, das Gegenteil wäre der Fall. Arbeiten mit unkorrekten Daten ist unwissenschaftlich.

Davon auszugehen, dass unsere Repertorien korrekt sind, würde zu einem wissenschaftlichen Dilemma führen: wie kann etwas Korrektes zu etwas Falschem führen, wo doch viele Repertorisationen zum falschen Mittel führen.

Das Problem ist herauszufinden, was korrekt und was falsch ist. Das kann man nur tun, indem man sich die geheilten Fälle anschaut und die Bilder analysiert.

Hahnemann hatte das gleiche Problem. Seine Lösung war zu sagen, dass jedes Symptom während einer Prüfung zum Mittel gehört. Er untermauerte diese Idee nicht. Ich glaube, sie ist falsch.

In den Prüfungen, die ich gemacht habe, habe ich eine Menge Symptome gesehen, die zu den Prüfern gehörten und zu der Situation, in der die Prüfung durchgeführt wurde. Und ich denke, das kann nicht vermieden werden.

Man kann das "Rauschen" minimieren, indem man stark toxische Gaben verabreicht. Dann werden die meisten Leute mehr oder weniger gleich reagieren. Dieses Vorgehen finde ich aber unethisch.

Eine andere Weise ist, sehr empfindsame und saubere Prüfer auszuwählen. Wie schafft man das? Und dann kann es immer noch vorkommen, dass das Arzneimittel dem blinden Fleck der Prüfer ähnelt.

MB: Es hat eine Menge Kontroversen und Diskussionen bezüglich der Methode von Arzneimittelprüfungen in den letzten Jahren gegeben. Es gibt Leute die darauf bestehen, dass Prüfungen mit einer materiellen Gabe beginnen müssten und dann höhere Potenzen von den empfindsameren Prüfern geprüft werden sollten. Auf der anderen Seite gibt es Leute, die empfehlen, dass alle Prüfungen mit der C30 durchgeführt werden sollten. Welches ist ihrer Meinung nach die richtige Art, eine Prüfung durchzuführen? Und woher wissen Sie, was das Symptom eines Mittels ist und was das "Rauschen" ist?

JS: Es gibt keinen richtigen Weg, es gibt viele Wege. Das kann man an der Tatsache sehen, dass viele unterschiedliche Arten von Prüfungen (teilweise) zum Arzneimittelbild führen. In 'Geheime Lanthanide' habe ich ein Kapitel über Prüfungen geschrieben. Der Grundgedanke ist, dass das Mittel als Sender angesehen werden kann, der Prüfer als Empfänger. Der Trick ist, das Signal so rein und voll wie möglich zu empfangen, ohne Rauschen. Es gibt viele Arten, das zu verbessern, nicht nur eine. Der Artikel "Theorie zu den Arzneimittelprüfungen" wird in der Oktoberausgabe von Interhomeopathy: www.interhomeopathy.org veröffentlicht werden.

MB: Jan, einer der Grundsätze in der homöopathischen Praxis ist, dass der Arzt so vorurteilslos wie möglich sein sollte. Wenn wir bei der Fallaufnahme herausfinden, dass dieser Mensch ein "Manager" oder ein "Führer" in einer Organisation ist, nehmen wir an, dass dieses Arzneimittel zur Goldserie gehört und beginnen nach einem Mittel in der Goldserie zu suchen, welches am besten zu diesem Menschen passt. Finden Sie nicht, dass dies ein vorurteilsbeladener Weg ist, ein Mittel zu finden, anstatt erst einmal auf die Totalität zu schauen und dann zu versuchen, das Simillimum zu finden? Unter anderem auch deshalb, weil dieser Ansatz die Augen der Person gegenüber den Arzneimitteln aus anderen Königreichen verschließt.

JS: Hinter dieser Frage verbergen sich verschiedene Probleme:

1. Es ist falsch, ein Mittel aus der Goldserie zu verschreiben nur aus dem Grund, dass jemand ein Führer ist. Man kann das nur tun, wenn die Führung mit dem Problem verbunden ist. Das wäre das gleiche, als ob man ein muriaticum verschreibt, weil der Patient eine Mutter hat.

2. Wenn man entscheidet, dass das Problem ein "Führungsproblem" ist, sagt das noch nichts über das Königreich aus. Die Themen der Goldserie finden sich auch im Pflanzen- und Tierreich, genau wie im Mineralreich. Und viele Tiere und Pflanzen enthalten diese Elemente. Wenn man die Verbindung kennt, ist das sogar hilfreich. Wenn zum Beispiel die Silberserie angezeigt ist, kann man an die Rubiaceen denken (China, Ipecacuanha) oder an die Loganiaceen (Gelsemium, Nux vomica und Ignatia).

3. Das dritte Problem ist, dass die Frage einer oberflächlichen Denkweise und Analyse entspricht. Fallaufnahme und Analyse sind ein Arbeitsprozess. Man muss zum Wesen des Problems vordringen, um es zu erkennen. Und zum Wesen der Arznei gelangt man auf gar keinen Fall auf geradem Weg. Die Essenz ist immer versteckt, manchmal mehr, manchmal weniger, das heißt man muss sie entdecken. Meistens versuchen die Patienten sich davon zu entfernen, weil es schmerzhaft ist. Der Arzt muss den Patienten also dorthin führen, indem er den Schmerz während der Konsultation sanft lindert. Wenn es sich um ein bekanntes Mittel handelt, kann man es mit einigen Hinweisen erkennen.

4. Die Fallaufnahme ist etwas, das erlernt werden muss. Was mich leitet ist die Frage "was ist das Problem hier"?,  "warum sollte dieser Patient diese Symptome hervorbringen?". In der Vergangenheit war ich als Homöopath ein Symptomensammler. Nun analysiere ich Probleme. Das sind zwei sehr unterschiedliche Dinge. Man muss mit dem Patienten in die Tiefe gehen, indem man immer weiter fragt, bis man zum Ende kommt, wo es nichts weiter gibt. Aber das ist oft viel weiter, als man denkt, wie ich bei der Supervision von Homöopathen gesehen habe.

5. Als Homöopath muss man besonders vorsichtig sein, seine eigenen Gedanken nicht zu projizieren. Wir werden zu leicht zum Gedanken verführt, dass wir den Patienten verstehen, wenn wir eine Analogie zu etwas sehen, das uns selbst passiert ist. Aber meist ist die Erfahrung des Patienten eine andere. Man muss also weitere Fragen stellen wie z. B. "was meinen Sie damit?", "können Sie mir mehr darüber erzählen?", "was geschah dann mit Ihnen?", "was haben Sie gefühlt?", "was haben Sie gemacht?", "warum haben Sie das getan?".

6. Es ist auch eine sehr wichtige Tatsache, dass die Patienten von Zeit zu Zeit über das Stadium sprechen. Das Stadium ist, was sie sich selbst antun. Meistens sprechen die Patienten darüber, was andere mit ihnen machen. Das ist auch eine Art, sich vom Problem zu entfernen - das sprechen über andere ist einfacher. Der Homöopath muss also ganz besonders die Frage des Stadiums erforschen. Das Stadium ist die Haltung, das tun, es wird in Verben ausgedrückt. Unsere Materia Medica und Repertorium decken diesen Aspekt der Arzneimittel nicht sehr gut ab, um es freundlich zu sagen. Die Verben fehlen.

MB: Das erklärt den Ansatz ganz erheblich. Aber die jungen Studenten werden oft den Beruf (Manager) mit der 'Serie' in Verbindung bringen. Glauben Sie, dass die Methoden, die Sie, Dr. Sankaran, Mangialavori etc. entwickelt haben, den Studenten von Anfang an beigebracht werden sollten, oder sollten diese Methoden, die zeitweise subjektiver sind oder bessere analytische Fähigkeiten brauchen, erst nach der Ausbildung oder nur praktizierenden Homöopathen beigebracht werden?

JS: Ja, sie sollten von Anfang angelehrt werden. Es nicht zu tun ist, als ob man Chemie lehren wollte, ohne über Atome und das Periodensystem zu sprechen. Das macht die Dinge viel schwieriger. Die neuen Ideen bringen Ordnung in das Chaos der Materia Medica.

Meiner Erfahrung nach sind es nicht die Studenten, die Probleme mit den neuen Ideen haben. Meistens heißen sie sie willkommen und fühlen, dass es ihnen die Aufgabe, das Wissen der Homöopathie zu meistern, erleichtert. Es sind die Lehrer, die die meisten Probleme mit den neuen Ideen haben. Diese Konzepte werden oft an den Schulen nicht unterrichtet, weil es an erfahrenen Lehrern fehlt. Dadurch holen sich die Studenten dieses Wissen hier und dort, ohne richtige Führung.

Das Problem der Vereinfachung, wie das Verbinden des "Managers" mit der Goldserie, ist ein Anfängerproblem, nicht ein Fehler des Systems. Anfänger vereinfachen das Wissen immer, später verfeinern sie es. Die alten Unterrichtmethoden haben das gleiche Problem der Vereinfachung, wonach alle blonden, nachgiebigen Frauen Pulsatilla brauchen, oder alle Menschen mit "unterdrückten Gefühlen" Staphisagria benötigen.

MB: Wie sollten sich die Studenten Ihrem Ansatz/Ihrer Arbeit nähern?

JS: Es dreht sich immer um die eigene Erfahrung. So geht es von der Theorie zu den Fällen und umgekehrt. Wenn man einen guten Fall hat, muss man schauen, was zur Theorie passt und versuchen den Fall von der Sichtweise der Theorie aus zu verstehen. Wenn man einen Fall hat, sollte man versuchen, ihn mit unterschiedlichen Theorien zu analysieren.

Das Verständnis der Stadien ist ebenfalls wichtig. Es bedeutet, dass man tiefer gehen muss, als nur auf das Niveau der Worte und Konzepte. Wenn man die Stadien an sich versteht, sind die Konzepte nur handliche Ansatzpunkte.

MB: Auf eine der obigen Fragen antworteten Sie, dass das Thema der Goldserie auch im Pflanzen- und Tierreich gefunden werden kann. Kürzlich habe ich an anderer Stelle ähnliche Gedanken gelesen, dass man das Simillimum in jedem Königreich finden kann. Glauben Sie, dass es mehr als ein Simillimum geben kann?

JS: Was ich sagen wollte war, dass die Themen der Goldserie und aller anderen Serien im Pflanzen- und Tierreich gefunden werden können, aber sie werden sich dort anders ausdrücken. Ich will damit nicht sagen, dass das Simillimum in irgendeinem Königreich gefunden werden kann. Das war ein Gedanke oder eine Hypothese von Kent, aber ich glaube, dass das falsch ist.

MB: Sie haben gesagt, dass viel von der Fallaufnahme und Fallanalyse abhängt. Welche Bedeutung geben sie der Potenzwahl und dem Fallmanagement für den Heilungsweg des Patienten? Reicht es aus, das Simillimum zu finden?

JS: Die Wahl der Potenz hat weniger Wichtigkeit, wenn man sie mit der Wahl des Mittels vergleicht.

Ich habe den Eindruck, dass empfindsame Menschen höhere Potenzen benötigen.

Aber auf der anderen Seite denke ich, dass ein gutes Mittel in jeder Potenz wirken wird. Die Information wird von dem Niveau, auf dem es gegeben wird zu allen anderen Existenzebenen transferiert.

MB: An dieser Stelle würde ich gern eine Frage stellen, die ich auch Dr. Sankaran vorgelegt habe.

Wissen Sie, dass die Einordnung der Elemente in 'Reihen und Spalten' nicht absolut ist? Es gibt viele Problemzonen beim Mendelev'schen Periodensystem und Wissenschaftler haben viele neue Einordnungen vorgeschlagen wie lang gezogen, kugelartig, zyklisch und in Spiralform. Das können Sie auf der folgenden Website mit mehr Details nachlesen:

http://www.meta-synthesis.com/webbook/35_pt/pt.html

Meine Frage ist, wenn die Reihen und Spalten an sich willkürlich sind, wie können Sie ihnen Stadien der menschlichen Entwicklung, Emotionen und Probleme zuordnen?

JS: Die Reihen und Spalten sind nicht ganz so willkürlich. Sie sind recht festgelegt. Nach Kalium kommt Calcium, dann Scandium und dann Titan. Sie umzukehren würde grundlegendes chemisches Wissen verletzen.

Man kann natürlich verschiedene Anordnungen machen, und jede davon wird einen anderen Aspekt des Periodensystems hervorheben. Einer der Gründe ist, dass es zu komplex ist, um auf eine flache Ebene zu passen, daher gibt es verschiedene dreidimensionale Anordnungen, wie das Alexander-Format (siehe Geheime Lanthanide).

Die meisten Probleme entstehen, wenn man die unterschiedlichen Reihen miteinander kombinieren will, weil sie unterschiedlich viele Mitglieder haben. Die Wasserstoffserie in Reihe 1 hat zwei Mitglieder, man könnte sogar sagen nur anderthalb, da Helium sich zwischen der Wasserstoffserie und der Kohlenstoffserie in Reihe 2 befindet. Die Kohlenstoff- und Silicium-Serien haben acht Mitglieder. Die Eisen- und Silberserie haben 18 und die Goldserie hat 32 Mitglieder. Das passt nicht gut in eine Tabelle, doch gibt es für jedes Element keinen Zweifel, zu welcher Serie es gehört.

Um den Spalten des Periodensystems gerecht zu werden, könnte man eine Beschreibung für jede Länge machen: zwei Stadien, acht Stadien, 18 Stadien und 32 Stadien. Das war es, was ich beim Schreiben von Homöopathie und die Elemente versuchte: ich hatte zu Beginn eine Serie von acht Stadien (für die Kohlenstoff- und Siliziumserie) und von 18 Stadien (für die anderen Serien), aber das fühlte sich nach einer Weile sehr merkwürdig an. Es gab große Überschneidungen in der Bedeutung. Ich fand es verwirrend, zwei Serien von Stadien zu nehmen, eine von 8 und eine von 18, denn es würde Fragen aufwerfen wie "welches Stadium meinen Sie, das der Kohlenstoffserie oder das der Eisenserie?", daher beschloss ich, nur die Serie der 18 Stadien zu beschreiben. Dies ergab nur ein bisschen Verwirrung über die Position von Boron und Aluminium in Stadium 3 bis 9, sowie von Nitrogenium und Phosphor in Stadium 11 bis 15.

In Wirklichkeit ist es ein bisschen komplizierter, aber so ist das eben mit dem Periodensystem.

Um noch ein paar Aspekte von der Kompliziertheit der Situation zu geben, kann man sich die Wasserstoffserie in Reihe 1 anschauen. Sie enthält Wasserstoff und Helium als Mitglieder, daher gibt es zwei Stadien: Stadium 1 und 2.

Helium ist dann in Stadium 2, was sich mit Stadium 18 der "normalen" 18 Stadien vergleichen lässt. Man könnte auch sagen, dass es im Stadium 0 ist, da es vor dem Beginn (Stadium 1) der nächsten Reihe steht. Auch die Tatsache, dass das Stadium von Helium "nichts" repräsentiert, passt besser zur Zahl 0 als zur 2 oder zur 18.

Hydrogenium ist in Stadium 1, aber verglichen mit den 18 Stadien hat es Aspekte aller Stadien von 1 bis 17. es gibt eine besonders deutliche Verbindung mit Stadium 17 und den Halogenen. Dies spiegelt sich in der "syphilitischen" Qualität von Hydrogenium und den Säuren wieder, die einen Aspekt des Stadiums 17 darstellt.

MB: Gibt es noch weitere Problemzonen bei der Verwendung des Periodensystems als Werkzeug, um das Simillimum zu finden ?

JS: Nicht wirklich. Natürlich muss man zuerst das Problem des Patienten erkennen, bevor man die Theorie des Periodensystems anwenden kann.

MB: Sie haben diesen Ansatz in den letzten 15 oder mehr Jahren entwickelt. Glauben Sie, die Arbeit in Bezug auf das Mineralreich und das Periodensystem ist nun vollständig? Worauf konzentrieren Sie Ihre Aufmerksamkeit jetzt?

JS: Sagen wir mal, die Theorie ist rund. Natürlich werden immer noch Details und Verfeinerungen hinzugefügt.

Jetzt konzentriere ich mich mehr auf das Pflanzenreich.

MB: Ich glaube, Sie studieren jetzt verschiedene Pflanzen im Hinblick auf ihren Mineralgehalt und ihre entsprechenden Qualitäten. Was haben Sie bis jetzt herausgefunden?

JS: Diese Forschungen stecken noch in den Kinderschuhen. Sie sollten mit einer viel größeren Pflanzengruppe wiederholt werden. Sie sollten in verschiedenen Stadien der Entwicklung und mit verschiedenen Pflanzenteilen wiederholt werden.

Bisher habe ich nur einzelne Informationen gefunden, die allerdings recht interessant sind. So zeigten z. B. Belladonna und Hyoscyamus zweimal hohe Konzentrationen von Lithium. Das Bild von Lithium hat viele Ähnlichkeiten mit denen von Belladonna und Hyoscyamus.

MB: Jan, in den letzten Jahren sind die Angriffe auf die Homöopathie in Europa deutlich angestiegen. Das wurde in Großbritannien, Frankreich und vielen anderen Ländern thematisiert. Welche Zukunft sehen Sie für die Homöopathie in den nächsten Jahren?

JS: Die Angriffe sind ein Zeichen, dass die Homöopathie in ihrer Wirkung immer stärker wird. Diese Angriffe begannen nach der Veröffentlichung von Mittelanalysen, die die Wirksamkeit der Homöopathie zweifelsfrei aufzeigten. Man kann das ähnlich sehen, wie die Stadien, die Kübler-Ross bei der Konfrontation mit einem Verlust beschrieben hat. Das erste Stadium ist Verneinung, das war die Haltung der Schulmedizin über Jahre hinweg. Sie dachten, die Homöopathie sei es nicht wert, dass man darüber spricht, dass es von selbst vorübergehen würde. Jetzt ist die Schulmedizin im zweiten Stadium, in dem des Zorns. Sie sind wütend, weil sie ihr Monopol verlieren.

Ich weiß nicht, wie es weitergehen wird. Jetzt versuchen sie mehr und mehr politischen Einfluss zu nehmen, um die Homöopathie einzuschränken. Sie verwenden alle Arten von Tricks, um die Homöopathie in ein schlechtes Licht zu setzen. In den Niederlanden führte das eine Zeit lang dazu, dass weniger Menschen sich der Homöopathie zuwandten, aber im Moment nimmt die Zahl wieder zu. Man kann die Leute eine Weile an der Nase herumführen, aber nicht ständig.

MB: Da gibt es noch etwas, was ich recht überraschend finde. Indien hat die größte Anzahl von Homöopathen, aber im Vergleich zu Europa, ist Ihre Arbeit hier noch gar nicht so bekannt, außer in einigen Nischen wie Bombay. Die Mittel sind auch sehr schwierig zu beziehen. Sie haben hier noch nicht viele Seminare gegeben. Haben Sie vor, daran etwas zu ändern?

JS: Ob ich Seminare in Indien gebe hängt davon ab, ob ich eingeladen werde.

Die Mittel kann man alle gut bei Remedia beziehen: www.remedia.at.

Auch Helios hat eine Menge Mittel: www.helios.co.uk

MB: Ich hoffe, wir werden Sie bald in Indien sehen. Jan, danke, dass Sie uns so viel über ihr Leben und ihre Gedanken mitgeteilt haben. Es war eine Freude, mit Ihnen dieses Gespräch zu führen und ich hoffe unser Austausch wird in der Zukunft auch weitergehen, um unser gemeinsames Ziel der Förderung der Homöopathie aufrechtzuerhalten. Vielen Dank!