Die Theorie der Miasmen - Persönlichkeitstypen

Die Theorie der Miasmen - Persönlichkeitstypen

Author: 
George Loukas

Nach der Entdeckung und der Anwendung der Homöopathie seit 30 Jahren (1790-1820), wurde es Hahnemann bewusst, dass, obwohl er sehr gute Resultate mit heftigen Erkrankungen erzielte, er keine drastischen Erfolge in der Behandlung von chronischen Krankheiten erzielte. Er bemerkte, dass diese Krankheiten, nachdem sie unter Verwendung homöopathischer Mittel beseitigt waren, immer in veränderter Form und mit neuen Symptomen wiederkehrten, oder dass sie jährlich mit einer Zunahme der Beschwerden wiederkehrten.

Nach sorgfältiger Beobachtung und weiterem Studium kam Hahnemann zu dem Schluss, dass es ein Heilungshindernis im Organismus gibt, das weder mit Medikamenten oder den gesündesten Diäten bekämpft werden kann, noch von selbst verschwindet. Er nannte dieses Hindernis ein "Miasma". Das Wort Miasma bedeutet Infektion, Befleckung, Verschmutzung und Fleck. Hahnemann dachte, dass die Lebenskraft durch bestimmte Faktoren infiziert ist, und dass diese Infektion die Krankheit verursacht. Er beobachtete drei Miasmen, das psorische, das sykotische und das syphilitische.

Laut Hahnemann sind diese Miasmen die Grundlage für jede Krankheit. Jede Krankheit, gleich welcher äußerer Symptome, kann in einem Miasma oder einer Kombination der oben genannten Miasmen "gefunden" werden. Obwohl die oben genannten Miasmen die Grundlage für jeden krankheitserregenden Prozess sind, wurde die Kombination von Psora und Syphilis als tuberkulinisches Miasma beschrieben. Daher gibt es in der homöopathischen Literatur eine Differenzierung. Die einen Autoren bevorzugen nur die Beschreibung der drei Hauptmiasmen und andere bevorzugen die Beschreibung des tuberkulinischen Miasmas als eines der Hauptmiasmen.

Mir wurde die Miasmentheorie von Aristarchos Tsamaslides gelehrt. Aristarchos hatte sehr gute Kenntnisse über die Miasmen und er wendete sie systematisch in der Praxis der Homöopathie an. Er sagte uns in den Vorlesungen die er uns hielt, dass, wenn wir dies nicht verstünden, dann würden wir unsere Fähigkeiten in der Behandlung von chronischen Krankheiten einschränken. Als ich die Untersuchung seiner Patienten in seinem Behandlungsraum beobachtete, erkannte ich dieses häufig in der Praxis.

An dieser Stelle muss ich einen Autor erwähnen, der viel für das Verständnis der Miasmentheorie getan hat. Es ist P. S. Ortega, der in seinem Buch "Die Miasmenlehre Hahnemanns" eine sehr schöne Beschreibung der grundlegenden Psychosynthese der drei Miasmen lieferte.

Die Freudsche Perspektive:

Wie auch immer, das Verlangen nach weiteren Informationen über die Theorie der Miasmen durch moderne wissenschaftliche Meinungen war groß. Ich wusste nicht, wie ich es anstellen sollte. Eines Tages war ich im Ärztezimmer der neurologischen Klinik des Militärkrankenhauses. Der Begleiter eines Patienten kam herein um nach etwas zu fragen. Die Art, wie er danach fragte war sehr charakteristisch. Der Mann war sehr fordernd, schien sehr zornig zu sein, und seine Stimme hatte einen sehr aggressiven Klang. Ich dachte, dass dieser Mann syphilitisch sei. Nachdem wir ihm geholfen hatten, sagte einer der anwesenden Psychiater zu uns: "Kollegen, was haben sie an dem Verhalten dieses Mannes wahrgenommen? Er ist zornig. Er ist bissig. Er ist nach Freuds Theorie oral fixiert." Diese Information war mir sehr hilfreich. Ich stellte den ersten Zusammenhang her, der für das tiefere Verständnis der Miasmentheorie beitragen könnte. Das syphilitische Miasma stand im Zusammenhang mit der oralen Fixierung nach Freuds Theorie.

Nach dem Freudschen Denken spielen drei Stufen in der Entwicklung der Persönlichkeit einer Person eine wichtige Rolle.

Die erste Stufe ist die orale, die mit dem Moment der Geburt beginnt und bis zum Alter von eineinhalb Jahren anhält. Das Hauptthema dieser Stufe ist das Säugen und das progressive Schwanken der Person zwischen einer Situation der Abhängigkeit von der Brust und einer Situation der Unabhängigkeit.

Die zweite Stufe ist die anale Stufe. Sie folgt der Oralen bis zum Alter von zweieinhalb bis drei Jahren. Das Hauptthema dieser Stufe ist die Kontrolle des Schließmuskels.

Die dritte Stufe ist die ödipale. Sie folgt der Analen und beginnt im Alter von zweieinhalb geht bis zum Ende des fünften Lebensjahres. Das Hauptthema dieser Stufe ist die erfüllte Liebe des Kindes zum Elternteil des anderen Geschlechts.

Eine miasmatische Wechselbeziehung mit den Freudschen Stufen:

Die Person, die nicht normal durch eine dieser Stufen durchgegangen ist, hat eine Fixierung auf diese Stufe. Deshalb, je nach Art der Fixierung, werden drei Typen beobachtet: der orale, der anale und der ödipale.

Der orale Typ ist durch ein forderndes Verhalten, Nörgeln, Gier, Eile, beleidigendes Verhalten, einer Tendenz zur Abhängigkeit, einer starken Tendenz zu Aggressivität und zu Katastrophen charakterisiert.

Der anale Typ ist durch Sauberkeit, der Tendenz zu Feinheit, Perfektionismus und Genauigkeit gekennzeichnet. Er hat eine Tendenz zu Geiz, ist dickköpfig und dogmatisch. Er kontrolliert seine Gefühle. Diese Elemente passen zum sykotischen Typ des homöopathischen Denkens.

Der ödipale Typ ist durch ständige Suche nach dem Ideal und unerfüllter Ziele charakterisiert, und in dem Bestreben, diese zu finden, gibt es viele Hindernisse. Die Geschichte des kleinen Jungen, dessen Vater das Hindernis für sein erotisches Verlangen nach seiner Mutter ist, sei hier wiederholt. Der ödipale Typ entspricht dem tuberkulinischen Typ in der Homöopathie.

Der psorische Typ in der Homöopathie hat keinen entsprechenden Typ in der Freudschen Theorie. Dies kann mit der Tatsache erklärt werden, dass Freud mit Patienten arbeitete, die eine starke Psychopathologie hatten. Der psorische Typ zeigt die geringste Psychopathologie. Deshalb bestand kein offensichtlicher Grund bei einem Psoriker eine Psychoanalyse durchzuführen.

Der oben genannte Zusammenhang vergrößerte mein Wissen über die Miasmen. Laut diesem neuen Denken wurden bestimmte grundlegende Konzepte klargestellt. Um Miasmen zu definieren, benutzte Hahnemann bestimmte nosologische Entitäten, die für seine Zeit gut gewählt waren, aber nicht über die Jahre bestehen konnten. Selbst der Begriff Miasma erwies sich als unglücklich. Die Verwendung von Entitäten in der Benennung von Miasmen verursachte Verwirrung. Deshalb kamen bestimmte Autoren dazu, neue Miasmen nach verschiedenen ernsthaften Erkrankungen zu entdecken.

Gemäß der neuen Beweise begann eine neue allgemeine Typologie zu entstehen. Jeder Typ hat seine eigenen Charakteristika und seine eigenen Krankheitstendenzen. Er ist nicht auf eine Krankheit beschränkt, sondern kann eine Gruppe von Krankheiten erzeugen. Aber deren Verständnis musste durch andere theoretische Systeme erweitert werden.

Pavlovs Blickwinkel:

Auf einer meiner Reisen nach Indien traf ich den homöopathischen Arzt Jawahar Shah, der ähnliche Studien wie ich begonnen hatte, aber aus einem anderen Blickwinkel heraus, der Pavlovschen Psychologie. Shah arbeitete mit einem Team von Psychiatern zusammen und führte Elemente der Theorie des Russen Pavlovs in die Theorie der Miasmen ein. Pavlov hatte eine eigene, folgende Typologie entwickelt: viel Erregung bei guter Hemmung, viel Erregung bei schwacher Hemmung, wenig Erregung bei guter Hemmung und wenig Erregung bei geringer Hemmung. Er hat auch diese Typen zu Hippokrates' Typologie, die vier Typen enthält, in Verbindung gesetzt: der sanguine, der phlegmatische, der cholerische und der melancholische Typ.

Als ich mit den Studien fortfuhr, konnte ich weitere Beziehungen in Relation zu den Typologien der vier Typen herstellen. Für das gesamte Studium über Diathese legte ich ein allgemeines Model vor, zusammen mit Elementen unterschiedlicher theoretischer Systeme.

Die folgende Tabelle liefert ein Schema der Beziehungen der verschiedenen theoretischen Systeme.

ZUSTAND A

ZUSTAND B

ZUSTAND C

ZUSTAND D

HOMEOPATHIE

 

 

 

PSORISCHES MIASMA

SYKOTISCHES MIASMA

SYPHILITISCHES MIASMA

TUBERKULINISCHES MIASMA

FREUD

 

 

 

Es gibt keine direkte Beziehung. Die Konzepte des psychologischen Konflikts und der Verdrängung werden hier klassifiziert.

ANALE FIXIERUNG

ORALE FIXIERUNG

ÖDIPALE FIXIERUNG

PARACELSUS

 

 

 

SCHWEFEL - KRANKHEITEN

SALZ -  KRANKHEITEN

QUECKSILBER - KRANKHEITEN

 

PAVLOV

 

 

 

VIEL ERREGUNG BEI GUTER HEMMUNG

WENIG ERREGUNG BEI GUTER HEMMUNG

WENIG ERREGUNG BEI GERINGER HEMMUNG

VIEL ERREGUNG BEI SCHWACHER HEMMUNG

HIPPOKRATES

 

 

 

SANGUIN

PHLEGMA

SCHWARZE GALLE

GELBE GALLE

EMPEDOKLES

 

 

 

FEUER

WASSER

ERDE

LUFT

PLATO

 

 

 

FEUER

WASSER

ERDE

LUFT

GREGOR VON NYSSA

 

 

 

HIMMEL

WASSER

ERDE

LUFT

Nach der Darlegung der vereinheitlichenden Theorie der Diathese, begann das Feld der Theorie der Miasmen klarer zu werden. Es war klar, dass das Konzept der Miasmen schon vor Hahnemann existierte, nur unter Verwendung einer anderen Terminologie und von unterschiedlichen Autoren aufgestellt. Nach bestimmten klinischen Beobachtungen benutzte Hahnemann seine eigenen Begriffe, und er präsentierte sie als seine eigene Theorie. Für jemanden, der die Homöopathie kennt, ist es offensichtlich, dass Hahnemann von den Theorien Paracelsus' beeinflusst war, da für Hahnemann Schwefel das haupt-antimiasmatische Mittel ist und Quecksilber das haupt-antisyphilitische.

Die vereinheitlichende Theorie der Diathese ist kein statisches, theoretisches Modell. Dass sie in der University of People's Friendship in Moskau gelehrt wurde, hat zur Vertiefung beigetragen. Bestimmte Doktoren, die in dieser Lehre unterrichtet wurden, arbeiten bereits in diese Richtung. Es ist offensichtlich, dass ein solches Thema in diesem Rahmen hier nicht ausgeführt werden kann. Jeder, der mehr über dieses Thema lesen möchte, kann in meinem Buch "Roots, principles for a unification of the human sciences" nachschauen.

Einige zusammengefasste klinische Charakteristiken der vier Typen der Theorie der Miasmen werden wie folgt dargestellt:

Das psorische Miasma

Wenn Hahnemann das Wort "Psora" verwendete, so meinte er einen ursprünglichen, krankhaften Zustand, wobei, nachdem die innere Ansteckung des gesamten Organismus vollzogen ist, bestimmte Hautexantheme erscheinen. Er argumentierte, dass "Psora die älteste, universalste, verheerendste und unbekannteste miasmatische Krankheit ist, die die Nationen seit Jahrtausenden entstellt und gequält hat". Für Hahnemann ist die Psora eine Krankheit oder eine Empfänglichkeit für eine Krankheit, die über Jahrtausende von Generation zu Generation weitergereicht wurde, und sie ist die Brutstätte für jeden krankhaften Zustand. Gleichzeitig ist es die ansteckendste und infektiöseste aller Krankheiten.

Wenn man die allgemeinen Charakteristiken hunderter von Symptomen der Psora beschreiben möchte, dann sollten zwei Eigenschaften erwähnt werden: Überempfindlichkeit und Mangel. In manchen Büchern wird der Mangel, in anderen die Überempfindlichkeit betont.

Wir können das Konzept der Überempfindlichkeit anhand eines einfachen Beispiels verstehen: Wenn wir 2 unterschiedliche Individuen äußerlich stimulieren, dann werden sie unterschiedlich reagieren. Die psorischen Individuen reagieren stärker als die angeblich "normalen Individuen". Das heißt, es besteht ein Abfall des Schwellwertes und es besteht eine Überreaktion. Die Reaktion geht zwar in die richtige Richtung, aber sie ist heftig. Diese Überempfindlichkeit ist in allen Bereichen des psorischen Lebens präsent. Er beobachtet seine Umgebung sehr genau und ist sich ihr sehr bewusst. Er ist empfindlich. Er wird auch leicht wütend. Nachdem er seinem Ärger Luft gemacht und gut geschlafen hat, ist er nicht hasserfüllt. Er weint auch leicht. Nach dem Weinen fühlt er sich besser. Wegen der Überempfindlichkeit ist er launisch. Seine Überempfindlichkeit geht mit einer authentischen Ausdrucksfähigkeit einher. Er ist reich an Ausdrucksmöglichkeiten seiner Gefühle. Er zeigt Gefühle. Der Psoriker kann ein Wissenschaftler oder ein Künstler sein. Er ist für Licht, Lärm und Gerüche überempfindlich. Er kann sich sehr leicht vor unwichtigen Ursachen fürchten. Der typischste Ausdruck der Überempfindlichkeit im Körper ist das jucken. Ein äußeres oder inneres Jucken, zum Beispiel wie kitzeln, ist ein Zeichen der Psora. Die Unterdrückung der äußerlichen körperlichen Erscheinungen der Psora durch falsche medikamentöse Behandlung resultiert im Auftreten eines inneren oder psychischen Juckens, das für das Individuum sogar noch beschwerlicher ist. Solche Unterdrückungen führten Hahnemann zu der Entdeckung des psorischen Miasmas und zu dessen Beschreibung.

Die andere Hauptcharakteristik des psorischen Miasmas ist Mangel. Der Mangel drückt sich als Gefühl der Unzulänglichkeit aus. Es besteht ein tiefes Gefühl der Unterlegenheit. Man sieht dies am erfolgreichen Geschäftsmann, der intelligent ist und hart arbeitet, der sich aber immer auf jemand anderes verlassen können möchte. Er sucht sich immer einen Partner. Wenn sein Partner ein Gauner ist, kann dieser ihn leicht ausnutzen. Er braucht immer Unterstützung; er sucht sich immer Schutz. Dieses Gefühl der Unterlegenheit findet sich auch im Wissenschaftler, der fortwährend nach der Unterstützung seines Lehrers oder seiner Kollegen bittet, obwohl er sein Fach gut beherrscht. Er sucht in seinen Beziehungen nach Fürsorge und Sympathie. Das liegt an seiner Zurückhaltung, die von seinem Gefühl der Unterlegenheit erzeugt wird. Er hat starke Hemmungen. Jede seiner Aktionen wird von einer inneren Stimme gestoppt. Er ist ängstlich und fürchtet sich leicht.

Dieses Gefühl der Unzulänglichkeit zwingt ihn, in einer Fantasiewelt zu leben, die aber nicht die autistische Welt eines Schizophrenen ist. Es ist einfach das Gefühl der Unzulänglichkeit, das ihn daran hindert, seine Träume zu erfüllen. Daher muss seine bunte innere Welt durch Fantasie ausgedrückt werden. Das sieht man in dem Individuum, das zum Unterricht geht und anstelle von aufzupassen die meiste Zeit in Tagträume verfällt. Es besteht wegen bestimmten tiefen Emotionen ein Kontaktverlust, zum Einen aufgrund seiner Überempfindlichkeit, zum Anderen im nicht Ausdrücken dieser Emotionen wegen seiner Gefühle der Unzulänglichkeit.

So sind Psoriker Leute mit einer reichen inneren Welt, die nicht ausgedrückt und draußen nicht vollständig wahrgenommen wird, weil es ihnen an Ausdruckskraft fehlt. Wegen ihres Unterlegenheitsgefühls werden sie abgestumpft, unbeweglich und reserviert. Wenn dieses Unterlegenheitsgefühl nicht wäre, wären sie viel glücklichere Leute und würden der Gesellschaft mehr bieten. Sich ihrer "Hilfslosigkeit" bewusst zu sein verursacht bei ihnen Traurigkeit. Wenn sie sich traurig fühlen, dann schauen sie fern in die Zukunft und sehen glücklichere Tage auf sie warten. Die Worte eines bekannten griechischen Liedes drücken die psorische Traurigkeit sehr schön aus: "Habe Geduld, und der Himmel wird blauer ..." In ihnen steckt Hoffnung; sie ging nicht verloren.

Der Psoriker achtet sehr darauf, was andere von ihm denken, er respektiert die Bräuche und Traditionen der Gesellschaft und er fühlt sich schuldig, wenn er die Regeln nicht einhält. Dies erklärt sich leicht aus dem Gefühl der Unzulänglichkeit. Das Gefühl der Unzulänglichkeit lässt ihn ständig nach der Unterstützung von anderen suchen. Er schafft Beziehungen zur Unterstützung, stellt Bindungen zur Unterstützung her und er möchte nicht, dass sie auseinander gehen, weil er ohne sie alleine gelassen wird. Hinter dem geselligen Umgang mit Leuten liegt das Verlangen nach Unterstützung der Gruppe. Er fürchtet Ablehnung.

Sein Verlangen danach hemmt seine Sehnsüchte. "Ich muss" ist stärker als "Ich will". Zum Beispiel fragt der Psoriker bevor er handelt sich selbst, ob es gesellschaftlich akzeptiert ist oder nicht, gewöhnlich handelt er nicht. Er ist gegenüber seinen Verwandten sehr großzügig. Er wird durch Bemerkungen anderer leicht verletzt. Es dauert eine Weile, bevor er seinen Zorn ausdrückt, aber wenn er einmal zu Ausdruck gebracht ist, dann ist der Zwischenfall vergessen.

Das psorische Individuum tendiert zu platonischer Liebe. Nehmen wir an, einem psorischen Mann gefällt eine Frau. Er denkt: "Welch eine hübsche Frau ... Was für eine liebenswerte Person ... Ich frage mich, ob sie mich mag. Nun, viele Männer sind hinter ihr her, ich bezweifle, dass sie mich möchte ... Was wäre, wenn sie mich ablehnt?" Hier ist ebenfalls eine Hemmung. Auf der einen Seite eine Hemmung, die durch sein Gefühl der Unzulänglichkeit verursacht wird, auf der anderen Seite das Gefühl, dass sein Verhalten von der Gesellschaft abgelehnt werden könnte. Dadurch erlebt er Liebe durch die Fantasie. Er ist eine Person, die sich schon oft verliebt hatte, der aber nur sehr selten seine Fantasien erfüllt hat. Er ist auch emotional, macht sich leicht Sorgen und ist leicht verletzlich. Seine Liebensfantasien sind heterosexuell. Er ist ehrlich mit seinen Gefühlen. Er verliebt sich in die ganze Person, nicht in eine Brust oder ein Bein. Er sieht die Persönlichkeit und sieht seine Partnerin nicht als Sexobjekt.

Der Psoriker ist auch religiös. Er ist im weiten Sinne religiös. Sein Glaube ist von philosophierender Art, ist das Verlangen zu suchen und er liegt in der Qual der Existenz. In anderen Worten, er ist das Gefühl der Unzulänglichkeit gegenüber der Größe des Universums.

Im Allgemeinen tendiert der Psoriker dazu, Bräuche und Traditionen und gesellschaftliche Regeln einzuhalten und er hat ein gut entwickeltes Sozialverhalten. Daher glaubt er an Konzepte wie die Familie, Arbeit usw. Er möchte eine Familie gründen, er arbeitet gerne, und er erfüllt geduldig seine gesellschaftlichen Pflichten, zum Beispiel den Militärdienst. Er sieht den Dienst an der Gesellschaft als Ehre an und setzt seine persönlichen Interessen nicht über alles.

Der Mangel, typisch für den Körper, erscheint auf unterschiedliche Art, wie zum Beispiel durch ungeeignete Ernährung. Er isst ständig, sein Organismus kann die Nahrung aber nicht aufnehmen. So entsteht der Mangel.

Diejenigen, die erwähnen, dass der Mangel an Vitaminen und Spurenelementen für die verschiedenen Erkrankungen verantwortlich sind, stimmen mit dem homöopathischen Denken überein, weil sie sich auf den Punkt konzentrieren, die mit dem psorischen Miasma zusammenhängen. Zum Beispiel verursacht der Mangel an Vitamin A Trockenheit. Trockenheit ist eines der grundlegenden Symptome des psorischen Miasmas. Als er über das psorische Miasma schrieb, wusste Hahnemann nichts von der Existenz von Vitamin A.

Mineralmangel verursacht Störungen der normalen Funktionen des Organismus. Kalziummangel verursacht Osteomalazie, Herzstörungen und neuromuskuläre Erregbarkeit. Kaliummangel verursacht kardiale Funktionsstörungen und Störungen im Säure-Basen-Gleichgewicht. Natriummangel verursacht Wasserverlust im Organismus. Jodmangel verursacht einen Kropf. Magnesiummangel verursacht neuromuskuläre Störungen, kardiale Funktionsstörungen und Osteomalazie. Eisenmangel verursacht Anämie. Zinkmangel verursacht dermatologische Störungen, Funktionsstörungen der Retina, Diabetes, Azoospermie, Abort, Senilität. Kupfermangel verursacht hepatolentikuläre Degeneration, Osteoporose und Anämie. Kobaltmangel verursacht Anämie und allgemeine Schwäche. Seleniummangel verursacht muskuläre Dystrophie und kardiale Funktionsstörungen. Danach ist Hahnemanns Theorie bestätigt, in der er das psorische Miasma die Basis der gesamten menschlichen Erkrankungen ist.

Das Sykotische Miasma

Das Wort Sykose entstammt dem Wort "syco" (Griechisches Wort für Feige). Hahnemann verwendete dieses Wort, weil die sykotische Person die Anlage besitzt, Warzen zu bilden, die dazu tendieren, wie eine Feige auszusehen. Anders ausgedrückt bedeutet Sykose Verrukose.

Beginnen wir mit der Gemütssphäre der sykotischen Person: die sykotische Person hat die Neigung, sich zur Geltung zu bringen. Die sykotische Frau geht durch die Straßen und erregt Aufsehen. Wenn sie vorbeigeht, drehen sich die Köpfe nach ihr um, und darum bemüht sie sich, bewusst oder sogar unbewusst. Ein sykotischer Mann stolziert großspurig, bläst sich auf, um seine Muskeln zu zeigen. Teure Kleidung, die in einem Trendladen gekauft wurden, haben ebenfalls mit Sykose zu tun. Der Kauf eines teuren Autos (obwohl es für den beruflichen Gebrauch nicht nötig ist) hat auch einen Bezug zur Sykose.

Medizin und "trendige" Berufe, wie Journalist, Rechtsanwalt, Politiker, sagen sykotischen Personen sehr zu. Das glänzende Praxisschild an der Tür, die glamouröse Oberfläche, weltweite Anerkennung, alle üben sie eine Anziehungskraft auf den jungen Studenten aus. Ein sykotischer Wissenschaftler stellt sich selbst als Besonderheit in seinem Gebiet vor, selbst wenn er nur mittelmäßig ist. Er nennt sich selbst Experte oder Meister seines Fachs. Er setzt gerne viele Titel auf sein Praxisschild. Als Patient bevorzugt er namhafte und hochqualifizierte Ärzte, die ihm allwissend zu sein scheinen. Er misstraut Ärzten, die bescheiden und direkt sind.

Diese Neigung anzugeben, zeichnet jedes sykotische Verhalten aus, und meistens ist dies unbewusst. Wenn er zum Beispiel traurig ist, dann erregt die Art, wie er weint, die Art, wie er seufzt, die Aufmerksamkeit aller, und erweckt deren Sympathien für ihn. Die Art, wie die sykotische Person wütend wird, ist auch extravagant. Die Person schreit, schimpft und macht ein Riesentheater.

Eine weitere Haupteigenart der Gemütssphäre der sykotischen Person, ist eine Tendenz, Dinge für sich zu behalten. Im Allgemeinen überwiegt das für sich behalten das Geben. Deshalb ist die sykotische Person nicht davon begeistert, zu geben. Der sykotische Lehrer ist ziemlich unwillig, sein Wissen zu teilen; er ist nicht die Art von Person, die Wissen vermittelt. Er wird versuchen, es für sich zu behalten. Er kann sogar versuchen, andere für längere Zeit in die Irre zu führen, und er gibt das Wissen nicht weiter. Meistens findet sich im Geben-und-Nehmen Zwiespältigkeit.

Emotionen behält er ebenfalls für sich. Obwohl er sich selbst im Fokus der Aufmerksamkeit aller haben möchte, öffnet er gegenüber seinen Partnern, falls er in Schwierigkeiten ist, doch nicht sein Herz. Dies trifft für eine Mutter zu, die ihrem Kind die kalte Schulter zeigt. Da sind keine Emotionen in ihren Liebkosungen, sie sind mehr wie zugeschnürt.

Der sykotische Liebhaber ist unwillig, Emotionen zu vermitteln. Leidenschaft gehört nicht zu seinen Eigenschaften. Die Sykose hält geheim. Die sykotische Person neigt dazu, alles geheim zu halten, außerhalb der Sichtweite anderer. Dies kann entweder bewusst oder unbewusst erfolgen. Zum Beispiel kann er seine Ziele geheim halten, sich hinterhältig verhalten, er offenbart nicht viel von sich selbst und er verheimlicht seine wahren Absichten. Er versteckt auch seine wahren Gefühle. Wenn er traurig ist, sieht er nicht so traurig aus, wie es die Umstände erfordern würden. Deshalb scheint er in den Augen der anderen stark zu sein. Er mag jemanden vielleicht nicht, lächelt ihn dennoch an, und ist sehr freundlich zu ihm.

Wenn die sykotische Person gibt, dann erwartet sie für später sicher wieder etwas zurück. Gier ist ein Ausdruck für das Verlangen, Dinge für sich zu behalten. Eine habgierige Person ist "knickrig", sie gibt nicht. Objekte zu sammeln ist auch eine sykotische Erscheinung.

Im Allgemeinen lässt sich sagen, wenn eine sykotische Person auf einen Stimulus reagiert, dann geht ihre Reaktion in die richtige Richtung, sie hat aber eine eingeschränkte Intensität. Dies liegt daran, dass sie Dinge für sich behält, sie nimmt nur einen Teil der Intensität des gesetzten Stimulus auf. Dies zeigt, dass nur die Erscheinung der Person stark ist. Zum Beispiel, wenn sie einem schmerzlichen Stimulus ausgesetzt ist, dann scheint sie nicht traurig zu sein.

Tatsächlich ist diese Art der Stärke eine Schwäche, und dies liegt daran, dass diese Art von Person ein eingeschränktes Spektrum für die Reaktion besitzt. Sozusagen zeigt sie in der Art zu funktionieren Inflexibilität. Diese Steifheit geht mit einer Tendenz zu Kontrolle einher. Die sykotische Person möchte die Kontrolle über andere Leute und über sich selbst haben. Sie hält jede Ausdrucksform, jede Emotion unter Kontrolle. Sie kann die Spontaneität der Emotionen nicht leiden.

Pedanterie ist eine weitere Eigenschaft des sykotischen Miasmas. Die Hausfrau, die sich über ein Staubkörnchen auf den Möbeln ärgert, die den Boden drei Mal täglich kehrt und wischt, die ihrem Mann verbietet, das Haus mit den Schuhen zu betreten, ist ein Beispiel sykotischer Pedanterie.

Im Allgemeinen ist die sykotische Person zugeschnürt, etepetete, ordentlich, macht sich zu viel über ihren Zeitplan Gedanken, so viel, dass dem Plan ein höherer Wert beigemessen wird, als der Essenz der Dinge. Sie möchte alle Objekte auf ihrem Schreibtisch sauber aufgereiht sehen, sie möchte ihr Auto perfekt gereinigt haben, sie achtet darauf, dass dessen Farbe nicht verblasst; sie schützt es vor Wind und Regen. Sie macht sich um Kleinigkeiten sorgen.

Religiosität ist ein weiteres Beispiel sykotischer Pedanterie. Ein Gläubiger fokussiert seine Aufmerksamkeit nicht auf die Philosophie und der tieferen Bedeutung der Religion, sondern auf das Ritual. Für ihn ist es sehr wichtig, dass das Kreuzzeichen drei Mal gemacht wird, nicht zwei Mal, dass die Fastenzeit exakt vierzig Tage lang eingehalten wird, er nimmt es mit der Einhaltung des Zeitplans sehr genau. Religiosität, zusammen mit den anderen Eigenschaften des sykotischen Miasmas, war typisch für die Schriftgelehrten und Pharisäer, die immer das geschriebene Gesetz einhielten, aber es nicht verstehen konnten, welchem Zweck die Existenz dieses Gesetzes in erster Linie diente.

Der sykotische Wissenschaftler hat einen Hang dazu, Phänomene zu klassifizieren. Klassifizierungen sind Ausdruck der Sykose. Übermäßiger Hang zu klassifizierenden Systemen, wie DSM (Abk. für Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, das Klassifikationsschema der American Psychiatric Association für psychische Krankheiten; Anm. des Übersetzers) oder ICDX (Internationale Statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, X-te Revision; Anm. des Übersetzers) ist Sykose. Die Kenntnisse innerhalb von Spezialgebieten und Überqualifizierung sind auch sykotische Charakteristika. Die sykotische Person konzentriert ihre Aufmerksamkeit auf Einzelheiten, verliert aber den Gesamtüberblick. Deshalb können wir die Entwicklung der Medizin und der Wissenschaften einmal im Ganzen sehen, und wie wichtig es ist, vollständige und tiefe Heilung der Wissenschaftler zu bewerkstelligen, damit sich die Wissenschaft entwickeln kann.

Im Allgemeinen ist die sykotische Person dogmatisch. Für sie ist alles schwarz und weiß. Sie ist unflexibel. Sie ist nicht für neue Ideen empfänglich. Sie lehnt eine neue Idee ab, ohne sie untersucht zu haben. Reklassifizierungen in dem System der Wissenschaften und der Werte erfüllen ihn mit Furcht. Er möchte das Wissen und die Ideen in seinem Kopf sehr gut klassifiziert haben. Er möchte alles organisiert und geregelt haben. Dies verursacht in ihm ein Verlangen nach Kontrolle.

Er möchte alles unter Kontrolle haben. Die Komplexität und Vielgestaltigkeit der Natur flößt ihm Furcht ein. Die immer währende Bewegung des Universums macht ihm ebenfalls Angst. Folglich pickt er sich aus dieser Vielgestaltigkeit das heraus, was er klassifizieren kann, was er ordnen kann. Dies ist gewöhnlich nur die Oberfläche des Phänomens. Wenn er einmal klassifiziert hat, dann wird er versuchen, es beständig und starr zu halten. Er erlaubt nur kleine Änderungen, die er noch kontrollieren kann.

Im Allgemeinen besteht in der Sykose eine Tendenz, die psorischen Eigenschaften zu übertreiben. Zum Beispiel besitzt die psorische Person ein undefinierbares und unbewusstes Gefühl der Unterlegenheit. Wenn, warum auch immer, die Person denkt, dass sie zu nichts fähig ist, dass sie nicht hübsch ist, dass sie nicht intelligent ist, dass es ihr an allem mangelt, dann bemerken wir einen übertriebenen Ausdruck der Gefühle der Unterlegenheit, und dies ist bei dem sykotischen Miasma der Fall.

Soweit es das Liebesleben einer sykotischen Person betrifft, so hat sie bezüglich ihres Liebespartners viele Fantasien. Zum Beispiel, sobald ein sykotischer Mann eine Frau sieht, hat er Fantasien von erotischen Positionen. Aber obwohl er starke Fantasien hat, lebt er sich normalerweise während des Liebesspiels nicht aus, ist kalt und immer kontrolliert.

Auf der körperlichen Ebene herrschen Hyperplasien und Hypertrophien vor. Wie vorher schon gesagt, schuldet die Sykose ihrem Merkmal ihren Namen. Die Sykose ist auch durch verstärkte Sekretionen charakterisiert. Zum Beispiel ist die Gonorrhöe eine sykotische Manifestation. Sykotische Ekzeme zeigen reichlich Absonderungen von Flüssigkeiten. Andererseits beobachten wir das Speichern von Flüssigkeiten im Organismus. Entzündungen sind zusammen mit der Zystenbildung ein Hauptmerkmal der Sykose.

DAS SYPHILITISCHE MIASMA

Das syphilitische Miasma schuldet seinen Namen der Tatsache, dass es eine angeborene Neigung für Zerstörung zeigt, die ein vorherrschendes Merkmal bei Syphilis ist. Es hat die Menschheit schon vor dem Ausbruch der Syphilis gepeinigt. Wir sollten die Syphilis als eine der wahrscheinlichsten Manifestationen des syphilitischen Miasmas ansehen. Ganz bestimmt hätte Hahnemann, wenn er heute noch leben würde, einen anderen Namen für dieses Miasma gewählt.

Aber beginnen wir damit, die Gemütssphäre einer syphilitischen Person zu beschreiben. Eines der herausragenden Merkmale des syphilitischen Miasmas ist die Tendenz zu erobern. Er möchte ständig etwas erobern. Nach der Eroberung verliert das eroberte Objekt seine Bedeutung, es kann ihn sogar anwidern. Er hat sich selbst ein neues Ziel gesetzt; er ist sozusagen eine schwer zufrieden zu stellende Person. Der Syphilitiker ist eine Person, die leicht neidisch wird. Was auch immer seinen Blick kreuzt, er möchte es haben.

Ein weiteres Hauptmerkmal des syphilitischen Miasmas ist die Tendenz der Person zur Zerstörung. Hooligans, zum Beispiel, zerstören alles, was ihnen in die Quere kommt. Sie zerstören selbst dann, wenn ihr Team gewonnen hat. Sie gehen nicht zum Sportplatz, weil sie das Spiel sehen möchten, sondern weil sie zerstören wollen. Zerstörung ist für sie ein Vergnügen.

So, wie der psorische Fan zurückhaltend sein wird, und die Regeln und die Gegner respektieren wird, so tendiert der sykotische Fan dazu, aufzufallen, indem er vielfarbige Schals seiner Mannschaft trägt, die syphilitische Person erstrebt in jedem einzelnen Moment die Zerstörung.

Die syphilitische religiöse Person zerstört auch im Namen Gottes, an den er glaubt. Er möchte töten, um den Anhänger einer anderen Religion zu eliminieren; im Gegensatz dazu steht die psorische Person, die in die tiefere Bedeutung von Religion eindringt und wie die sykotische Person, die aber an den Ritualen hängt, ein religiöser Philosoph ist.

Ein weiterer syphilitischer Ausdruck religiöser Gesinnung sind die Riten der "Schwarzen Magie". Die Gläubigen beschwören den Gott der Eroberung und der Zerstörung, um ihre Ziele, entweder die Eroberung oder die Zerstörung, zu erreichen. Ein weiterer häufiger syphilitischer Aspekt ist Atheismus.

Der "Iconoclast", der nichts respektiert, der an nichts glaubt, ist auch ein syphilitischer Ausdruck. Die Religion ist ein Ausdruck des Gesetzes, der Syphilitiker kämpft gegen das Gesetz. Syphilitische Personen haben kein entwickeltes gesellschaftliches Gewissen; sie können anderen Menschen nichts von sich selbst anbieten.

Sie sind Antihelden; sie nehmen gesellschaftliche Pflichten nicht an. Sie lehnen es ab, den Militärdienst, wie vom Gesetz geregelt, zu absolvieren. Das Gedicht von Carvotaki zielt darauf ab:

Michalios
Michalios ist zur Armee gegangen.
Stolz hat er dort angefangen,
zusammen mit Maris und Panaviotis.
Er konnte nicht einmal das "Gewehr schultern".
Gewöhnlich nuschelte er immer: "Herr Hauptgefreiter,
lassen sie mich zurück in mein Dorf gehen."
Im nächsten Jahr, im Krankenhaus,
schaute er still in den Himmel,
er richtete seinen Blick auf einen Punkt,
seine Mimik war nostalgisch und sanft,
als ob er sagen würde, als ob er betteln würde:
"Lass mich nach Hause gehen."
Und Michalios starb als Soldat.
Ein paar Soldaten eskortierten ihn,
Maris und Panaviotis waren unter ihnen.
Das Loch im Sarg über ihnen war zugedeckt,
sie ließen seine Füße heraushängen:
Armer Kerl, er war ein wenig groß ... .

In diesem Gedicht kann man bestimmte Eigenschaften der syphilitischen Person erkennen. Zunächst sehen wir den Mangel an sozialem Gewissen. Zweitens bemerken wir die Abhängigkeit von der Familie. Diese Abhängigkeit zeigt eine hochgradige Unreife. Es ist eine Art der Abhängigkeit, die in keinem Verhältnis zu seinem Alter steht, die aber Elemente infantiler Abhängigkeit enthält.

Dies liegt daran, dass die Persönlichkeit nicht angemessen ausgebildet ist, und so kollabiert sie unter der Wirkung einer stress erregenden Stimulation, und die Person nimmt primitivere Mechanismen an, um zu funktionieren, in anderen Worten, er benimmt sich wie ein Kind. Diese Tendenz zur Abhängigkeit ist der wichtigste prädisponierende Faktor für die Abhängigkeit zu giftigen Substanzen und Alkohol, die in ihren schweren Formen syphilitische Situationen sind.

Eine weitere Eigenschaft, die oben beschrieben wird, ist, wie leicht eine syphilitische Person unter der Wirkung einer stress auslösenden Stimulation chaotisch wird. Selbst durch eine Stimulation mittlerer Intensität ist eine Tendenz zum Chaos, zum völligen Chaos, vorhanden, bis die Person an den Rand völliger Zerstörung gebracht ist. So geschieht di es zum Beispiel während eines psychotischen Zwischenfalls. Die syphilitische Reaktion auf eine Stimulation, die eine normale Person als von mittlerer Intensität ansehen würde, verursacht ihm ein totales Chaos, einen totalen Kontaktverlust zur Realität. Darüber werden wir in den nächsten Abschnitten noch mehr sagen.

Die Wut der syphilitischen Person ist heftig, explosive Wut, die die anwesenden Personen ängstigt. Sie ist von Destruktivität geprägt. Die psorische Person ist in Folge der intensiven Überempfindlichkeit heißblütig. Es ist, wie auch immer, eine oberflächliche und vorübergehende Verärgerung. Sobald sie sich Ausdruck verschafft hat, ist die Verärgerung vorbei. Die sykotische Person kontrolliert normalerweise ihre Wut, aber wenn sie zum Ausdruck kommt, dann übermäßig stark; so übermäßig stark,  dass sie zum Brennpunkt der Aufmerksamkeit wird. Keinesfalls, wie auch immer, wird sie den Anderen Angst machen, so wie es eine syphilitische Person tun würde.

Die Traurigkeit der syphilitischen Person zeichnet sich ebenfalls durch Destruktivität aus. Die Person glaubt, es macht keinen Sinn mehr zu leben. Sie ist bedrückt, traurig und trostlos. Sie lehnt das Leben komplett ab. Sie interessiert sich für nichts; im Gegensatz zur sykotischen Person, die ihre Traurigkeit durch den Gesichtsausdruck, die Körperhaltung und die Tränen zeigt, und im Gegensatz zur psorischen Person, die sich in sich zurückzieht, besessen von dem Gefühl der Unzulänglichkeit.

In Momenten der Freude ist sie ebenfalls durch Destruktivität charakterisiert. Sie möchte aus purer Lust zerstören. Diese Destruktivität kann sich nach außen oder nach innen manifestieren, und macht die Person verrückt. Jemand, der seine Sinne zu einem heiteren Anlass verliert, ist syphilitisch miasmatisch; im Gegensatz dazu die sykotische Person, die jeden an ihrer Freude teilhaben lassen möchte, und im Gegensatz zur psorischen Person, die sich wie ein Kind benimmt, wenn sie emotional wird.

Die intensive Sehnsucht, seinem Leben ein Ende zu setzen ist auch syphilitisch miasmatisch. Suizid und Mord. Sie sind Ausdruck der typischen Destruktivität der syphilitischen Person. Allgemein gesprochen, erfährt die syphilitische Person keine Freude. Sie kann die Freuden des Lebens nicht erfahren. Zum Beispiel wird eine syphilitische Person nach der Geburt eines Kindes für sich denken: "Warum bist du auf diese Welt gekommen? ... Du wärest besser nicht geboren worden ... Ärger und Sorgen warten auf dich."

Auf der anderen Seite wird die sykotische Person sich ihres Kindes rühmen und versuchen, die natürlichen Gaben des Neugeborenen aufzuzeigen, und sie möchte, dass jeder ihr Kind bewundert, wobei sich die enthusiastische psorische Person aus der Freude heraus wie ein Kind benimmt.

Die Destruktivität ist das vorherrschende Charakteristikum der körperlichen Sphäre. Eine typische körperliche Manifestation des syphilitischen Miasmas ist das Geschwür. Das Geschwür ist ein destruktiver Prozess. An bestimmten Stellen im Gewebe findet sich die Zerstörung der Form, die Zerstörung der Struktur.

Die schnelle Metastasierung geht häufig mit der Destruktivität des Krebsprozesses einher, dies können wir bei manchen Krebsformen beobachten.

 

Das Tuberkulinische Miasma

Was das tuberkulinische Miasma charakterisiert, ist eine konstante Tendenz zur Veränderung, eine Tendenz, sich auf ein Ziel zuzubewegen, das in der Sphäre der Fantasie der Person idealisiert ist, das weit von der Realität der Person entfernt ist. Aber im Falle, dass das Ziel erreicht ist, verliert es seinen Wert und die Person verliert das Interesse in das, was ihn vorher faszinierte. Jetzt dominiert ein anderes Ziel seine Fantasien und dieses dominiert gerade so lange, bis es ebenfalls erreicht ist, und dann wird es seinen Wert verlieren. Wir beobachten in dem oben gesagten Charakteristiken des psorischen und syphilitischen Miasmas. Deshalb sehen es viele als komplexes Miasma an und beschreiben es nicht voneinander getrennt, während andere sie als getrennte Miasmen betrachten. Wir werden versuchen, sie als getrennte Entitäten zu beschreiben. Wir müssen dabei betonen, dass die Tuberkulose ein einfacher klinischer Ausdruck des tuberkulinischen Miasmas ist, und dass es weitere klinische Situationen außer der Tuberkulose gibt, die zu dem tuberkulinischen Miasma gehören.

Schauen wir uns einmal typische Beispiele zu dem an, was vorher gesagt wurde.

Nehmen wir einmal an, dass eine Person, in der das tuberkulinische Miasma vorherrscht, in Athen lebt. Ihr Leben erscheint ihr stumpfsinnig und langweilig. Häufig geht sie hinunter zum Piräus und schaut den Booten beim Segeln zu. Sie beobachtet sie und stellt sich die Städte weit hinter dem Horizont vor. Im Geiste macht sie Pläne für weite Reisen zu schönen Städten. Sie wird versuchen zu reisen, sobald sie die Gelegenheit dazu erhält. Das Verlangen zu reisen ist ein Hauptmerkmal des tuberkulinischen Miasmas.

Nehmen wir einmal an, es ist ihr möglich, ihre Stadt zu verlassen, um zum Beispiel nach Korfu zu gehen. Sie wird für kurze Zeit voller Enthusiasmus sein, aber schon bald wird sie sich wieder langweilen und lustlos fühlen. Wieder und wieder wird sie hinunter zum Hafen gehen und sich fragen, was sich hinter dem Horizont versteckt, wieder und wieder wird sie Pläne für neue Reisen machen, und sie wird himmlische, weit entfernte Plätze in Betracht ziehen.

Dieses Verlangen nach Bewegung charakterisiert auch ihr Liebesleben. Der tuberkuline Typ ist eine amouröse Person. Sie verliebt sich leidenschaftlich, verliebt sich aber häufig in unerreichbare oder verbotene Ziele. Wenn sie schließlich erreicht, was sie so sehr ersehnt hat, dann bemerkt sie nach kurzer Zeit, dass die Leidenschaft vergangen ist, Langeweile und Lustlosigkeit haben ihre Stelle eingenommen. Die Intensität der Emotionen, wie sie die tuberkulinische Person in einem Liebesverhältnis erfährt, ist auch beachtlich. Bei frustrierten Gefühlen versinkt die Person in Traurigkeit. Da gibt es einen bekannten Satz dafür: "Für deine Liebe werde ich noch tuberkulös."

Bezüglich des Liebeslebens der tuberkulinischen Person sollten wir erwähnen, dass sie sich häufig in Situationen verliebt, wo Hindernisse vorhanden sind. So begehrt sie häufig die Frau eines Anderen oder verliebt sich in eine Person, mit der ein Liebesverhältnis aufgrund der Umstände nicht möglich ist. Dasselbe gilt auch für ihre Interessen. Sie möchte sich ständig mit neuen Dingen beschäftigen. Die tägliche Routine und das gewöhnliche Leben sind nichts für sie. Sie langweilt sich sehr leicht. Deshalb möchte sie ständig neue Aktivitäten aufnehmen, neue Ideen aufgreifen. Ihr Geist ist ständig auf Achse. Deshalb kann sie geistreich sein oder in Musik und Literatur künstlerisch begabt sein. Die tuberkulinische Person hat ständig neue Inspirationen, tut sich aber schwer darin, all diese neue Ideen zu systematisieren. Sie hat Schwierigkeiten zu vollenden, was sie begonnen hat. Deshalb möchte sie ständig etwas Neues beginnen und dann wiederum etwas Neues usw. Es ist sehr wichtig, sich dies bezüglich der Erziehung tuberkulinischer Kinder zu merken. Ein strenges Bildungssystem und strenge Eltern werden den Gesundheitszustand des Kindes nur verschlechtern, und es besteht die ernste Gefahr, dass eine der Erkrankungen auftritt, die in die Sphäre des tuberkulinischen Miasmas gehören.

Beim tuberkulinischen Miasma endet die in der Fantasie gelebte Ablehnung der täglichen Routine und das Streben nach dem schwer erreichbaren Ideal im Konflikt mit dem Gesetz. In der tuberkulinischen Person steckt die Angst vor Bestrafung. Oftmals ist dies unbewusst und wird in der Fantasie ausgedrückt, dafür bestraft worden zu sein, weil sie es gewagt hat, etwas anderes, etwas Neues zu ersehnen. Deshalb vermeidet die tuberkulinische Person, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten und entscheidet sich dafür, zu flüchten.

Dies ist eines der ausgeprägten Merkmale. Wenn sie einer stressauslösenden Stimulation ausgesetzt ist, dann reagiert sie nicht direkt in die gleiche Richtung, sondern sie reagiert intensiv in die entgegengesetzte Richtung. Deshalb wird sie, um über die Traurigkeit durch einen Verlust hinwegzukommen, übermäßig arbeiten oder in den Nachtclub gehen, um Dampf abzulassen und so über den Kummer dieses Anlasses hinwegzukommen. Der Zeibekiko-Tanz (populärer griechischer Tanz im 7/8-tel Takt) ist ein typisch tuberkulinisches Symbol.

Das Studium der tuberkulinischen "Rempetika" - Lieder ist interessant. Nach dem Studium ihrer Verse können wir darauf schließen, dass der häufigste - und Hauptgegenstand dieser Lieder die Mutter ist.

Beim tuberkulinischen Miasma bemerken wir häufig den Wechsel in der Gemütssphäre. So sehen wir, dass die tuberkulinische Person manchmal den Schutz sucht, und manchmal die Unabhängigkeit. Manchmal ist sie inaktiv und manchmal ruhelos. Manchmal ist sie depressiv und manchmal überaus fröhlich. Manchmal ist sie heftig und manchmal extrem empfindlich.

Die körperlichen Charakteristika sind die Tendenzen für Eiterung, Fisteln, Divertikel und Narbenbildung. Es bestehen auch Tendenzen zur Auszehrung und Schwächung, die Tendenz zu intensivem Schwitzen, die Empfindlichkeit auf Kälte und auf Wetterwechsel.

George Lukas